Die Bilanz der Windpark Werneuchen ApS & Co. KG für das Geschäftsjahr 2025 vermittelt auf den ersten Blick ein ausgesprochen solides Bild. Einer Bilanzsumme von rund 1,04 Millionen Euro steht ein Eigenkapital von gut 1,00 Millionen Euro gegenüber. Die bilanziellen Verbindlichkeiten sind mit knapp 36.000 Euro vergleichsweise niedrig. Von einer hohen klassischen Verschuldung kann damit nach den vorliegenden Zahlen keine Rede sein.
Für Anleger ist das grundsätzlich eine erfreuliche Ausgangslage. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick hinter die Bilanzsumme. Denn während das Eigenkapital hoch ist, sind die tatsächlich verfügbaren Bankguthaben deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig sind die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände kräftig gestiegen. Besonders auffällig sind dabei Forderungen gegen Gesellschafter von mittlerweile rund 389.000 Euro.
Die Bilanzsumme erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr von rund 1,01 Millionen Euro auf 1,04 Millionen Euro. Das entspricht lediglich einem moderaten Anstieg von etwa 3,6 Prozent.
Das Sachanlagevermögen ging dagegen von rund 542.600 Euro auf knapp 511.000 Euro zurück. Der Rückgang beträgt rund 31.700 Euro beziehungsweise knapp sechs Prozent. Da die Gesellschaft ihre Sachanlagen nach eigenen Angaben planmäßig linear abschreibt, erscheint diese Entwicklung zunächst plausibel. Aus dem vorliegenden Abschluss lässt sich jedenfalls kein ungewöhnlicher Wertverlust der Anlagen ableiten.
Deutlich interessanter ist die Entwicklung auf der anderen Seite des Vermögens.
Das Umlaufvermögen stieg von rund 414.000 Euro auf rund 486.000 Euro. Auf den ersten Blick könnte dies als Verbesserung der kurzfristigen finanziellen Position verstanden werden. Doch die Zusammensetzung zeigt ein differenzierteres Bild.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich von rund 343.000 Euro auf rund 465.000 Euro. Das entspricht einem Anstieg von rund 122.000 Euro oder gut 35 Prozent.
Gleichzeitig sank das Bankguthaben erheblich.
Zum Jahresende 2024 verfügte die Gesellschaft noch über rund 71.100 Euro Bankguthaben. Ende 2025 waren es nur noch rund 20.400 Euro. Damit verringerte sich die unmittelbar verfügbare Bankliquidität um rund 50.800 Euro beziehungsweise mehr als 71 Prozent.
Genau diese Entwicklung sollten Anleger im Blick behalten.
20.000 Euro Bankguthaben sind bei einer Gesellschaft mit einer Bilanzsumme von mehr als einer Million Euro zunächst keine besonders komfortabel wirkende Liquiditätsreserve. Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, daraus unmittelbar ein Liquiditätsproblem abzuleiten.
Denn die Gesellschaft verfügt gleichzeitig über kurzfristige Forderungen von rund 465.000 Euro. Nach Angaben im Anhang haben sämtliche Forderungen eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr.
Entscheidend ist deshalb die Frage, wie werthaltig diese Forderungen sind und wann daraus tatsächlich Geld auf den Konten der Gesellschaft eingeht.
Besonders interessant sind dabei die Forderungen gegenüber Gesellschaftern.
Diese beliefen sich Ende 2025 auf 389.349,20 Euro. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 239.628,50 Euro.
Innerhalb eines Jahres sind diese Forderungen damit um rund 149.700 Euro beziehungsweise mehr als 62 Prozent gestiegen.
Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um Forderungen aus Verrechnungskonten.
Das ist aus Anlegersicht der auffälligste Punkt des gesamten Abschlusses.
Rechnerisch entfallen rund 84 Prozent sämtlicher Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände auf Forderungen gegen Gesellschafter. Gleichzeitig entsprechen diese Gesellschafterforderungen mehr als 37 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Forderungen gegen Gesellschafter sind nicht automatisch problematisch. Verrechnungskonten können im Rahmen gesellschaftsrechtlicher und finanzieller Beziehungen durchaus üblich sein.
Für Anleger kommt es jedoch darauf an, was wirtschaftlich hinter diesen Forderungen steckt.
Interessant wäre insbesondere zu erfahren, warum die Forderungen innerhalb eines Jahres um fast 150.000 Euro gestiegen sind, gegenüber welchen Gesellschaftern sie bestehen, welche Zahlungsbedingungen gelten und wann die Beträge tatsächlich zurückgeführt werden sollen.
Der Abschluss selbst liefert hierzu lediglich die Information, dass es sich um Forderungen aus Verrechnungskonten handelt und sämtliche Forderungen Restlaufzeiten von bis zu einem Jahr haben.
Eine weitergehende Bewertung wäre deshalb ohne zusätzliche Informationen spekulativ.
Bemerkenswert ist die Situation auch deshalb, weil gleichzeitig nur rund 20.400 Euro auf Bankkonten ausgewiesen werden.
