Wer aus Deutschland seinen Sommerurlaub buchen möchte, muss bei Pauschalreisen offenbar tiefer in die Tasche greifen als Kunden aus anderen europäischen Ländern. Eine Analyse des größten deutschen Reiseveranstalters TUI zeigt: Nahezu identische Reiseangebote – dieselben Hotels, dieselben Flugzeiten, dieselben Leistungen – sind auf der deutschen Buchungsplattform TUI.com spürbar teurer als auf den Webseiten der TUI-Landesgesellschaften etwa in den Niederlanden, Österreich oder Frankreich.
Gleiche Reise, anderer Preis – wie kann das sein?
Das Phänomen ist kein Einzelfall. Beispiel: Eine einwöchige Reise in ein Vier-Sterne-Hotel auf Mallorca kostet auf TUI.com/DE deutlich mehr als auf TUI.nl oder TUI.at, obwohl sämtliche Leistungen identisch sind. Die Preisunterschiede bewegen sich teils im dreistelligen Eurobereich – bei Familienreisen kann das mehrere Hundert Euro Mehrkosten bedeuten.
TUI rechtfertigt diese Unterschiede mit landesspezifischer Preisgestaltung. Faktoren wie lokale Marktbedingungen, Nachfrage, Wettbewerbssituation, Steuern und Vertriebsstrukturen würden bei der Kalkulation eine Rolle spielen. Aus juristischer Sicht ist eine solche Preisdifferenzierung grundsätzlich zulässig – auch innerhalb des EU-Binnenmarkts.
Verbraucherrechtlich nicht ideal – aber erlaubt
Rechtlich ist das Vorgehen durch die sogenannte Dienstleistungsfreiheit innerhalb der EU gedeckt. Unternehmen dürfen ihre Preise national unterschiedlich gestalten, solange keine Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit vorliegt. Allerdings dürfen Reisende aus Deutschland nicht daran gehindert werden, auf ausländischen TUI-Webseiten zu buchen – was in der Praxis jedoch oft durch technische Hürden oder Sprachbarrieren erschwert wird.
Verbraucherschützer kritisieren diese Praxis dennoch: „Preisunterschiede bei exakt gleichen Leistungen sind für Verbraucher nicht nachvollziehbar“, sagt eine Sprecherin des Europäischen Verbraucherzentrums. Transparenz sei hier besonders wichtig, gerade bei hochpreisigen Produkten wie Urlaubsreisen.
Was können Kunden tun?
Wer sparen möchte, sollte beim Buchen über den deutschen Tellerrand schauen: Preise auf den Webseiten der TUI-Töchter in anderen EU-Ländern vergleichen – mit Sprachtools oder Hilfe von Vergleichsportalen lässt sich dies mittlerweile gut umsetzen. Oft ist auch eine Buchung über Reisebüros im Ausland möglich.
Wichtig: Reiserechtliche Absicherung wie die Insolvenzversicherung gilt bei Pauschalreisen innerhalb der EU überall gleichermaßen – entscheidend ist, dass es sich um eine Pauschalreise nach der EU-Richtlinie handelt. Der Gerichtsstand im Streitfall richtet sich jedoch nach dem Land des Anbieters, was im Konfliktfall zu abweichenden Abläufen führen kann.
Fazit:
Pauschalreisen aus Deutschland können teurer sein – nicht wegen höherer Qualität, sondern wegen unterschiedlicher Preisstrategien. Wer auf sein Urlaubsbudget achtet, sollte Preise international vergleichen und die Transparenzlücken großer Veranstalter nicht einfach hinnehmen. Rechtlich ist das Vorgehen erlaubt, aus Verbrauchersicht aber fragwürdig – und ein weiteres Beispiel dafür, wie ungleich der europäische Binnenmarkt in der Praxis manchmal wirkt.