Laut einer neuen Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) landen die Deutschen beim internationalen Vergleich der geleisteten Arbeitsstunden beinahe auf dem vorletzten Platz – nur Frankreich und Belgien arbeiten noch weniger.
Im Jahr 2023 kamen Menschen im Erwerbsalter (15 bis 64 Jahre) in Deutschland im Durchschnitt auf 1.036 Arbeitsstunden pro Kopf – das entspricht etwa 20 Stunden pro Woche, wenn man Urlaube, Teilzeit, Krankheit und Arbeitslosigkeit einrechnet. Im OECD-Vergleich bedeutet das: Platz 36 von 38.
Besonders auffällig: Spitzenreiter wie Mexiko oder Südkorea liegen bei deutlich über 1.800 Stunden. Selbst klassische Industrienationen wie die USA oder Japan liegen noch weit vor Deutschland. Die Studie zählt dabei alle Menschen im Erwerbsalter, also auch Teilzeitbeschäftigte und Arbeitslose – was das Ergebnis stark von der tatsächlichen Wochenarbeitszeit eines einzelnen Vollzeitbeschäftigten unterscheidet.
Was steckt hinter den Zahlen?
Deutschland hat:
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hohe Teilzeitquoten, vor allem bei Frauen,
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vergleichsweise viele Urlaubstage und Feiertage,
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ein ausgeprägtes Sozialsystem, das Auszeiten (z. B. Elternzeit) ermöglicht,
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und eine starke Produktivität pro Stunde – was oft als Argument dient, dass weniger Zeit nicht unbedingt weniger Leistung bedeutet.
IW: „Arbeitsvolumen zu gering“
Das IW interpretiert die Zahlen als Warnsignal: In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel müsse Deutschland die gesamtwirtschaftliche Arbeitszeit erhöhen. Die Forderung: weniger Teilzeit, längere Lebensarbeitszeiten, weniger Frühverrentung. Kritiker halten dagegen: Mehr Arbeit bedeutet nicht automatisch mehr Wohlstand – und schon gar nicht mehr Lebensqualität.
Fazit:
Deutschland arbeitet im internationalen Vergleich weniger – aber effizient. Ob das ein Problem ist oder ein Modell mit Zukunft, liegt im Auge des Betrachters. Sicher ist: Die Diskussion über Arbeitszeit, Work-Life-Balance und Fachkräftestrategien dürfte mit dieser Studie neuen Auftrieb bekommen.