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Enthüllt: Der Milliardär aus Antigua und die versteckten Wirecard-Millionen 📦

geralt (CC0), Pixabay

Der Wirecard-Prozess läuft seit mehr als 230 Verhandlungstagen – und noch immer kommen neue Details ans Licht. Nun zeigen umfassende Recherchen des BR, dass eines der größten Rätsel rund um die verschwundenen Wirecard-Gelder offenbar gelöst ist: Hinter einem Großteil der Geldströme, die über Drittpartner-Konten der Wirecard-Bank liefen, steckt der umstrittene Glücksspiel-Unternehmer Calvin Ayre.

Die Spur führt von Aschheim, dem einstigen Firmensitz des Dax-Konzerns, bis in die Karibik – und zeigt ein bislang nicht gekanntes Ausmaß an verschachtelten Finanzstrukturen, Offshore-Firmen und mutmaßlich illegalen Transaktionen.

🔍 Hintergrund: Die 1,9 Milliarden Euro, die nie existierten

Im Münchner Wirecard-Prozess ist inzwischen unstrittig:
Die angeblichen 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten in Asien waren frei erfunden.

Theres Kraußlach, die Verteidigerin von Ex-CEO Markus Braun, räumt offen ein:

„Das können wir mittlerweile alle nicht abstreiten, das ist offensichtlich.“

Doch während diese Fake-Milliarden als Fantasie entlarvt wurden, gab es eine zweite, real existierende Geldspur:
Hunderte Millionen Euro, die über die Wirecard-Bank liefen – echte Gelder aus echten Geschäften. Und genau diese Geldflüsse sorgten jahrelang für Rätselraten.

🧩 Die große Frage: Wem gehörten die Milliarden auf den Drittpartner-Konten?

Die Drittpartner-Firmen, die laut Wirecard vor allem in Asien arbeiteten, sollten Zahlungen abwickeln. Braun behauptete stets:

  • Diese Gelder gehörten Wirecard.

  • Marsalek und seine Komplizen hätten sie veruntreut.

Doch BR-Recherchen zeigen nun ein deutlich anderes Bild.

📁 BR findet Marsalek-E-Mails mit halber Million Transaktionen

Bereits 2022 stießen die Journalisten auf E-Mails von Jan Marsalek, in denen Excel-Listen mit 500.000 Transaktionen aus dem Jahr 2018 enthalten waren. Die Analyse enthüllte:

  • Briefkastenfirmen in Prag, Montenegro und diversen Offshore-Paradiesen

  • Überweisungen in Millionenhöhe an Drittpartner

  • gigantische Summen, die in einem intransparenten Netz zirkulierten

Ein Insider erklärte:

„Wirecard war ein Sammelpunkt für Gelder aus illegalem Glücksspiel.“

🎯 Die zentrale Entdeckung: Die Spur führt zu Calvin Ayre

Nach jahrelanger Auswertung von Kontounterlagen und Gesprächen mit Informanten konnten die BR-Reporter rekonstruieren:

Große Teile der Gelder gehörten Calvin Ayre.

Wer ist Ayre?

  • kanadischer Milliardär

  • Gründer der Glücksspielplattform Bodog

  • Bitcoin-Großinvestor

  • lebt seit Jahren auf Antigua

  • 2012 in den USA wegen illegalen Glücksspiels angeklagt

  • 2017 Deal mit der US-Justiz: Schuldeingeständnis + 500.000 Dollar Strafe

2012 wurden 66 Millionen Dollar seiner Glücksspielgewinne beschlagnahmt. Ayre wich zunehmend auf Offshore-Strukturen aus.

🌍 Die Geldströme: 135 Millionen Euro direkt nach Antigua

BR-Reporter verfolgten die Wege des Geldes weiter – und die Ergebnisse sind brisant:

  • 135 Millionen Euro flossen über Wirecard-Bank-Konten nach Antigua

  • Empfänger: neun Firmen

  • Viele davon registriert im „Fitzgerald House“, 44 Church Street, St. John’s

  • Nur zwei dieser Firmen tauchen im Unternehmensregister Antiguas auf – und erst seit 2020

Im Fitzgerald House sitzt die Kanzlei Cort & Cort – geleitet von Errol Cort, dem früheren Finanzminister Antiguas.

Aus einer Ayre-Mail:

Errol Cort sei sein „Anwalt und bester Freund“.

🧨 Brisantes Insider-Interview: „Ja, Ayre steckte hinter den Drittpartner-Geldern.“

Christen Ager-Hanssen, ein norwegischer Unternehmer, arbeitete fast ein Jahr lang für Ayre. In einem Interview mit report München spricht er erstmals offen über die Verbindung:

  • Ayre habe globale Firmenstrukturen genutzt, um massive Geldbewegungen zu verschleiern

  • Wirecard sei für ihn ein idealer Knotenpunkt gewesen

  • Drittpartner dienten als Tarnmantel für Glücksspielgeld

Damit wird klar:
Die Drittpartner waren keine eigenständigen Zahlungsdienstleister – sie waren Teil eines Systems, das Ayres Geldströme abwickelte.

🧩 Was bedeutet das für den Prozess?

Die Erkenntnisse ändern den Blick auf mehrere Kernfragen des Wirecard-Skandals:

  • Die „veruntreuten Gelder“ waren nicht Wirecards Eigentum – sondern Ayres.

  • Marsalek könnte als Schlüsselfigur agiert haben, um Ayres Glücksspiel-Kapital zu bewegen.

  • Braun wird sich der Frage stellen müssen, wie viel er darüber wusste.

Für die Ermittler ist damit ein zentrales Puzzle-Stück gelöst.

📌 Fazit: Eines der größten Modelle zur Verschleierung von Glücksspielerlösen?

Die Recherchen offenbaren:

  • Ein Milliardär im Exil

  • Ein globales Netzwerk aus Briefkastenfirmen

  • Ein Dax-Konzern, der als Gelddrehscheibe diente

  • Ein flüchtiger Manager, der alles organisierte

  • Und hunderte Millionen, die aus Europa in die Karibik verschwanden

Der Fall Wirecard bekommt damit eine völlig neue Dimension:
Es war nicht nur Bilanzbetrug – es war auch ein gigantischer Zahlungsstrom für internationale Glücksspielgelder.

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