Kühnes Name war über Jahrzehnte eng mit dem internationalen Logistikgeschäft verbunden. 1958 trat er in das von seinem Großvater mitgegründete Familienunternehmen Kühne+Nagel ein. Bereits 1966 übernahm er die Führung. Unter seiner Ägide entwickelte sich das Unternehmen zu einem der weltweit führenden Logistikdienstleister. Heute beschäftigt die Gruppe nach eigenen Angaben fast 85.000 Menschen an rund 1.300 Standorten in fast 100 Ländern.
Vom Logistikunternehmer zum Großinvestor
Kühne beschränkte seine Aktivitäten längst nicht mehr auf das Familienunternehmen. Über seine Holding baute er ein weitreichendes Beteiligungsportfolio auf. Dazu gehören große Beteiligungen an Hapag-Lloyd und der Lufthansa sowie Engagements unter anderem bei Brenntag und Flix.
Damit hatte Kühne erheblichen Einfluss auf mehrere Schlüsselbereiche der deutschen Wirtschaft – von Logistik und Containerschifffahrt über die Luftfahrt bis zum Personenverkehr.
Sein Vermögen wurde zuletzt auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Je nach Berechnung unterscheiden sich die Angaben erheblich; Medien nannten zuletzt Größenordnungen von mehr als 20 Milliarden Euro beziehungsweise Franken.
Eng mit Hamburg und dem HSV verbunden
Obwohl Kühne seit Jahrzehnten in der Schweiz lebte, blieb er seiner Geburtsstadt Hamburg eng verbunden. Besonders bekannt war sein Engagement beim Hamburger SV. Kühne unterstützte den Fußballverein über Jahre mit hohen Millionenbeträgen und hielt Anteile an der HSV Fußball AG.
Darüber hinaus förderte er über seine Stiftung Projekte in Wissenschaft, Medizin, Bildung und Kultur. Zu seinen besonders öffentlichkeitswirksamen Engagements gehörten zuletzt auch Pläne für ein neues Opernhaus in Hamburg.
Vermögen soll in Stiftung übergehen
Kühne und seine Ehefrau Christine haben keine Kinder. Entsprechend große Bedeutung bekommt nun die von ihm aufgebaute Kühne-Stiftung. Nach aktuellen Medienberichten hatte Kühne seine Nachfolge langfristig vorbereitet; sein Vermögen soll im Wesentlichen der Stiftung zufallen.
Damit dürfte die Stiftung künftig eine zentrale Rolle für die langfristige Sicherung seines unternehmerischen Vermächtnisses spielen. Kühnes Tod bedeutet deshalb nicht automatisch einen grundlegenden Umbau seines Beteiligungsimperiums – die Nachfolgestrukturen waren auf eine Zeit ohne den Unternehmer vorbereitet worden.
Eine der prägendsten Unternehmerfiguren Deutschlands
Kühnes wirtschaftlicher Einfluss beruhte auf einer ungewöhnlichen Kombination: Er war Erbe eines traditionsreichen Familienunternehmens, baute dieses selbst zu einem globalen Logistikkonzern aus und entwickelte sich anschließend zu einem der bedeutendsten privaten Investoren Deutschlands.
Bis zuletzt war er bei Kühne+Nagel als Ehrenpräsident geführt.
Mit seinem Tod endet damit eine Unternehmerära, die weit über Kühne+Nagel hinausreichte. Welche Auswirkungen sein Tod auf die großen Beteiligungen seiner Holding und deren künftige Führung haben wird, dürfte nun besonders aufmerksam verfolgt werden.