Nach dem tödlichen Polizeieinsatz am Ostersonntag in Oldenburg, bei dem ein 21-Jähriger durch mehrere Schüsse ums Leben kam, flammt die Debatte um nicht-tödliche Einsatzmittel erneut auf. Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert nun eindringlich, den Einsatz von Tasern flächendeckend auch im Streifendienst einzuführen.
Laut dem Obduktionsergebnis wurde der junge Mann mindestens viermal von einem Beamten getroffen. Die genauen Umstände des Einsatzes sind noch Gegenstand laufender Ermittlungen.
Patrick Seegers, Landesvorsitzender der DPolG in Niedersachsen, betonte im Gespräch mit dem NDR, dass die Polizei im Streifendienst aktuell im Ernstfall „nur die Schusswaffe“ zur Verfügung habe. „Der Schusswaffengebrauch kann tödlich enden – und genau das wollen wir, wenn möglich, vermeiden“, so Seegers. Der Taser, also ein Elektroschockgerät, könne in vielen Fällen eine deeskalierende Alternative bieten.
Bisher sind Taser in Niedersachsen nur vereinzelt im Einsatz, meist bei Spezialeinheiten oder in Pilotprojekten. Die Gewerkschaft fordert nun eine flächendeckende Ausstattung der Streifenpolizisten mit dem Gerät – auch zur eigenen Sicherheit. Gerade in dynamischen, unübersichtlichen Einsatzlagen könne ein Taser helfen, gefährliche Situationen zu entschärfen, ohne dass es zum Schusswaffengebrauch kommt.
Kritiker warnen hingegen vor einem unkritischen Umgang mit Elektroschockwaffen. Auch Taser seien nicht ungefährlich, insbesondere bei gesundheitlich vorbelasteten Personen. Dennoch wächst der politische Druck, über eine breitere Einführung zu diskutieren – nicht zuletzt, um tödliche Eskalationen wie in Oldenburg künftig möglichst zu vermeiden.
Die Ermittlungen zum Einsatz am Ostersonntag dauern an. Unabhängig davon rückt der Vorfall einmal mehr die Frage in den Fokus, welche Mittel Polizistinnen und Polizisten zur Verfügung stehen sollten, um verhältnismäßig handeln zu können.