Das Problem zeigt sich inzwischen nicht nur punktuell. In trockenen Regionen Deutschlands berichten Pilzkundler immer wieder davon, dass typische Arten später erscheinen, schwächer fruchten oder zeitweise ganz ausbleiben. Besonders betroffen sind Standorte, an denen der Boden über längere Zeit stark austrocknet.
Kurze Regenphasen reichen häufig nicht aus, um die Situation rasch zu verbessern. Ist der Boden tief ausgetrocknet, kann es längere Zeit dauern, bis wieder ausreichend Feuchtigkeit in den unteren Schichten ankommt.
Das eigentliche Pilzleben steckt unter der Erde
Die sichtbaren Pilze im Wald sind nur die Fruchtkörper. Der größte Teil eines Pilzes lebt als feines Geflecht, das sogenannte Myzel, im Boden oder in Holz.
Dieses Myzel ist für den Wald enorm wichtig. Viele Pilzarten leben in enger Gemeinschaft mit Bäumen und unterstützen deren Wurzeln bei der Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen. Im Gegenzug erhalten die Pilze Nährstoffe aus der Photosynthese der Bäume.
Gerät dieses System durch langanhaltende Trockenheit unter Druck, betrifft das deshalb nicht nur Pilzsammler. Auch die Widerstandsfähigkeit der Wälder kann darunter leiden.
Pilze sichern den Nährstoffkreislauf
Pilze übernehmen außerdem eine zentrale Rolle beim Abbau von Totholz und organischem Material. Sie sorgen dafür, dass Nährstoffe wieder in den Boden gelangen und für Pflanzen verfügbar werden.
Verändern sich Pilzgemeinschaften dauerhaft, kann sich deshalb auch die Zusammensetzung des gesamten Waldökosystems verschieben.
Das macht die aktuelle Pilzarmut zu mehr als einem saisonalen Phänomen.
Deutschland könnte neue Pilzarten bekommen
Mit steigenden Temperaturen können sich zugleich wärmeliebende Arten stärker ausbreiten. In südlicheren und wärmeren Regionen Europas vorkommende Pilze könnten künftig häufiger auch in Deutschland auftreten.
Das muss nicht automatisch negativ sein. Problematisch wird es jedoch dann, wenn heimische Arten schneller verschwinden, als sich neue ökologische Gleichgewichte bilden können.
Gerade wiederkehrende Dürreperioden erhöhen diesen Anpassungsdruck.
Nicht jede pilzarme Saison ist gleich eine Katastrophe
Trotzdem wäre es falsch, aus einem schlechten Pilzjahr sofort auf ein großflächiges Artensterben zu schließen. Pilze reagieren sehr empfindlich auf Temperatur und Feuchtigkeit. Schon wenige Wochen mit veränderten Wetterbedingungen können darüber entscheiden, ob Fruchtkörper erscheinen oder ausbleiben.
Das Myzel kann trotz fehlender sichtbarer Pilze weiterhin im Boden vorhanden sein.
Entscheidend ist deshalb die Dauerbelastung: Je häufiger extreme Trockenphasen auftreten, desto größer wird das Risiko, dass auch die unterirdischen Pilzgeflechte geschwächt werden.
Waldumbau wird zur Gemeinschaftsaufgabe
Die Entwicklung zeigt zugleich, wie wichtig der Umbau deutscher Wälder wird. Dabei geht es nicht nur darum, trockenheitsverträglichere Baumarten zu pflanzen.
Ein Wald ist ein komplexes Zusammenspiel aus Bäumen, Pilzen, Bakterien und anderen Organismen. Neue Baumarten müssen deshalb auch in bestehende Boden- und Pilzgemeinschaften passen.
Ein rein technischer Austausch einzelner Baumarten greift zu kurz.
Fazit
Wenn in deutschen Wäldern nach langen Trockenperioden deutlich weniger Pilze wachsen, ist das mehr als nur ein Problem für Schwammerlsucher.
Die Entwicklung kann ein Hinweis darauf sein, dass Hitze und Wassermangel zunehmend tief in die Ökosysteme eingreifen.
Für Deutschland wird deshalb entscheidend sein, wie widerstandsfähig Böden, Pilzgemeinschaften und Wälder gegenüber häufigeren Dürrephasen bleiben. Die fehlenden Pilze sind dabei möglicherweise nur das sichtbarste Zeichen eines Problems, das sich größtenteils unter der Erde abspielt.