Einst galten sie als Gipfel des Glamours: Sean „Diddy“ Combs’ legendäre White Parties – extravagante Sommerfeste, bei denen sich Stars wie Leonardo DiCaprio, Mariah Carey, Michael Jackson und Kim Kardashian ausschließlich in Weiß kleideten. Heute jedoch werfen neue strafrechtliche Ermittlungen gegen den Musikmogul einen düsteren Schatten auf sein Vermächtnis.
Am 4. Juli 2004 fand eine der bekanntesten dieser Partys in den Hamptons statt. Combs, damals ein Symbol für den Aufstieg des „neuen schwarzen Reichtums“, präsentierte sich nicht nur als gefeierter Produzent und Modemacher, sondern auch als politisch bewusster Visionär – sein „Date“ zum Event war eine Originalkopie der Unabhängigkeitserklärung. Die Botschaft: Er war mehr als nur ein Showman.
Die „White Parties“ als kulturelles Phänomen
Ursprünglich 1998 ins Leben gerufen, wurden die White Parties schnell zu einem kulturellen Ereignis. Mit viel Champagner, Designermode, Performances und auffälliger Inszenierung, etwa Go-Go-Tänzerinnen mit Feuereffekten oder Sushi auf nackten Körpern, inszenierte sich Combs als Gastgeber der Superlative.
„Er wollte zeigen, dass Schwarze auch in die höchsten gesellschaftlichen Kreise gehören“, sagt Filmemacherin Yoruba Richen, Co-Regisseurin der Doku The Fall of Diddy. „Und das tat er – mit Glanz, Glamour und Geschäftssinn.“
Der Fall Diddy – Von der Bühne ins Gericht
Heute sitzt Combs in Untersuchungshaft. Der einstige Hip-Hop-Mogul steht wegen Sexhandel, Zuhälterei und schwerer Körperverletzung vor Gericht. Seit seiner Festnahme im September 2024 sind mehr als 60 Zivilklagen wegen sexuellen Übergriffen anhängig – einige von Minderjährigen, einige reichen bis ins Jahr 2024 zurück.
Einige Kläger berichten von sogenannten „Freak Offs“, privaten, angeblich orgienartigen Partys, auf denen Frauen betäubt und zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sein sollen. Auch wenn viele der White Parties als „öffentlich“ galten und ohne strafbare Ereignisse abliefen, tauchen nun Aussagen auf, wonach auch dort Missbrauch stattgefunden haben könnte.
Ein John Doe berichtet, er sei 1998 auf einer White Party von Combs sexuell genötigt worden. Eine Jane Doe behauptet, sie sei 2004 auf einer Party in den Hamptons betäubt und anschließend vergewaltigt worden. Auch andere Frauen berichten, sie hätten sich hilflos und „wie Objekte“ gefühlt.
Der Zusammenbruch einer Ikone
Für viele, wie den Rapper Jay Blaze, war die Einladung zu einer White Party einst ein Ritterschlag. Doch heute sagt Blaze, der 2009 teilnahm: „Ich habe zu diesem Mann aufgeschaut. Jetzt denke ich, er war ein Creeper.“ Er erinnert sich an halbnackte Frauen am Pool, „ängstliche Blicke“ und eine Atmosphäre, die von Dominanz und Kontrolle geprägt war.
Combs’ Aufstieg vom jungen Waisenjungen zum Multimillionär war beispiellos. Doch sein tiefster Fall könnte nun ebenso schnell erfolgen. Sollte er verurteilt werden, drohen ihm 15 Jahre bis lebenslange Haft.
Fazit
Was einst als kulturelles Statement gefeiert wurde, wird nun durch eine juristische und moralische Abrechnung überschattet. Die White Parties – einst Symbole für Erfolg, Stil und Macht – stehen nun im Zentrum eines Skandals, der Combs’ Lebenswerk für immer verändern könnte.