Weniger Menschen im Büro, mehr Platz im Kalender – aber auch mehr leerstehende Quadratmeter: Der Trend zum Schrumpfbüro hält in Deutschlands Wirtschaft weiter an. Laut einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts schätzt mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen (26,3 Prozent), dass ihre Büroflächen nicht mehr ausreichend genutzt werden. Die einst begehrten Open-Space-Areale und Glaswürfel mit Stehtischatmosphäre verkommen vielerorts zur verwaisten Kulisse.
Knapp 10 Prozent der Unternehmen haben bereits reagiert und ihre Büros verkleinert, weitere 12,5 Prozent planen dies innerhalb der nächsten fünf Jahre. Besonders ausgeprägt ist der Flächenverzicht bei Dienstleistern – also gerade jenen Branchen, die seit Corona das Homeoffice entdeckt und offenbar nie wieder hergegeben haben.
Ifo-Ökonom Simon Krause bringt es auf den Punkt: Hauptgrund für die neue Leere ist die anhaltende Unterauslastung – das klassische Büro ist vielerorts zum Geisterhaus geworden. Die flexible Arbeit von zu Hause aus, einst als Notlösung belächelt, hat sich als dauerhafte Realität etabliert. Und während sich Arbeitgeber einst mit Tischkicker und Obstkorb um ihre Mitarbeiter im Büro bemühten, steht heute eher die Frage im Raum: Wofür eigentlich noch der ganze Raum?
Büroflächen, einst Statussymbol, werden zur finanziellen Last. Wo früher Quadratmeter für Wachstum standen, zählen heute Kosten-Nutzen-Verhältnisse – auch in der Immobilienstrategie. Ob daraus am Ende die große „Bürodiät“ wird oder einfach ein neuer Flächenmix mit Hot-Desking und Flexzonen, bleibt offen.
Fest steht: Der klassische Schreibtisch hat Konkurrenz bekommen – durch Küchenstühle, Sofaecken und gelegentliche Café-Termine. Das Büro von morgen ist kleiner, hybrider und vielleicht etwas leiser. Nur die Kaffeemaschine wird es vermissen, wenn morgens niemand mehr „Guten Morgen“ sagt.