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„Rendite ist gut – aber nicht, wenn man das Risiko dafür blind schluckt.“

ijmaki (CC0), Pixabay

Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow über die Genussrechte und Darlehensangebote der Fa. Karl Günther

Frage: Herr Iwanow, ein kleines Getränkeunternehmen aus Mittweida bietet Anlegern eine Vielzahl an Beteiligungsformen: Genussrechte, stille Beteiligungen, Anleihen, Nachrangdarlehen – ist das für Privatanleger seriös?

Michael Iwanow: Aus juristischer Sicht ist das zunächst einmal zulässig, denn es wird mit der sogenannten Small-Capital-Ausnahme gearbeitet – das heißt, es dürfen bis zu 20 Anleger pro Beteiligungsform einsteigen, ohne dass ein Prospekt gemäß Vermögensanlagengesetz notwendig ist. Aber genau da liegt auch das Problem: Anleger erhalten keine geprüften Informationen, keine echten Zahlen und keine staatliche Kontrolle.

Frage: Es wird mit Renditen von 4,5 % bis 6,75 % p.a. geworben. Ist das realistisch?

Iwanow: Diese Renditen sind nicht garantiert – fast alle angebotenen Modelle sehen Zahlungen nur bei ausreichendem Jahresüberschuss vor. Gerade bei jungen oder kleinen Unternehmen sind diese Überschüsse unsicher. Ohne Testat, ohne Bonitätsnachweis und ohne wirtschaftliche Offenlegung ist das für Anleger eine Wette – keine kalkulierbare Anlage.

Frage: Die Vielfalt der Modelle – von Genussrechten bis zu grundbuchbesicherten Darlehen – soll wohl Vertrauen schaffen. Funktioniert das?

Iwanow: Im Gegenteil. Ich halte diese Aufsplitterung in viele Kleinstangebote für ein klassisches Muster im Grauen Kapitalmarkt. Viele Anleger glauben, eine Auswahl zu haben – in Wahrheit fehlt bei allen Modellen Transparenz, Kontrolle und eine belastbare Geschäftsgrundlage. Wer grundbuchbesicherte Darlehen verspricht, sollte auch offenlegen, auf welche Objekte sich diese Sicherheit bezieht – das ist hier nicht ersichtlich.

Frage: Gibt es weitere Warnzeichen?

Iwanow: Ja. Die Angebote sind hochkomplex formuliert, dabei aber rechtlich vage. Die Tatsache, dass keine Emission über 20 Anleger hinausgeht, zeigt klar: Hier will man bewusst einer Prospektpflicht entgehen. Das ist legal – aber aus Anlegersicht riskant, weil man ohne geprüfte Informationen investiert. Auch Begriffe wie „kein Agio“ oder „keine Anlaufverluste“ klingen gut, sind aber marketinggetrieben und sagen nichts über die realen Risiken.

Frage: Was raten Sie Anlegern konkret, die hier investieren möchten?

Iwanow: Prüfen Sie das Unternehmen – gibt es nachvollziehbare Umsatzzahlen, realistische Geschäftspläne, bonitätsstarke Partner? Gibt es belastbare Sicherheiten? Wenn nicht: Finger weg. Außerdem: Wer in stille Beteiligungen oder Genussrechte einsteigt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er unternehmerisch haftet, aber keine Kontrolle hat. Im Zweifel verlieren Sie Ihr Geld – und niemand haftet.

Frage: Vielen Dank, Herr Iwanow, für Ihre Einschätzung.

Iwanow: Gern geschehen – Anleger sollten bei jeder Form von Beteiligung ohne Prospekt sehr skeptisch sein. Gerade bei charmant klingenden Modellen aus der Region gilt: Vertrauen ist gut – aber nur mit Fakten dahinter.

Fazit für Anleger:
Auch bei sympathischen Angeboten mit „innovativen Produkten“ wie Flüssigtee gilt:
Wenn keine geprüften Zahlen, keine vollständigen Geschäftsberichte, keine aufsichtsrechtliche Kontrolle vorliegen, ist das Investment hochriskant – egal wie lecker das Produkt klingt.

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