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Karen Read-Prozess: Mord oder Vertuschung? – Der aufsehenerregende Fall spaltet die USA erneut

GDJ (CC0), Pixabay

Der Mordprozess gegen Karen Read, die beschuldigt wird, ihren Freund, den Bostoner Polizisten John O’Keefe, mit einem SUV überfahren und anschließend zum Sterben zurückgelassen zu haben, geht in eine neue Runde. Nachdem der erste Prozess im Sommer 2024 mit einem ungültigen Urteil (Hung Jury) endete, verfolgen nun erneut viele Menschen in den USA gebannt den Fall – begleitet von Podcasts, TV-Dokumentationen und erhitzten Debatten.

Staatsanwaltschaft vs. Verschwörungstheorie

Die Anklage verfolgt die Theorie, dass Read in der Nacht zum 29. Januar 2022 wütend und alkoholisiert ihren Partner vorsätzlich überfahren habe. Die Verteidigung hingegen behauptet, es handele sich um eine großangelegte Vertuschung, in die mehrere Ersthelfer und Polizeikollegen von O’Keefe verwickelt seien.

Ankläger zeigen in diesem zweiten Prozess nun vermehrt Videoausschnitte, in denen Karen Read selbst über die Tatnacht spricht. Unter anderem sagt sie in einem Interview, sie habe zwei zusätzliche Vodka-Shots zu ihrem Drink gemischt – und sie berichtet von einem emotionalen Streit mit O’Keefes Mutter nach dessen Tod. Laut Rechtsexperte David Ring könnte Reads mediale Präsenz nun juristisch gegen sie verwendet werden: „Ihre eigenen Worte könnten zur Verurteilung führen.“

Verteidigungsstrategie: Zeugen unter Beschuss

Die Verteidigung unter Anwalt Alan Jackson setzt darauf, die Glaubwürdigkeit der Zeugen zu untergraben. Vor allem inkonsistente Aussagen aus dem ersten Prozess, vor der Grand Jury und nun im aktuellen Verfahren stehen im Fokus.

Ein Beispiel: Feuerwehrmann Timothy Nuttall sagte nun aus, Read habe am Tatort mehrfach „Ich habe ihn angefahren“ gerufen – im ersten Prozess hatte er nur von zwei solchen Aussagen berichtet. Jackson nutzte dies gezielt, um die Aussagekraft zu erschüttern.

Beziehung unter der Lupe

Am Donnerstag wurden auch Textnachrichten zwischen Read und O’Keefe gezeigt, die eine angespannte Beziehung dokumentieren. Streit, Eifersucht und Distanz prägten die letzten Tage des Paares. O’Keefe schrieb: „Denk mal drüber nach – es läuft schon länger nicht gut.“ Read reagierte mit Misstrauen und Verdächtigungen.

Ein gemeinsamer Freund, Mike Camerano, sagte aus, dass das Paar am Abend vor dem Vorfall in einer Bar gesehen wurde. Sie wirkten „wie ein normales Paar“, aber auch dort kam es zu kleineren Auseinandersetzungen.


Der Prozess geht weiter – mit hohem medialem Druck und einer Jury, die zwischen Schuld und möglicher Verschwörung entscheiden muss.

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