Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist durch ihr ungewöhnliches Erscheinungsbild kaum zu verwechseln. Ihren Namen verdankt sie ihren angewinkelten Vorderbeinen, deren Haltung an zum Gebet gefaltete Hände erinnert. Tatsächlich handelt es sich dabei um hoch spezialisierte Fangbeine, mit denen das räuberische Insekt seine Beute festhält.
Die Tiere sind meist grün oder braun gefärbt und dadurch in der Vegetation hervorragend getarnt.
Immer häufiger auch im Norden
Lange konzentrierten sich größere Vorkommen in Deutschland vor allem auf wärmere Regionen. Nach den aktuellen Meldungen wird die Gottesanbeterin besonders häufig im Osten und Südwesten beobachtet.
Mittlerweile werden die Tiere jedoch auch in Regionen gemeldet, in denen sie früher wesentlich seltener anzutreffen waren. Sichtungen gibt es beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.
Die hohe Zahl der Meldungen bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sich der tatsächliche Bestand innerhalb eines Jahres verdoppelt hat. Meldezahlen können auch davon beeinflusst werden, wie viele Menschen gezielt nach den Tieren suchen und Beobachtungen an den NABU weitergeben.
Wärme begünstigt ihre Ausbreitung
Die Entwicklung passt grundsätzlich zu den Lebensbedingungen der wärmeliebenden Art. Gottesanbeterinnen bevorzugen sonnige und warme Lebensräume mit geeigneter Vegetation und ausreichend Beutetieren.
Mildere Winter und längere Wärmeperioden können deshalb ihre Ausbreitung in Deutschland begünstigen. Gleichzeitig spielen geeignete Lebensräume eine wichtige Rolle. Die Tiere benötigen Flächen, auf denen sie genügend Insekten finden und ihre Eier erfolgreich überwintern können.
Für Naturbeobachter wird die Gottesanbeterin damit auch zu einem interessanten Beispiel dafür, wie sich die Verbreitungsgebiete wärmeliebender Arten verändern können.
Gefährliche Jägerin – zumindest für andere Insekten
So friedlich die namensgebende Haltung aussieht, so effektiv jagt die Gottesanbeterin. Sie wartet häufig nahezu bewegungslos auf Beute und schlägt anschließend blitzschnell mit ihren Fangbeinen zu.
Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem andere Insekten. Für Menschen stellt die Gottesanbeterin dagegen normalerweise keine Gefahr dar.
Besonders bekannt ist die Art für ihr spektakuläres Paarungsverhalten. Weibchen können während oder nach der Paarung das kleinere Männchen fressen. Dieses Verhalten hat erheblich zum Bekanntheitsgrad der Gottesanbeterin beigetragen, tritt aber nicht zwangsläufig bei jeder Paarung auf.
Auffälliger Gewinner warmer Sommer
Mehr als 17.000 Meldungen innerhalb weniger Sommerwochen zeigen jedenfalls, wie präsent die Gottesanbeterin inzwischen geworden ist. Besonders interessant dürfte die weitere Entwicklung im Norden Deutschlands sein.