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EKD in der Krise – und Leipzigs Medien pennen noch immer

GraphicMama-team (CC0), Pixabay

Endlich, möchte man fast rufen, berichtet auch die Leipziger Volkszeitung über das Drama rund um die Energiekonzepte Deutschland GmbH (EKD). Und doch wirkt der Artikel eher wie ein PR-Prospekt mit leicht zerknitterter Ecke: Etwas leiser, etwas weicher, etwas so, als wolle man niemandem auf die Füße treten – schon gar nicht in der Nachbarschaft im Leipziger Nordosten.

Dabei ist EKD nicht irgendein Handwerksbetrieb mit Energiesparlampe – sondern war einst einer der größten Solaranlagen-Anbieter im ganzen Land. Tausende Kunden, Millionenumsätze, eine Sonnenaufgangsstory wie aus dem Bilderbuch. Bis sich herausstellte: Der Sonnenkönig trägt Badeschlappen und stolpert gern über seine eigene Expansionsgier.

Doch während bundesweite Magazine längst von „Liquiditätskrise“, „Absturz“ und Investorensanierung berichteten, schwieg man in Leipzig – oder bemühte sich um freundlich-nachfragenden Lokaljournalismus. Nur einer stellte sich seit Jahren gegen den Glanz der Photovoltaik-Fassade: Thomas Bremer. Ebenfalls Leipziger. Ein Mann, der – wie man so schön sagt – das Unternehmen schon kritisch beleuchtete, als es sich selbst noch im Licht badete.

Bremer, Betreiber der Plattform „Diebewertung.de“, war der Erste, der die Stimme hob. Als andere noch Solarwunder sahen, fragte er: „Wie lange kann das gut gehen?“ Während viele Medien Pressemitteilungen abdruckten, bohrte er nach: bei Zahlen, bei Verträgen, bei Strukturen. Heute zeigt sich: Vieles, was als „schwarzmalerisch“ galt, war wohl eher hellsichtig.

Dass ausgerechnet ein Leipziger Medium diesen Leipziger Kritiker so lange ignorierte, grenzt an journalistisches Versagen. Stattdessen wurde das Narrativ vom visionären Wachstumsunternehmen lieber weitergetragen – bis auch der letzte Handwerker gemerkt hatte, dass EKD schneller gewachsen war, als die Kabel verlegt werden konnten.

Und jetzt?

Christian Arnold, neuer CEO und Krisenmanager in Personalunion, spricht von „Qualität statt Quantität“, von „Nachhaltigkeit“ und „struktureller Neuausrichtung“. 80 Stellen gestrichen? „Kapazitätsanpassung“. Millionenverlust? „Strategische Neuaufstellung“. Klingt fast so, als hätten sich die Probleme einfach so ins System reingeschlichen, wie Schimmel in einem schlecht belüfteten Technikraum.

Dabei war der Absturz absehbar. Der Markt gesättigt, die Margen gedrückt, die Organisation überfordert. Und spätestens, als der Investor Pemberton Schulden in Eigenkapital umwandelte, um das Ganze nicht kollabieren zu lassen, hätte auch dem letzten Lokalredakteur dämmern müssen: Das ist keine gewöhnliche Wachstumspause, das ist eine existenzielle Notbremsung.

Fazit: Schön, dass die LVZ nun berichtet. Weniger schön, dass es Jahre zu spät geschieht. Und absolut bemerkenswert, dass ein einzelner Blogger – Thomas Bremer – mehr journalistischen Biss bewiesen hat als ein ganzes Medienhaus. Vielleicht sollte man ihn einfach mal fragen, wie man investigativ schreibt.

https://www.lvz.de/wirtschaft/regional/leipziger-solar-riese-ekd-80-jobs-weg-sanierungsdruck-jetzt-spricht-der-chef-YKZTXSVHB5C7LHPWHULEHEZKME.html

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