Ein bedeutender Schritt für mehr Offenheit innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland: Die Bischofskonferenz hat eine offizielle Handreichung für Segensfeiern homosexueller Paare vorgelegt. Damit wird eine Praxis konkretisiert und bestärkt, die vielerorts bereits stillschweigend oder auf Eigeninitiative hin gelebt wird.
„Die Kirche bringt Paaren, die in Liebe verbunden sind, Anerkennung entgegen und bietet ihnen Begleitung an“, heißt es in dem Papier. Mit dem Segensritus wolle man diesen Paaren Wertschätzung, Gebet und geistliche Unterstützung zusprechen – unabhängig von Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung.
Die neue Handreichung unterstreicht, dass die Kirche keine Ehe sakramental schließt, aber sehr wohl den Wunsch nach einem geistlichen Rahmen für Partnerschaften ernst nimmt. Der Segen sei Ausdruck eines Zuspruchs Gottes für das Leben der Paare, ohne gleichgesetzt zu werden mit der kirchlichen Trauung.
Neben homosexuellen Paaren richtet sich das Papier auch an geschiedene und wiederverheiratete Gläubige, die sich von der Kirche lange ausgeschlossen fühlten. Für sie alle soll die Tür der Kirche offenstehen – mit einem Zeichen von Respekt und Mitmenschlichkeit.
Die Veröffentlichung gilt als weiterer Meilenstein des Reformprozesses im Rahmen des Synodalen Wegs, mit dem die katholische Kirche in Deutschland auf die Vertrauenskrise der vergangenen Jahre reagiert. Sie steht zugleich im Spannungsfeld zur offiziellen Haltung des Vatikans, der bislang Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare ablehnt.
Die Reaktionen auf die Handreichung fallen unterschiedlich aus: Während Reformgruppen und queere katholische Initiativen das Signal begrüßen, sehen konservative Stimmen darin einen Bruch mit kirchlicher Lehre. Unbestritten ist jedoch: Die Kirche in Deutschland bewegt sich – hin zu mehr Anerkennung für vielfältige Lebensrealitäten.