Statine gehören seit Jahrzehnten zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten weltweit. Sie senken den Cholesterinspiegel und spielen eine zentrale Rolle bei der Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Dennoch schrecken viele Menschen vor der Einnahme zurück – vor allem wegen der langen Liste möglicher Nebenwirkungen, die in Beipackzetteln aufgeführt sind. Eine neue groß angelegte Studie bringt nun überraschend beruhigende Erkenntnisse.
In einer am 5. Februar im renommierten Fachjournal The Lancet veröffentlichten Meta-Analyse haben Forschende die tatsächlichen Risiken von Statinen genauer untersucht. Das Ergebnis: Von insgesamt 66 möglichen Nebenwirkungen, die in früheren Studien oder Berichten mit Statinen in Verbindung gebracht wurden, waren nur vier statistisch signifikant. Viele häufig befürchtete Probleme traten demnach nicht häufiger auf als bei Personen, die ein Placebo einnahmen.
Besonders interessant ist, dass es keinen messbaren Zusammenhang zwischen Statinen und Gedächtnisverlust, Demenz, Depressionen, Schlafstörungen oder Gewichtszunahme gab. Auch Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit oder erektile Dysfunktion traten nicht vermehrt auf. Damit widerspricht die Studie einer weit verbreiteten Annahme, die viele Patientinnen und Patienten verunsichert.
Untersucht wurden fünf gängige Wirkstoffe: Atorvastatin, Fluvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin. Die Analyse stützte sich auf Daten aus mehr als einem Dutzend klinischer Studien mit jeweils über 1.000 Teilnehmenden. Häufig wurde dabei der Effekt des Medikaments direkt mit einem Placebo verglichen, was die Aussagekraft der Ergebnisse erhöht.
In den USA nehmen rund 39 Millionen Erwachsene Statine ein, vor allem Menschen über 40 Jahre. Zu den bekanntesten Präparaten zählen Lipitor und Crestor sowie deren Generika Atorvastatin und Rosuvastatin. Trotz ihrer weiten Verbreitung halten sich Sicherheitsbedenken hartnäckig. Die Studienautorin Christina Reith betont jedoch, dass Statine seit über 30 Jahren millionenfach eingesetzt werden und nachweislich Leben retten.
Die neue Untersuchung zeigte lediglich einige wenige Nebenwirkungen, darunter bestimmte Veränderungen von Leberwerten und Urin sowie Schwellungen. Bekannte Risiken wie Muskelschmerzen oder ein leicht erhöhtes Diabetesrisiko waren nicht Gegenstand dieser Analyse.
Das Fazit der Forschenden ist eindeutig: Für die meisten Menschen überwiegen die Vorteile von Statinen die potenziellen Risiken deutlich. Die Studie liefert damit eine wichtige Grundlage für informierte Entscheidungen und könnte dazu beitragen, unbegründete Ängste abzubauen.