Frankreich unternimmt einen bedeutenden Schritt in Richtung nachhaltiger Verpackungspolitik. Seit Juni 2025 läuft ein groß angelegter Modellversuch zur Einführung eines Pfandsystems für Glasverpackungen. Die Initiative, die auf regionaler Ebene startet, soll prüfen, ob sich ein Rücknahmesystem für Glasflaschen und Gläser nach dem Vorbild anderer europäischer Länder – insbesondere Deutschlands – in Frankreich wirtschaftlich und ökologisch umsetzen lässt.
Vier Regionen, 16 Millionen Menschen, zwei Flaschentypen
Der Versuch findet in vier Regionen im Westen und Norden des Landes statt:
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Pays de la Loire
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Bretagne
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Normandie
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Hauts-de-France
Diese Gebiete umfassen gemeinsam etwa 16 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. In Supermärkten und Getränkemärkten, die sich dem Pilotprojekt angeschlossen haben, wird ab sofort bei zwei genormten Mehrwegflaschentypen ein Pfand erhoben, das bei Rückgabe der Flaschen erstattet wird. Im Verlauf des Projekts sollen weitere Gebinde, insbesondere Schraubgläser, integriert werden.
Zu den beteiligten Handelsunternehmen gehören mehrere große Supermarktketten, die sowohl in der Rücknahme als auch in der Logistik der Wiederverwendung eine zentrale Rolle übernehmen. Der Modellversuch ist auf 18 Monate angelegt und wird von staatlichen Stellen wissenschaftlich begleitet.
Keine flächendeckende Pfandpflicht in Frankreich – bisher
Frankreich verfügt bislang nicht über ein landesweites Pfandsystem. Glasflaschen – ob für Wasser, Wein oder Lebensmittel – werden in der Regel einmal genutzt und anschließend im Glascontainer entsorgt, um recycelt zu werden. Zwar ist Glas ein gut recycelbarer Rohstoff, doch der Schmelzprozess ist energieintensiv. Ein funktionierendes Mehrwegsystem könnte den Energieverbrauch deutlich senken, Transportwege optimieren und Verpackungsmüll vermeiden.
Ziel: Bewertung von Nutzen, Kosten und Akzeptanz
Ziel des Pilotprojekts ist es, die praktische Umsetzbarkeit, die Rücklaufquoten, das Verbraucherverhalten sowie die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen eines solchen Systems zu evaluieren. Auch der Aufwand für die Händler und die Industrie wird genau beobachtet. Am Ende des Versuches soll eine wissenschaftlich fundierte Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Glaspfandsystem auf das gesamte Land ausgeweitet werden kann.
Frankreichs Umweltministerium sieht in dem Modellversuch einen Baustein der nationalen Strategie zur Reduzierung von Einwegverpackungen. Diese wiederum steht im Kontext der EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft, die mittelfristig verbindliche Ziele zur Abfallvermeidung und Wiederverwendung vorsehen.
Erste Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Umweltorganisationen wie Zero Waste France begrüßen das Projekt ausdrücklich, fordern jedoch eine klare Informationskampagne für Verbraucherinnen und Verbraucher. Nur wenn die Bevölkerung den Sinn des Systems versteht und mitträgt, sei eine hohe Rückgabequote erreichbar.
Kritische Stimmen kommen teils aus der Industrie, insbesondere von Unternehmen, die stark auf Einwegverpackungen setzen. Sie bemängeln die Kosten und den logistischen Aufwand, warnen vor einem „Flickenteppich“ aus regional unterschiedlichen Rücknahmesystemen und fordern stattdessen europaweit einheitliche Lösungen.
Vergleich mit Deutschland: Vorbild und Herausforderung zugleich
Deutschland gilt mit seinem Pfandsystem für Mehrweg- und Einwegflaschen als Vorreiter. Rund 80 Prozent der Mehrwegflaschen werden dort laut Umweltbundesamt erfolgreich zurückgeführt. Allerdings war auch in Deutschland der Aufbau des Systems mit hohem Aufwand verbunden, und die Einführung zog sich über Jahre. Für Frankreich stellt sich nun die Frage, ob ein ähnlich flächendeckendes Modell in einem kulturell und wirtschaftlich anders strukturierten Land praktikabel ist.
Fazit: Ein Test mit Signalwirkung
Der Modellversuch zum Glaspfand in Frankreich ist ein bedeutender Schritt in Richtung nachhaltiger Verpackungspolitik. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich verlaufen, könnte es den Weg ebnen für ein landesweites Mehrwegsystem – mit positiven Auswirkungen auf Ressourcenverbrauch, CO₂-Bilanz und Abfallvermeidung. Gleichzeitig liefert der Test wichtige Erkenntnisse für andere europäische Länder, die ähnliche Pläne verfolgen oder überdenken.