Der amtierende US-Verteidigungsminister Pete Hegseth steht erneut im Zentrum eines sicherheitspolitischen Skandals. Wie die New York Times am Sonntag berichtete, soll Hegseth sensible Informationen über einen Militärschlag gegen die jemenitischen Huthi-Rebellen – die mit dem Iran verbündet sind – über eine ungesicherte Nachrichtengruppe in der App Signal an seine Ehefrau, seinen Bruder und seinen persönlichen Anwalt weitergeleitet haben.
Der Vorfall wirft schwerwiegende Fragen über den Umgang der Trump-Regierung mit klassifizierten Informationen auf, insbesondere innerhalb des Verteidigungsministeriums. Die Enthüllung erfolgt nur Wochen nach einem weiteren peinlichen Fauxpas, bei dem Jeffrey Goldberg, Chefredakteur des Atlantic Magazine, versehentlich in eine ähnliche Chatgruppe mit hochrangigen Sicherheitsberatern der Trump-Regierung aufgenommen wurde. Auch dort ging es um Details zu geplanten Luftangriffen.
Details über Luftschläge versehentlich geteilt
Laut New York Times enthielt der Signal-Chat von Hegseth präzise Informationen zu Zeitpunkt und Ablauf der Luftschläge im März, mit denen Stellungen der Huthis im Jemen ins Visier genommen wurden. Vier mit dem Chat vertraute Quellen bestätigten dem Blatt die Inhalte.
Besonders brisant: Jennifer Hegseth, die Ehefrau des Verteidigungsministers und ehemalige Fox-News-Produzentin, habe laut einem separaten Bericht des Wall Street Journal auch an sensiblen Treffen mit ausländischen Militärvertretern teilgenommen – obwohl sie kein offizielles Amt oder sicherheitspolitisches Mandat besitzt.
Weitere Entlassungen im Verteidigungsministerium
Inmitten der Enthüllungen wurde vergangene Woche Dan Caldwell, einer von Hegseths wichtigsten Beratern, aus dem Pentagon eskortiert, nachdem er im Zuge interner Untersuchungen zu Informationslecks identifiziert worden war. Dies bestätigte ein US-Beamter gegenüber Reuters.
Kurz darauf wurden zwei weitere ranghohe Mitarbeiter, Darin Selnick (stellvertretender Stabschef Hegseths) und Colin Carroll (Stabschef des stellvertretenden Verteidigungsministers Steve Feinberg), beurlaubt.
Die Vorgänge werfen ein Schlaglicht auf ein Verteidigungsministerium, das zunehmend unter Druck steht – nicht nur wegen außenpolitischer Herausforderungen, sondern auch wegen mangelnder Informationssicherheit und möglicher politischer Einflussnahme im engsten Führungszirkel.
Trump-Regierung auf Konfrontationskurs mit „Leaks“
Ironischerweise ist es ausgerechnet Hegseth selbst, der sich in der Vergangenheit als besonders harter Verfechter gegen interne Leaks positionierte. Die Trump-Administration verfolgt Leaks aggressiv und hat mehrfach erklärt, dass die Weitergabe von Verschlusssachen strafrechtlich verfolgt werden müsse. Dass nun der eigene Verteidigungsminister ins Fadenkreuz solcher Vorwürfe gerät, bringt die Regierung in eine heikle Lage.
Das Pentagon äußerte sich bislang nicht offiziell zu den neuen Vorwürfen.
Fazit
Die Nutzung unklassifizierter Kommunikationskanäle zur Verbreitung hochsensibler militärischer Informationen stellt eine ernsthafte Bedrohung für die nationale Sicherheit dar. Die Enthüllungen um Verteidigungsminister Hegseth, seine familiären Verbindungen in sicherheitsrelevanten Kontexten und die personellen Turbulenzen im Pentagon verstärken den Eindruck eines chaotischen und potenziell gefährlichen Führungsstils im US-Verteidigungsapparat unter der Trump-Regierung.