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Von der Villa bis zur Werft: Wen würde eine neue Vermögensteuer wirklich treffen?

Ma_Frank (CC0), Pixabay

Die Diskussion um eine Wiedereinführung der Vermögensteuer ist zurück. Angesichts der angespannten Haushaltslage wird über zusätzliche Einnahmequellen nachgedacht. Doch die zentrale Frage bleibt: Wer müsste zahlen – und ab welcher Vermögenshöhe?

Verfassungsproblem aus den 1990er-Jahren

Die alte Vermögensteuer wurde 1995 vom Bundesverfassungsgericht faktisch gestoppt. Grund war die ungleiche Behandlung von Vermögenswerten: Immobilien waren damals völlig veraltet bewertet und wurden im Vergleich zu anderen Anlageformen steuerlich begünstigt. Für ein neues Modell wäre daher entscheidend, dass alle Vermögensarten gleichmäßig erfasst werden – ein komplexes Vorhaben.

Streitpunkt Freibeträge

Die Höhe möglicher Freibeträge entscheidet, ob die Steuer nur „Superreiche“ oder auch normale Eigenheimbesitzer und Mittelständler trifft.

  • Die alte Steuer galt ab umgerechnet rund 100.000 Euro pro Person – heute völlig unrealistisch.

  • Die Linke fordert eine Grenze von 1 Million Euro.

  • Die SPD hatte in ihrem Wahlprogramm sogar 100 Millionen Euro vorgeschlagen, um gezielt Superreiche zu erfassen.

Laut einer Forsa-Umfrage (Sommer 2024) befürworten 62 Prozent der Bevölkerung eine Vermögensteuer ab einer Million Euro. Zustimmung kommt vor allem von Grünen- und SPD-Wählern, während FDP- und AfD-Anhänger überwiegend dagegen sind. Selbst eine knappe Mehrheit der Unions-Wähler sprach sich dafür aus.

Warum auch eine Million kritisch wäre

Ein Freibetrag von einer Million Euro klingt großzügig, würde aber in der Praxis bereits viele Haus- und Wohnungsbesitzer in Ballungsräumen treffen – etwa in München oder Frankfurt, wo Immobilienpreise extrem hoch sind. Zudem könnten mittelständische Unternehmen schnell in den Anwendungsbereich fallen. „Ein Betriebsvermögen von einer Million ist schnell erreicht“, warnt Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Eine Unterscheidung zwischen Privat- und Betriebsvermögen sei kompliziert und leicht zu umgehen.

Modelle im Vergleich

Um die Debatte zu versachlichen, schlagen Experten wie Bach Kompromissmodelle vor:

  • Vermögen ab 25 Millionen Euro würden besteuert.

  • Betroffen wären rund 30.000 Personen in Deutschland.

  • Der Steuersatz könnte bei 1 Prozent liegen.

  • Einnahmen: geschätzt 20 Milliarden Euro jährlich, bei Verwaltungskosten von maximal 1 Milliarde.

Ein Beispiel: Wer ein Vermögen von 30 Millionen Euro besitzt, würde jährlich rund 50.000 Euro an Vermögensteuer zahlen.

Politische Hürden

Trotz des scheinbar moderaten Ansatzes bleibt die Einführung schwierig. Kapital ist mobil, große Vermögen sind oft in internationalen Firmenkonstrukten verborgen und lassen sich leicht verschieben. Eine wirklich wirksame Steuer auf Milliardäre wäre nur mit internationaler Abstimmung durchsetzbar.

Hinzu kommt der politische Widerstand:

  • Union und FDP lehnen die Vermögensteuer strikt ab.

  • Familienunternehmer üben großen Druck aus – mit dem Argument, dass zu hohe Belastungen zum Verkauf an ausländische Investoren führen könnten.

  • Selbst die SPD hat ihre eigene Forderung nach einer Steuer mit sehr hohen Freibeträgen zuletzt nicht mehr aktiv verfolgt – auch wegen Koalitionsstreitigkeiten.

Fazit

Ob Yachtbesitzer oder Häuslebauer – die Wirkung einer Vermögensteuer hängt fast vollständig von der gewählten Freibetragsgrenze ab. Während eine sehr hohe Schwelle nur wenige Superreiche erfassen würde, könnte ein niedriger Ansatz breite Schichten treffen. Realistisch ist daher ein Modell mit hohen Freibeträgen und niedrigen Steuersätzen. Doch die politische Realität spricht dagegen: Die Chancen auf eine Wiedereinführung stehen derzeit schlecht.

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