Der Piburger See, ein Naturjuwel im Gemeindegebiet von Ötz (Bezirk Imst), steht kurz davor, ökologisch zu kippen. Das idyllische Gewässer leidet immer stärker unter den Folgen des Klimawandels, rücksichtsloser Besucherströme und unkontrollierten Wildbadens. Bürgermeister Hansjörg Falkner richtete deshalb jetzt einen dringenden Appell an Einheimische und Touristen: „Der See verliert den Atem.“
Sauerstoffmangel wird dramatisch
Der bis zu 24 Meter tiefe Bergsee gilt als ökologisch besonders sensibel. Doch aktuelle Untersuchungen der Universität Innsbruck zeigen, dass die sauerstoffreiche Schicht inzwischen nur noch zehn bis zwölf Meter tief reicht – darunter herrscht fast völliger Sauerstoffmangel. „Wenn das so weitergeht, erreichen wir bald einen Punkt ohne Wiederkehr“, warnt Falkner. Ein Umkippen des Sees würde das gesamte Ökosystem zerstören.
Ursachen: Klimawandel und unkontrollierte Nutzung
Die Ursachen sind gut belegt: Heißere Sommer, niederschlagsarme Jahre und steigende Wassertemperaturen setzen dem See zu. Verstärkt werden die Probleme aber auch durch menschliches Verhalten. An Spitzentagen tummeln sich bis zu 1.500 Menschen am See – viele ignorieren die Badeanstalt und suchen sich stattdessen wilde Plätze am Ufer.
Dort zerstören sie die schützende Vegetation, lose Erde wird bei Regen ins Wasser gespült. Das bringt zusätzliche Nährstoffe in den See, die das sensible Gleichgewicht weiter belasten. „Das Problem sind nicht die Badegäste in der Badeanstalt – es sind die Wildbadenden, die die Böschung zertrampeln“, so Falkner.
Schutzmaßnahmen reichen nicht mehr
Bereits in den 1970er-Jahren stand der Piburger See kurz vor dem ökologischen Kippen. Damals wurde ein Olszewski-Rohr eingebaut, das nährstoffreiches Tiefenwasser ableitet – eine Maßnahme, die bis heute wirkt. Doch laut Thomas Schmarda, Geschäftsführer des Naturparks Ötztal, reicht das allein angesichts von Klimawandel und Massenandrang nicht mehr aus. „Die jahrzehntelange Nutzung hinterlässt Spuren, die sich jetzt dramatisch summieren.“
Verkehrschaos verschärft die Lage
Neben den ökologischen Problemen leidet die Region auch unter massivem Verkehrsaufkommen. Der Parkplatz am See fasst nur rund 200 Autos und ist oft schon früh voll. Viele Besucher weichen illegal auf Felder aus, blockieren Zufahrten – Rückstaus und riskante Verkehrssituationen sind die Folge. Eine Infotafel, die bei voller Auslastung warnt, wird laut Bürgermeister Falkner kaum beachtet.
Appell: Mehr Rücksicht für das Naturjuwel
Der Piburger See gehört zu den ältesten Naturdenkmalen Tirols und ist seit 2009 Teil des Naturparks Ötztal. Doch um ihn zu bewahren, braucht es mehr Rücksicht und Achtsamkeit, fordern Gemeinde und Naturpark gemeinsam. Falkner appelliert an Gäste: „Nur wenn wir jetzt handeln, bleibt uns dieses Naturjuwel erhalten.“
Wer den See liebt, soll ihn auch schützen – und im Zweifel die offizielle Badeanstalt nutzen, auf die Natur Rücksicht nehmen und den Uferbereich nicht als wilden Badeplatz missbrauchen.
Hintergrund:
📍 Piburger See, Ötz (Bezirk Imst)
🌱 Naturdenkmal seit 1929
🧑🔬 Untersuchungen: Universität Innsbruck, Institut für Ökologie
🚫 Hauptproblem: Wildbaden, Klimawandel, Übernutzung