Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) schlägt Alarm: Alkohol ist in Deutschland so günstig wie sonst nirgends in Europa – mit teuren gesundheitlichen und sozialen Folgen. In ihrem aktuellen „Jahrbuch Sucht 2025“ fordert die Dachorganisation der Suchthilfe dringend politische Maßnahmen, um den hohen Konsum wirksam einzudämmen.
Laut DHS sterben jedes Jahr zehntausende Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums – Tendenz unverändert hoch. Neben Erkrankungen wie Krebs, Leberzirrhose und Herz-Kreislauf-Problemen trägt Alkohol auch massiv zu Verkehrsunfällen, Gewalt und sozialem Zerfall bei. Trotzdem sei Alkohol hierzulande „so billig wie Mineralwasser“, so die Kritik der Fachleute.
Preissteigerung als wirksames Mittel
Internationale Studien zeigen: Höhere Preise führen nachweislich zu weniger Konsum – vor allem bei Jugendlichen und Vieltrinkern. Die DHS fordert daher, die Mindestpreise für alkoholische Getränke deutlich zu erhöhen und Sonderangebote sowie Mengenrabatte zu verbieten. Auch eine Alkoholsteuer nach dem Modell der Tabaksteuer sei überfällig.
„Alkohol darf kein Alltagsprodukt sein, das an jeder Ecke billig zu haben ist“, betont ein Sprecher der DHS. Besonders problematisch sei, dass Bier, Wein und Schnaps in Supermärkten und Tankstellen rund um die Uhr erhältlich sind – oft sogar günstiger als alkoholfreie Getränke.
Mangelnde Regulierung nicht nur beim Alkohol
Doch nicht nur beim Alkohol sehen die Suchtexperten Handlungsbedarf. Auch in anderen Suchtbereichen wie Tabak, E-Zigaretten, digitalen Suchtformen und Glücksspiel hinke Deutschland im europäischen Vergleich weit hinterher. Viele Maßnahmen, die in anderen Ländern längst Standard sind – etwa Werbeverbote oder klare Warnhinweise – würden hierzulande entweder gar nicht oder nur halbherzig umgesetzt.
Im Bereich des Online-Glücksspiels und Social-Media-Konsums warnt die DHS zudem vor einer Zunahme stiller Abhängigkeiten, die besonders junge Menschen gefährden. Auch hier fehle es an klaren gesetzlichen Rahmenbedingungen, um gefährdete Nutzer zu schützen.
Appell an die Politik
Die DHS ruft die Bundesregierung auf, den Gesundheitsschutz über wirtschaftliche Interessen zu stellen. Die Kosten für alkoholbedingte Krankheiten, Behandlung und Arbeitsausfälle belaufen sich jährlich auf viele Milliarden Euro – ganz zu schweigen von den individuellen und familiären Folgen.
Für die Suchtexperten ist klar: Nur mit klaren Regulierungen, Aufklärung und vor allem mutiger Preis- und Steuerpolitik lässt sich die Suchtentwicklung wirksam bremsen. Andernfalls drohe Deutschland weiterhin ein „suchtpolitisches Schlusslicht“ zu bleiben.