Die Verbraucherzentrale Berlin hat am 1. Oktober 2026 die Ergebnisse eines Marktchecks zu Lebensmitteln veröffentlicht, die ausdrücklich für Schwangere und stillende Frauen angeboten werden. Untersucht wurden 28 Produkte aus den Drogeriemärkten Budni, dm, Müller und Rossmann sowie aus dem Onlinehandel. Das Ergebnis fällt kritisch aus: Viele der sogenannten Mama-Produkte waren erheblich teurer als vergleichbare gewöhnliche Lebensmittel, enthielten viel Zucker oder boten nach Einschätzung der Verbraucherschützer keinen erkennbaren ernährungsphysiologischen Zusatznutzen.
Zum untersuchten Sortiment gehörten vor allem Säfte, Riegel und Kräutertees. Die Hersteller bewarben diese Produkte mit Begriffen und Aufmachungen, die einen besonderen Nutzen während der Schwangerschaft oder Stillzeit nahelegen. Solche Versprechen treffen auf eine sensible Zielgruppe: Werdende und stillende Mütter möchten sich und ihr Kind möglichst gut versorgen und können deshalb besonders empfänglich für Produkte sein, die Sicherheit, Gesundheit oder eine optimale Nährstoffversorgung versprechen.
Der Preisvergleich zeigt, wie stark dieser Wunsch kommerziell genutzt werden kann. Ein als Spezialprodukt vermarkteter Himbeerblättertee war nach Angaben der Verbraucherzentrale beispielsweise 235 Prozent teurer als das herangezogene gewöhnliche Vergleichsprodukt. Ein höherer Preis bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Qualität oder eine besondere gesundheitliche Wirkung.
Auch die Zusammensetzung mehrerer Produkte sorgte für Kritik. Die untersuchten Säfte enthielten pro Portion teilweise eine Zuckermenge, die rechnerisch sieben bis elf Zuckerwürfeln entsprach. Bei einigen Riegeln waren es bis zu sechs Zuckerwürfel je Portion. Hinzu kamen zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe. Eine solche Anreicherung ist nicht grundsätzlich vorteilhaft: Ob einzelne Nährstoffe zusätzlich eingenommen werden sollten, hängt von der persönlichen Ernährung, der Schwangerschaftsphase und gegebenenfalls von ärztlich festgestellten Mängeln ab. Eine wahllose oder doppelte Versorgung durch mehrere angereicherte Produkte und Nahrungsergänzungsmittel kann unnötig sein.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen fünf im Marktcheck erfasste Tees, die Fenchel enthielten. Die Verbraucherzentrale verweist darauf, dass Fachgesellschaften Schwangeren und Stillenden inzwischen von Fencheltee abraten. Hintergrund sind die natürlich vorkommenden Stoffe Estragol und Methyleugenol, die als möglicherweise erbgutschädigend bewertet werden. Das bedeutet nicht, dass der einmalige Konsum zwangsläufig gesundheitliche Schäden verursacht. Die Empfehlung zielt vielmehr darauf, eine vermeidbare und regelmäßige Aufnahme vorsorglich zu begrenzen.
Gesicherte Angaben: Die Verbraucherzentrale Berlin untersuchte stichprobenartig 28 ausdrücklich für Schwangere oder Stillende vermarktete Lebensmittel. Dabei stellte sie deutliche Preisaufschläge, teilweise hohe Zuckergehalte und bei fünf Tees Fenchel als Zutat fest. Der Marktcheck erhebt keinen Anspruch darauf, den gesamten Markt abzubilden.
Einordnung und Bewertung: Die Ergebnisse sprechen nicht dafür, sämtliche Produkte für Schwangere oder Stillende pauschal als schlecht oder gefährlich zu bewerten. Sie zeigen jedoch, dass die Bezeichnung „Mama-Produkt“ kein Qualitätssiegel ist. Verbraucherinnen sollten Zutatenliste, Nährwertangaben, Portionsgröße und Grundpreis prüfen und mit gewöhnlichen Lebensmitteln vergleichen. Für eine gesunde Schwangerschaft ist in der Regel eine ausgewogene Ernährung wichtiger als speziell gestaltete Snacks, Säfte oder Teemischungen. Welche Nahrungsergänzung tatsächlich sinnvoll ist, sollte individuell mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft geklärt werden.