Ein Fall, der nach einem Krimi klingt, aber bittere Realität ist: Zwei Polizeibeamte aus Hannover sollen jahrelang Drogendealer in der Innenstadt nicht etwa bekämpft, sondern gegen Bezahlung laufen gelassen haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage erhoben – wegen Erpressung, Bestechlichkeit, Diebstahl und Strafvereitelung. Der Prozess soll Ende Juni vor dem Landgericht beginnen.
Brisant: Die Ermittlungen kamen ausgerechnet durch Aussagen mutmaßlicher Drogendealer ins Rollen. Diese berichteten im Zuge eigener Verfahren, dass die Beamten bei Kontrollen regelmäßig Geld gefordert hätten – bis zu 400 Euro pro Kopf –, um im Gegenzug Strafverfahren zu verhindern. Als in den offiziellen Ermittlungsakten keinerlei Zahlungen dokumentiert waren, wurde der Verdacht schnell konkret.
Die Beschuldigten, 34 und 50 Jahre alt, waren im Kommissariat Hannover-Mitte tätig. Der jüngere der beiden – ein Oberkommissar – sitzt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Auf seinem Konto fanden sich offenbar auffällig hohe Geldbeträge, zudem soll es Hinweise auf eine geplante Ausreise gegeben haben. Der ältere Kollege ist derzeit auf freiem Fuß – gegen ihn bestehe laut Staatsanwaltschaft kein Fluchtrisiko.
Laut Anklage sollen die beiden Beamten seit Anfang 2022 rund 6.000 Euro auf diese Weise kassiert haben. Doch es steht mehr auf dem Spiel als eine fünfstellige Summe: Der Fall erschüttert das Vertrauen in eine Institution, die eigentlich Recht und Ordnung durchsetzen soll – nicht deren Preis verhandeln.
Zusätzlich zu den Korruptionsvorwürfen ist auch von Versicherungsbetrug die Rede – hier hielt sich die Staatsanwaltschaft bislang bedeckt. Fest steht: Sollten sich die Vorwürfe vor Gericht bestätigen, drohen den Angeklagten mehrjährige Haftstrafen. Noch gilt die Unschuldsvermutung – doch das Vertrauen ist bereits schwer beschädigt. In diesem Fall heißt die bittere Wahrheit: Nicht nur die Dealer hatten Dreck am Stecken.