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Warburg Privatbank verschlankt sich – ganz uneigennützig

mireyaqh (CC0), Pixabay

Bei der Hamburger Privatbank M.M. Warburg & Co. stehen die Zeichen auf Veränderung – und wie immer geht Veränderung bei Traditionshäusern vor allem zulasten derer, die morgens pünktlich erscheinen, E-Mails beantworten und den Betrieb am Laufen halten. Laut einer Sprecherin der Bank soll der Personalbestand von derzeit etwa 550 auf rund 400 Vollzeitstellen reduziert werden. Das sind etwa 150 Menschen, die künftig „anderweitig zur Wertschöpfung beitragen“ dürfen – außerhalb der Warburg-Familie.

Schluss mit dem Kapitalmarktgeschäft

Der Stellenabbau geht einher mit einem besonders innovativen Schritt: Die Bank verabschiedet sich vom Kapitalmarktgeschäft. In einer Branche, die traditionell ihr Geld mit Kapitalmarktaktivitäten verdient, ist das durchaus mutig – oder alternativ: betriebswirtschaftlicher Rückzug in Raten. Vielleicht aber auch einfach nur eine vorsorgliche Maßnahme, um künftig weniger Angriffsfläche in regulatorisch sensiblen Bereichen zu bieten. Man weiß ja nie, wer als Nächstes mit einem Durchsuchungsbefehl an die Tür klopft.

IT? Unverzichtbar – außer, wenn gespart werden muss

Besonders betroffen vom Personalumbau ist laut Warburg die IT-Abteilung – also genau der Bereich, ohne den keine Bank heute digital überleben kann. Aber wer braucht schon Server, Schnittstellen oder Sicherheitsupdates, wenn man auch einfach „verschlanken“ kann? Auch weitere interne Bereiche ohne Kundenkontakt stehen auf der Streichliste. Denn es ist bekanntlich einfacher, Strukturen zu reduzieren, als Verantwortung zu übernehmen.

Natürlich sozialverträglich: Gespräche mit dem Betriebsrat laufen

Wie es sich gehört, hat die Bank Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen. Erfahrungsgemäß laufen diese Gespräche so ab, dass die Arbeitgeberseite verkündet, wie viele Stellen wegfallen, und die Arbeitnehmerseite darum bittet, wenigstens die Kaffeemaschine im Pausenraum nicht abzubauen. In der Pressemitteilung heißt es dann später: „In konstruktiven Gesprächen wurde eine sozialverträgliche Lösung gefunden.“

Ein Name, der klingt – aus den falschen Gründen

Warburg war in den vergangenen Jahren nicht durch kluge Investitionen oder vorbildliche Unternehmensführung aufgefallen, sondern wegen ihrer Verwicklung in den Cum-Ex-Skandal. Der Name Warburg wurde plötzlich nicht mehr mit diskretem Reichtum, sondern mit Millionenverlusten für die Steuerzahler assoziiert. Dass man nun das Geschäftsmodell überdenkt, könnte als Versuch gewertet werden, sich aus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu verabschieden – zumindest aus der, die mit Haftbefehlen und Untersuchungsausschüssen zusammenhängt.

Strategischer Rückzug – oder Flucht nach vorn?

Nach außen hin verkauft Warburg die Maßnahme als Teil einer Neuausrichtung. Man „fokussiere sich auf die Bereiche, in denen die Bank wettbewerbsfähig sei“. Das klingt strategisch. Tatsächlich bedeutet es: Wir machen nur noch das, woran wir uns nicht verbrannt haben. Oder einfacher: Man zieht sich dahin zurück, wo es ruhiger ist – intern wie medial.

Fazit: Schrumpfen als Stilmittel

Was bleibt, ist ein traditionsreiches Haus mit weniger Geschäftsfeldern, weniger Mitarbeitern und womöglich auch weniger Risiko – zumindest für sich selbst. Für die gekündigten Beschäftigten allerdings stellt sich weniger die Frage nach Neuausrichtung, sondern eher die nach der nächsten Miete.

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