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Interview mit Handelsexperte Hendrik Schneider: „Die Schnäppchenjagd ist zur Gewohnheit geworden“

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay

Redaktion: Herr Schneider, die Deutschen warten immer häufiger auf Sonderangebote und kaufen dann auf Vorrat. Wie kam es zu diesem Verhalten?

Hendrik Schneider: Das hat sich vor allem durch den Inflationsschub vor zwei Jahren entwickelt. Damals stiegen die Preise rasant, und die Menschen mussten bewusster einkaufen. Auch wenn die Inflationsrate inzwischen gesunken ist und die Löhne gestiegen sind, hat sich diese Gewohnheit fest verankert. Viele greifen weiterhin nur zu, wenn Produkte im Angebot sind.


Redaktion: Welche Produkte sind besonders betroffen?

Hendrik Schneider: Vor allem länger haltbare Markenprodukte wie Kaffee, Butter, Tiefkühlpizza und Schokolade stehen im Fokus. Hier sehen wir, dass mittlerweile rund zwei Drittel der verkauften Packungen nur noch im Sonderangebot über die Ladentheke gehen. Das ist eine enorme Entwicklung im Vergleich zu früher.


Redaktion: Was bedeutet das für die Lebensmittelhändler?

Hendrik Schneider: Die Händler haben sich darauf eingestellt und reagieren mit wöchentlich ähnlichen Sonderangeboten. Viele Prospekte ähneln sich mittlerweile stark: Immer wieder sind dieselben Produkte im Fokus. Die Strategie dahinter ist klar – man will die Kunden in die Läden locken. Wenn das Lieblingsprodukt günstiger ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kunden auch noch andere Artikel mitnehmen.


Redaktion: Wie sieht es bei Markenprodukten aus?

Hendrik Schneider: Besonders Markenprodukte werden häufig nur noch im Angebot gekauft – bei manchen Artikeln ist es fast jedes zweite Produkt. Das ist fast ein Drittel mehr als vor dem Inflationsschub im Jahr 2022. Marken haben ihren Preis, und die Verbraucher wissen das. Deswegen kaufen sie sie bevorzugt im Sonderangebot.


Redaktion: Können die Supermärkte die Kunden überhaupt noch anders anlocken?

Hendrik Schneider: Schwer vorstellbar. Die Schnäppchenjagd ist inzwischen fest im Konsumverhalten verankert. Selbst wenn die Menschen mehr Geld zur Verfügung haben, wollen sie kein Risiko eingehen und warten lieber auf günstige Preise. Für die Händler bedeutet das, dass sie weiterhin regelmäßig Preisaktionen bieten müssen.


Redaktion: Hat sich dieses Verhalten auch langfristig etabliert?

Hendrik Schneider: Absolut. Die Verbraucher haben sich daran gewöhnt, und das wird auch so bleiben. Selbst wenn die wirtschaftliche Lage sich weiter entspannt, bleibt der Spargedanke präsent. Die Erfahrung der letzten Jahre hat die Menschen geprägt.


Redaktion: Was können Konsumenten tun, um von Sonderangeboten optimal zu profitieren?

Hendrik Schneider: Wer sparen möchte, sollte die Werbeprospekte gezielt durchsehen und vor dem Einkauf eine Liste erstellen. Es kann sich auch lohnen, auf Vorrat zu kaufen, wenn Lieblingsprodukte besonders günstig sind. Wichtig ist aber, nicht über das Ziel hinauszuschießen und Dinge zu kaufen, die man eigentlich gar nicht braucht.


Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schneider!

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