Es war einmal eine Zeit, in der die Sonne kostenlos schien und man Strom vom eigenen Dach ins Netz einspeisen konnte, ohne gleich einen Bankkredit aufnehmen zu müssen. Doch damit könnte bald Schluss sein: Die Bundesnetzagentur hat nämlich eine blendend gute Idee – zumindest aus ihrer Sicht.
Sonne satt, aber keiner will’s
Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur und offensichtlich kein Freund sonniger Aussichten, hat erkannt: Stromnetzbetreiber mögen keine Solarstromüberschwemmung zur Mittagszeit, wenn die Sonne knallt und die Photovoltaikanlagen auf Hochtouren laufen. Der Grund? Die Sonne fragt einfach nicht höflich, ob jetzt gerade Strombedarf besteht. Stattdessen speist sie ein, wenn sie will – und das geht natürlich nicht.
Müllers Lösung: Private Einspeiser sollen künftig bezahlen, wenn sie ihren überschüssigen Solarstrom ins Netz werfen. Schließlich muss das Stromnetz dringend ausgebaut werden, und warum sollte die Netzagentur dafür Geld ausgeben, wenn man es auch von den Solardächern runterkratzen kann?
Sonnensteuer: Wenn das Einspeisen teurer ist als die Einnahmen
Doch aufgepasst: Wer zu unverschämten Zeiten – also wenn die Sonne scheint – Solarstrom einspeist, könnte am Ende eine negative Bilanz verbuchen. Klingt absurd? Ist es auch! Aber die Logik dahinter ist einfach: Strom, der produziert wird, wenn er nicht gebraucht wird, verursacht Kosten. Und die müssen natürlich die bezahlen, die ihn produzieren.
Müllers Idee: Wer den Strom dann liefert, wenn er im Netz auch gebraucht wird – etwa im Winter, wenn Wärmepumpen röcheln und Heizlüfter brummen – soll weiterhin ohne Zusatzkosten einspeisen dürfen. Einziger Haken: Die Sonne scheint im Winter bekanntlich weniger. Wer Pech hat, zahlt also im Sommer für den Überfluss und kriegt im Winter einfach keine Sonne geliefert.
Sonnensteuer, Smarthürden und Behördenmarathon
Doch damit nicht genug: Um Müllers Plan umsetzen zu können, braucht es natürlich noch ein bisschen Hightech-Zauber. Smartmeter sollen künftig genau messen, wann die Sonne sich zum Arbeiten bequemt. Dafür braucht man dann aber auch eine Genehmigung, die beim Netzbetreiber beantragt werden muss – falls er gerade Lust hat, sich darum zu kümmern.
Natürlich könnte man den Sonnenstrom einfach selbst verbrauchen, zum Beispiel mit einer fetten Batterie im Keller. Oder man schließt sich direkt ans Balkonkraftwerk an – da fragt auch keiner nach Netzentgelten. Aber für größere Anlagen heißt es jetzt: Neukalkulieren!
Sonnenfinsternis im Portemonnaie
Früher galt die Einspeisevergütung als goldene Eintrittskarte ins Solarbusiness. 20 Jahre lang garantierte die Vergütung regelmäßige Einnahmen, und die Sonne wurde vom Energieversorger quasi mit einer Applausprämie bedacht. Aber die Zeiten sind vorbei: Derzeit gibt es mickrige 7,94 Cent pro Kilowattstunde, und das reicht bald nicht mal mehr für den Kaffee beim Bäcker
Katharina Reiche: Die Sonne als Schuldige
Und als ob das nicht genug wäre, hat Müller in Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche eine treue Verbündete gefunden. Die ehemalige Chefin des Energiekonzerns Westenergie, einer Tochter von Eon, sieht das ähnlich: Warum sollen private Solaranlagenbesitzer profitieren, während die Allgemeinheit die Kosten trägt? Schließlich hätte die Sonne ja auch einfach mal die Betriebszeiten der Industrie berücksichtigen können.
Reiche findet: Privatstromlieferanten kosten nur Geld – und das geht so nicht. Womöglich müssen die Besitzer kleiner Anlagen demnächst sogar eine „Sonnensteuer“ entrichten. Und wer ohne offizielle Erlaubnis sein Solardach betreibt, muss sich auf einen Wetterkontrolleur vom Ordnungsamt einstellen.
Sonne? Nur gegen Bezahlung!
Die Zukunft der privaten Solarstromproduktion steht also unter keinem guten Stern – oder eher unter keiner guten Sonne. Denn wer hätte gedacht, dass die leuchtende Hoffnung für grüne Energie eines Tages zur Kostenfalle wird? Vielleicht sollte man die Sonne doch lieber verkaufen – an den, der sie wirklich braucht.
Oder noch besser: Man legt die Solarpanels einfach flach und hofft, dass die Bundesnetzagentur bald ein Gesetz zur Abschaffung von Sonnenschein erlässt. So hätte die Netzstabilität endlich wieder die Oberhand – und die Sonne könnte sich entspannt in Rente verabschieden.