Mit markigen Worten und einer klaren Forderung hat US-Präsident Donald Trump erneut die Rückgabe des ehemaligen US-Luftwaffenstützpunkts Bagram von den Taliban verlangt – und eine düstere Drohung in Richtung Kabul geschickt: Sollte die Basis nicht „umgehend“ an die Vereinigten Staaten zurückgegeben werden, drohe „Schlimmes“.
Die Botschaft verbreitete Trump am Sonntag auf seiner Plattform Truth Social. Dort schrieb er: „Wenn Afghanistan den Luftwaffenstützpunkt Bagram nicht an diejenigen zurückgibt, die ihn gebaut haben, nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika, werden schlimme Dinge passieren.“
Rückeroberung nicht ausgeschlossen
Bereits am Donnerstag hatte Trump während seines Staatsbesuchs in Großbritannien bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Premierminister Keir Starmer erstmals öffentlich angekündigt, dass seine Regierung die Rückgabe der Basis verlange. Einer der Gründe: Die geografische Nähe Bagrams zu China. Wörtlich sagte Trump: „Wir wollen diesen Stützpunkt zurück. Er liegt nur eine Stunde entfernt von dem Ort, wo China seine Atomwaffen herstellt.“
Auf Nachfrage von Journalisten vor dem Weißen Haus ließ Trump am Samstag offen, ob eine militärische Rückeroberung im Raum stehe. „Darüber werden wir nicht reden“, sagte er, fügte aber vielsagend hinzu: „Wenn sie ihn nicht zurückgeben, werden Sie erfahren, was ich tun werde.“
Bagram: Geopolitisch brisanter Standort
Der Stützpunkt Bagram, rund 40 Kilometer nördlich von Kabul gelegen, war über zwei Jahrzehnte hinweg das wichtigste Zentrum der US-geführten Truppen in Afghanistan. Mit Rollbahnen für schwere Bomber, Satellitenanlagen und einem eigenen Gefängniskomplex war Bagram nicht nur logistischer Knotenpunkt, sondern auch Symbol der US-Militärmacht in der Region.
Im August 2021 verließen die letzten US-Soldaten die Basis – Teil des chaotischen Rückzugs aus Afghanistan unter Präsident Joe Biden. Seither wird Bagram von den Taliban kontrolliert. Im August 2024 feierten sie dort den dritten Jahrestag ihrer Machtübernahme mit einer Militärparade, an der auch Vertreter aus China und dem Iran teilnahmen – ein deutliches geopolitisches Signal.
China als verdeckter Adressat
Trumps Äußerungen zur Nähe Bagrams zu chinesischen Nuklearanlagen werfen ein Schlaglicht auf die strategische Dimension des Vorstoßes. In US-Militärkreisen gilt Bagram seit jeher als potenzielle Beobachtungs- und Druckplattform gegenüber Peking – insbesondere im Kontext wachsender Spannungen im Indopazifik.
Dass chinesische Diplomaten inzwischen in Bagram willkommen sind, verstärkt aus Sicht Washingtons den Verdacht, dass die Taliban zunehmend unter Pekings Einfluss geraten. Trump selbst hatte bereits in früheren Reden von einem „chinesisch geführten Afghanistan“ gesprochen.
Innenpolitisches Kalkül und offene Fragen
Trumps Forderung steht auch im Kontext seines wachsenden außenpolitischen Profils im Wahljahr 2026. Nach Kritik an Bidens Afghanistan-Abzug sucht er nun offenbar die Rückeroberung verlorener Symbolik. Gleichzeitig bleiben viele Fragen offen: Welche konkreten Hebel hat Washington, um die Rückgabe Bagrams zu erzwingen? Und wie würden die Taliban auf eine Eskalation reagieren?
In Kabul reagierte die Regierung bislang nicht offiziell auf Trumps Forderung. Beobachter halten eine freiwillige Rückgabe für nahezu ausgeschlossen. Die Taliban sehen Bagram als Trophäe und strategisches Asset – sowohl innenpolitisch als auch geopolitisch.
Fazit: Rückkehr des geopolitischen Schachbretts
Mit seiner Forderung nach Bagram kehrt Trump nicht nur zu einem geopolitisch bedeutsamen Kapitel der US-Außenpolitik zurück – er bringt auch neue Spannungen in ein ohnehin fragiles regionales Gleichgewicht. Ob seine Drohungen Realität werden, bleibt offen. Klar ist: Die USA blicken wieder gen Hindukusch – diesmal mit strategischem Blick auf China.