Der bekannte Virologe Prof. Dr. Christian Drosten hat vor dem Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtages zur Corona-Politik die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verteidigt. In seiner Aussage betonte er insbesondere die Wirksamkeit von Impfungen und Kontaktbeschränkungen, insbesondere während der ersten Pandemiewelle im Frühjahr 2020.
Impfung senkte Krankheitslast und Sterblichkeit
Drosten hob hervor, dass die Corona-Impfung entscheidend zur Reduktion schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle beigetragen habe. Damit widersprach er pauschalen Kritiken, die die Schutzimpfungen als überflüssig oder gar schädlich dargestellt hatten. Auch im internationalen Vergleich – etwa mit Großbritannien – ließen sich positive Effekte von Kontaktbeschränkungen und Lockdowns deutlich erkennen.
Keine Alleinverantwortung für politische Entscheidungen
Dem Vorwurf, er habe als eine Art „Chefarchitekt“ der Corona-Strategie allein maßgeblich die Politik beeinflusst, widersprach Drosten deutlich. Er habe ausschließlich auf wissenschaftlicher Grundlage Empfehlungen ausgesprochen, die sich stets auf den jeweils aktuellen Stand der Forschung stützten. Entscheidungen seien politisch getroffen worden – nicht von Wissenschaftlern, so Drosten.
Zugleich zeigte er sich selbstkritisch: Natürlich habe man in der frühen Phase der Pandemie nicht in allen Punkten richtig gelegen. „Das ist in einer sich entwickelnden Situation ganz normal“, sagte er. Wichtig sei gewesen, schnell und evidenzbasiert zu handeln, auch wenn nicht immer vollständige Daten vorlagen.
Hintergrund: U-Ausschuss zur Aufarbeitung der Pandemiepolitik
Der Untersuchungsausschuss des sächsischen Landtags soll unter anderem klären, wie Entscheidungen über Maßnahmen wie Lockdowns, Schulschließungen oder Impfkampagnen zustande kamen und welche Rolle wissenschaftliche Berater spielten. Besonders in Sachsen, wo Maßnahmen zum Teil auf starke gesellschaftliche Kritik stießen, ist das Interesse an der Aufarbeitung groß.
Drosten ist einer der prominentesten Wissenschaftler der Pandemie in Deutschland. Seine Einschätzungen prägten sowohl die öffentliche Debatte als auch das Regierungshandeln – für manche war er dabei Stimme der Vernunft, für andere ein umstrittener Akteur.
Die Sitzung des Ausschusses dauert an. Weitere Erkenntnisse werden im Laufe des Verfahrens erwartet.