Mexikanische Behörden suchen derzeit nach der 20-jährigen Content Creatorin Nicole „La Nicholette“ Pardo, die Anfang dieser Woche im Bundesstaat Sinaloa verschwunden ist. Internationale Aufmerksamkeit erlangte der Fall, nachdem ein Video viral ging, das offenbar zeigt, wie die junge Frau am helllichten Tag mit Waffengewalt entführt wird. Pardo hat Verbindungen in die USA und ist vor allem in sozialen Netzwerken eine bekannte Persönlichkeit.
Die Aufnahmen sollen von Kameras an Pardos lilafarbenem Tesla Cybertruck stammen. In dem Video ist zu sehen, wie mehrere bewaffnete Männer das Fahrzeug stoppen und die Influencerin gewaltsam in ein anderes Auto zerren. Das Material wurde laut CNN im Stadtteil Isla Musalá in Culiacán geolokalisiert – genau dort, wo Pardo zuletzt gesehen worden sein soll. Die Staatsanwaltschaft von Sinaloa hat inzwischen eine Vermisstenmeldung veröffentlicht und bittet die Öffentlichkeit um Hinweise.
Mexikos Sicherheitsminister Omar García Harfuch erklärte, dass die mutmaßlich an der Tat beteiligten Fahrzeuge verfolgt würden. Die Behörden auf Bundes- und Landesebene seien von Beginn an eingebunden. Weitere Details wolle man jedoch erst veröffentlichen, sobald Pardo gefunden sei. Auch das US-Außenministerium bestätigte, über den Fall informiert zu sein und die Situation aktiv zu beobachten, ohne jedoch den Staatsangehörigkeitsstatus der jungen Frau offiziell zu bestätigen.
Nach Angaben aus öffentlichen Registern besitzt Pardo eine Adresse in Phoenix, Arizona, und soll ihre Zeit zwischen den USA und Mexiko aufgeteilt haben. Die Polizei von Phoenix sowie die Generalstaatsanwaltschaft von Arizona signalisierten ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit, auch wenn bislang keine formelle Anfrage aus Mexiko eingegangen sei.
Nicole Pardo ist in sozialen Medien äußerst präsent. Auf Instagram folgen ihr mehr als 180.000 Menschen, auf TikTok über 145.000. Zusätzlich betreibt sie einen YouTube-Kanal und einen OnlyFans-Account. Ihre Inhalte zeigen häufig Luxusgüter wie teure Autos, Einblicke in ihr Privatleben sowie ihre Teilnahme an regionalen Veranstaltungen, etwa dem sogenannten „Saladazo“, einer motorisierten Route durch ländliche Gebiete südlich von Culiacán. Zudem wurde sie durch den Corrido-Song „La Muchacha del Salado“ bekannt, der auf YouTube millionenfach aufgerufen wurde.
Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die angespannte Sicherheitslage in Sinaloa, insbesondere auf die Gewalt gegen Frauen. Offiziellen Zahlen zufolge wurden im Jahr 2025 allein in diesem Bundesstaat 72 Femizide registriert – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Insgesamt zählt Sinaloa zu den Regionen Mexikos mit besonders vielen Vermisstenfällen. Das Verschwinden von „La Nicholette“ steht damit exemplarisch für ein landesweites Problem, das weit über den Einzelfall hinausgeht.