Die geplante Abschaffung der Bonpflicht durch die kommende Bundesregierung sorgt für kontroverse Reaktionen. Während der Handelsverband Deutschland (HDE) die Rücknahme der Regelung als längst überfällig begrüßt, warnt die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DSTG) eindringlich vor den möglichen Folgen für die Steuerkontrolle im Einzelhandel.
Bonpflicht als Mittel gegen Steuerbetrug
Die Bonpflicht wurde 2020 eingeführt, um Steuerbetrug im Kassenbereich zu erschweren – insbesondere in barlastigen Branchen wie Gastronomie, Bäckereien und dem Einzelhandel. Seitdem müssen bei jedem Kauf Belege ausgestellt werden, auch wenn Kunden sie nicht mitnehmen.
Florian Köbler, Vorsitzender der DSTG, kritisiert die Abschaffungspläne scharf:
„Gerade jetzt in Zeiten knapper öffentlicher Kassen eine bewährte Kontrollmaßnahme aufzugeben, wäre ein fatales Signal.“
Die Gewerkschaft warnt vor steigender Dunkelziffer bei Steuerhinterziehung, falls die Pflicht wieder entfällt.
Handel klagt über Papierflut und Kundenfrust
Auf der anderen Seite sieht der Handel die Bonpflicht als unnötige Bürokratie – mit hohem Aufwand, Kosten und Unmengen an Papiermüll.
HDE-Geschäftsführer Stefan Genth betont:
„Es ist nicht sinnvoll, einen Bon zu erstellen, wenn der Kunde keinen möchte.“
Viele Kunden lehnten den Bon ohnehin ab, die Ausdrucke würden oft ungesehen weggeworfen, kritisiert der Verband.
Digitaler Mittelweg als Lösung?
Als möglicher Kompromiss wird ein digitaler Beleg auf Wunsch diskutiert – etwa per QR-Code oder App, um Kontrolle und Nachhaltigkeit zu verbinden. Die technische Umsetzung wäre allerdings je nach Kassensystem unterschiedlich aufwendig.
Fazit: Kontrolle vs. Komfort
Die Debatte spiegelt einen klassischen Zielkonflikt wider: Fiskalisches Kontrollbedürfnis trifft auf den Wunsch nach Bürokratieabbau und Nachhaltigkeit. Ob die Abschaffung kommt – und wenn ja, in welcher Form –, bleibt eine politische und gesellschaftliche Grundsatzfrage.