Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September rückt näher – und schon vor dem eigentlichen Wahlsonntag haben sich Zehntausende Bürger dafür entschieden, ihre Stimme per Briefwahl abzugeben.
Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur wurden allein in den beiden größten Städten des Landes, Magdeburg und Halle, bereits mehr als 87.000 Briefwahlanträge gestellt. Damit möchte dort ungefähr ein Viertel der Wahlberechtigten die Möglichkeit nutzen, seine Stimme vor dem Wahltag abzugeben.
Die Zahlen machen deutlich, welche Bedeutung die Briefwahl inzwischen für Wahlen besitzt. Für Parteien und Kandidaten hat das eine wichtige Konsequenz: Der politische Wettbewerb beginnt faktisch nicht erst am Wahltag. Ein beträchtlicher Teil der Stimmen kann bereits abgegeben sein, während der Wahlkampf noch läuft.
Ein Teil der Wahlentscheidung fällt schon jetzt
Gerade die letzten Tage vor einer Wahl gelten traditionell als entscheidende Phase. Parteien versuchen, noch unentschlossene Bürger zu erreichen, Spitzenkandidaten absolvieren ihre letzten Auftritte und aktuelle politische Ereignisse können die Stimmung beeinflussen.
Eine hohe Zahl von Briefwählern verändert diese Dynamik. Wer seinen Stimmzettel bereits abgeschickt oder seine Stimme in einer Briefwahlstelle abgegeben hat, kann auf spätere Entwicklungen im Wahlkampf naturgemäß nicht mehr reagieren.
Die mehr als 87.000 Anträge aus Magdeburg und Halle sind deshalb nicht nur eine organisatorische Zahl. Sie zeigen auch, dass die Landtagswahl für einen erheblichen Teil der Bevölkerung bereits begonnen hat.
Briefwahlantrag bedeutet noch nicht abgegebene Stimme
Bei der Interpretation der Zahlen ist allerdings eine wichtige Unterscheidung notwendig: Ein beantragter Briefwahlschein bedeutet noch nicht automatisch, dass die betreffende Person tatsächlich gewählt hat.
Erst wenn die Wahlunterlagen ausgefüllt und rechtzeitig zurückgegeben werden, fließt die Stimme in das Wahlergebnis ein. Die Zahl der Anträge gibt deshalb zunächst vor allem einen Hinweis darauf, wie groß das Interesse an dieser Form der Stimmabgabe ist.
Bis zum 6. September dürfte die Zahl zudem weiter steigen.
Parteien müssen ihre Wähler früher mobilisieren
Für die Parteien gewinnt damit die frühe Mobilisierung ihrer Anhänger an Bedeutung. Wahlkampfstrategien, die hauptsächlich auf einen starken Endspurt unmittelbar vor dem Wahlsonntag setzen, erreichen Briefwähler möglicherweise zu spät.
Wer politische Botschaften platzieren, unentschlossene Wähler überzeugen oder die eigenen Anhänger zur Stimmabgabe bewegen möchte, muss dies zunehmend bereits Wochen vor dem eigentlichen Wahltag tun.
Gerade in einem politisch umkämpften Bundesland kann eine hohe Briefwahlbeteiligung deshalb strategisch interessant sein. Aus der Zahl der Briefwahlanträge lässt sich allerdings nicht ableiten, welche Parteien davon profitieren werden. Die Stimmabgabe bleibt geheim, und erst die Auszählung am Wahlabend zeigt die tatsächlichen Kräfteverhältnisse.
Spannung steigt bis zum 6. September
Mit jedem weiteren Briefwahlantrag wächst somit bereits der Stapel an Stimmen, der am Wahlabend über die künftige Zusammensetzung des Landtags mitentscheidet.
Mehr als 87.000 Anträge allein in Magdeburg und Halle sind dabei eine beachtliche Größenordnung. Rund jeder vierte Wahlberechtigte in den beiden Städten möchte nach den bislang vorliegenden Angaben diese Möglichkeit nutzen.
Damit findet ein erheblicher Teil der Landtagswahl nicht erst am 6. September, sondern faktisch schon jetzt statt.
Fazit
Die hohe Nachfrage nach Briefwahlunterlagen zeigt vor allem eines: Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist längst angelaufen. Während Parteien noch um Stimmen kämpfen und der politische Wahlkampf weitergeht, haben sich Zehntausende Bürger bereits auf den Weg zur Wahlentscheidung gemacht.
Wie viele der beantragten Briefwahlunterlagen am Ende tatsächlich zurückkommen und welchen Anteil die Briefwahl am Gesamtergebnis haben wird, lässt sich aus den bislang genannten Zahlen noch nicht bestimmen. Sicher ist jedoch: Die Briefwahl wird bei der Landtagswahl am 6. September eine wichtige Rolle spielen.