Wer eine Immobilie besitzt, macht sich früher oder später Gedanken darüber, was einmal damit passieren soll. Wird sie vererbt? Verschenkt? Oder schon zu Lebzeiten auf die nächste Generation übertragen? Anja Keber hat mit Lena Appel von der BR-Wirtschaftsredaktion darüber gesprochen, wie Eigentümer klug vorplanen können – und wie sich durch klare Entscheidungen teure Fehler und familiäre Konflikte vermeiden lassen.
Warum es beim Vererben schnell kompliziert wird
Anders als Geld lässt sich eine Immobilie nicht einfach aufteilen. Wenn mehrere Kinder erben, müssen sie sich einig sein, was mit dem Haus oder der Wohnung passieren soll. Verkaufen? Vermieten? Einziehen? Genau hier entsteht oft Streit – vor allem, wenn es keine klaren Regeln im Testament gibt.
Lena Appel rät: „Wer ein Haus vererben möchte, sollte frühzeitig mit der Familie sprechen und möglichst schriftlich festhalten, was passieren soll.“ Nur so lässt sich verhindern, dass ein Erbstreit später das Familienverhältnis dauerhaft belastet.
Schenken statt vererben – was bringt das?
Eine Alternative zum Vererben kann das Schenken zu Lebzeiten sein. Wer seine Immobilie frühzeitig überträgt, kann unter Umständen Steuern sparen und trotzdem noch mitreden – etwa durch ein Wohnrecht oder ein Nießbrauchrecht. Letzteres bedeutet: Der Eigentümer gibt zwar das Haus ab, darf aber weiterhin dort wohnen oder Mieteinnahmen behalten.
Allerdings betont Lena Appel auch: „Eine Schenkung sollte gut überlegt und vertraglich sauber geregelt sein – sonst kann es später zu bösen Überraschungen kommen.“
Steuern nicht vergessen
Auch beim Vererben und Schenken von Immobilien spielt das Finanzamt mit. Zwar gibt es Freibeträge (zum Beispiel 400.000 Euro pro Kind), doch bei teuren Immobilien – gerade in Städten – können die schnell überschritten sein. Dann wird Erbschafts- oder Schenkungssteuer fällig. Wer hier frühzeitig plant, kann Freibeträge mehrfach nutzen, etwa indem man in Abständen verschenkt.
Testament oder Erbvertrag – was ist besser?
Ein einfaches Testament kann reichen – muss aber eindeutig formuliert sein. Wer ganz sicher gehen möchte, kann auch einen notariellen Erbvertrag abschließen. Hier wird genau geregelt, wer was bekommt. Das bietet Rechtssicherheit – gerade wenn es mehrere Erben oder Sonderfälle gibt, wie zum Beispiel Patchwork-Familien oder behinderte Kinder.
Fazit: Reden, regeln, absichern
Wer eine Immobilie besitzt und möchte, dass die Familie in Frieden bleibt, sollte nicht warten, bis es zu spät ist. Offene Gespräche mit den Angehörigen, ein klar formulierter letzter Wille oder eine durchdachte Schenkung können helfen, Streit zu verhindern. Im Zweifel lohnt sich auch der Gang zum Notar oder zur Fachanwältin – damit das Zuhause auch nach dem Tod kein Zankapfel wird.