Ein massiver Rohrbruch hat im US-Bundesstaat Maryland zu einem gravierenden Umweltschaden geführt: Millionen Liter ungeklärtes Abwasser fließen seit Tagen in den Potomac River, nordwestlich von Washington, D.C. Der Vorfall ereignete sich nahe Glen Echo entlang des Clara Barton Parkway, unweit des historischen Chesapeake-and-Ohio-Kanals. Besonders brisant ist die Lage, da der Austritt kurz vor einem schweren Wintersturm festgestellt wurde, der die Reparaturarbeiten zusätzlich erschwert.
Nach Angaben des zuständigen Versorgungsunternehmens DC Water handelt es sich um den Bruch einer 72 Zoll (rund 1,80 Meter) breiten Abwasserleitung, die Teil des sogenannten „Potomac Interceptor“ ist. Dieses Rohr transportiert normalerweise mehrere Millionen Liter Abwasser täglich. Durch den Einsturz der Leitung schießen die Abwässer nun ungehindert aus dem Boden direkt in den Fluss. Schätzungen zufolge gelangen derzeit etwa 40 Millionen Gallonen Abwasser pro Tag in die Umwelt – eine Menge, die rund 66 olympischen Schwimmbecken entspricht.
Behörden haben das Gebiet weiträumig abgesperrt und Warnschilder mit Aufschriften wie „Gefahr“ und „Rohabwasser“ aufgestellt. Die Bevölkerung wird eindringlich aufgefordert, den Bereich zu meiden und bei möglichem Kontakt mit dem Wasser sofort Haut und Kleidung zu reinigen. Umweltaktivisten berichten von einem extrem stechenden Geruch und sprechen von einem ernsthaften Gesundheitsrisiko. Probenentnahmen seien nur mit Schutzausrüstung möglich, da hohe Konzentrationen von Bakterien wie E. coli vermutet werden.
DC Water arbeitet unter Hochdruck an einer Notlösung. Pumpen sollen das Abwasser um die beschädigte Stelle herumleiten und zurück ins Kanalsystem führen. Dazu werden Schleusentore des C&O-Kanals entfernt, um eine temporäre Umleitung zu ermöglichen. Bei trockenem Wetter reicht die Kapazität der Pumpen aus, doch starker Regen oder Schneeschmelze könnten das System überlasten. Die Reparaturteams sollen auch am Wochenende durchgehend im Einsatz sein.
Das Trinkwasser der Region ist laut Behörden nicht betroffen, da es über ein separates System gewonnen wird. Dennoch wirft der Vorfall ein Schlaglicht auf den schlechten Zustand der US-amerikanischen Wasserinfrastruktur. Die beschädigte Leitung stammt aus den 1960er-Jahren und war bereits als sanierungsbedürftig bekannt. Experten warnen, dass solche Vorfälle künftig häufiger auftreten könnten, wenn notwendige Investitionen weiter aufgeschoben werden.
Der Umweltschaden ist erheblich, insbesondere da der Pegel des Potomac derzeit niedrig ist und die Verschmutzung weniger verdünnt wird. Bundes- und Landesbehörden prüfen nun die ökologischen Folgen. Der Vorfall gilt als weiteres Mahnmal dafür, wie dringend Milliardeninvestitionen in die Abwasserinfrastruktur notwendig sind, um Umwelt, Gesundheit und Trinkwasserversorgung langfristig zu schützen.