Anders formuliert: Ein erheblicher Teil des bilanziell ausgewiesenen kurzfristigen Vermögens besteht nicht aus unmittelbar verfügbarer Liquidität, sondern aus Forderungen. Davon wiederum entfällt der größte Teil auf Gesellschafter.
Das bedeutet nicht, dass das Geld verloren ist. Forderungen sind Vermögenswerte. Für die Liquiditätsbetrachtung macht es aber einen erheblichen Unterschied, ob 389.000 Euro auf einem Bankkonto liegen oder ob die Gesellschaft einen Anspruch auf Zahlung dieses Betrages gegenüber Gesellschaftern besitzt.
Gerade deshalb wäre die tatsächliche Rückführung dieser Forderungen für Anleger eine wichtige Kennzahl.
Auf der Passivseite präsentiert sich die Gesellschaft dagegen ausgesprochen eigenkapitalstark.
Das Eigenkapital stieg von rund 992.900 Euro auf rund 1,003 Millionen Euro.
Die rechnerische Eigenkapitalquote liegt damit bei rund 96 Prozent.
Das ist eine außergewöhnlich hohe Quote und aus bilanzieller Sicht zunächst sehr positiv.
Die gesamten Verbindlichkeiten betragen lediglich 35.969 Euro. Hinzu kommen Rückstellungen von 4.360 Euro.
Damit verfügt die Gesellschaft über keine hohe bilanzielle Fremdfinanzierung. Dies unterscheidet sie deutlich von vielen Windparkgesellschaften, bei denen langfristige Bankkredite einen erheblichen Teil der Bilanz ausmachen.
Allerdings haben sich die Verbindlichkeiten gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht. Ende 2024 lagen sie lediglich bei rund 10.600 Euro. Ende 2025 waren es knapp 36.000 Euro.
Prozentual entspricht das einem starken Anstieg. Aufgrund des niedrigen Ausgangsniveaus sollte diese Entwicklung allerdings nicht dramatisiert werden. Absolut betrachtet bleiben die Verbindlichkeiten im Verhältnis zur Bilanzsumme sehr niedrig.
Positiv ist außerdem, dass sämtliche ausgewiesenen Verbindlichkeiten nach Angaben des Unternehmens eine Restlaufzeit von höchstens einem Jahr haben. Langfristige Bankverbindlichkeiten werden in der vorliegenden Bilanz nicht ausgewiesen.
Für Anleger stellt sich allerdings eine andere Frage: Wie profitabel arbeitet der Windpark tatsächlich?
Diese Frage lässt sich anhand des vorliegenden Bilanzauszugs nicht ausreichend beantworten.
Eine vollständige Gewinn und Verlustrechnung mit Angaben zu Umsätzen, Stromerlösen, Betriebskosten, Abschreibungen und Jahresergebnis ist in den vorgelegten Informationen nicht enthalten.
Aus dem Anstieg der Kapitalanteile der Kommanditisten von rund 992.900 Euro auf 1,003 Millionen Euro kann nicht ohne weitere Informationen zuverlässig auf den operativen Jahresgewinn geschlossen werden. Veränderungen der Kapitalkonten können auch durch Entnahmen, Einlagen, Ergebniszuweisungen oder andere gesellschaftsvertragliche Vorgänge beeinflusst werden.
Deshalb wäre es unseriös, allein aus der Bilanz einen bestimmten Gewinn für 2025 abzuleiten.
Gerade für Anleger wäre die Gewinn und Verlustrechnung aber besonders wichtig. Eine hohe Eigenkapitalquote sagt viel über die bilanzielle Finanzierung aus, beantwortet jedoch nicht die Frage, welche Rendite der Windpark tatsächlich erwirtschaftet.
Ein weiterer langfristiger Kostenfaktor sind die Pachtverträge.
Nach Angaben des Unternehmens bestehen daraus finanzielle Verpflichtungen bis zum Geschäftsjahr 2042. Ihre Höhe ist variabel.
Für das Geschäftsjahr 2025 betrug die Pachtverpflichtung 22.803,73 Euro.
Dass solche Pachtverpflichtungen bei einem Windpark bestehen, ist grundsätzlich nicht überraschend. Windenergieanlagen werden häufig auf langfristig gepachteten Grundstücken betrieben.
Für Anleger ist trotzdem wichtig, dass diese Verpflichtungen noch über viele Jahre bestehen und ihre Höhe ausdrücklich als variabel bezeichnet wird.
Damit stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien sich die Pacht verändert. Denkbar wären beispielsweise vertragliche Anpassungsmechanismen oder eine Abhängigkeit von bestimmten wirtschaftlichen Größen. Der vorliegende Anhang nennt dazu jedoch keine Details.
Gerade mit Blick auf die Laufzeit bis 2042 wäre es interessant zu wissen, wie sich diese Pachtkosten künftig entwickeln können.
Positiv fällt wiederum auf, dass der Jahresabschluss ausdrücklich unter der Annahme der Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufgestellt wurde. Aus den vorgelegten Bilanzzahlen ergibt sich zudem keine offensichtliche Überschuldung. Im Gegenteil: Das Eigenkapital deckt fast die gesamte Bilanzsumme ab.
Damit präsentiert sich Windpark Werneuchen bilanziell zunächst sehr robust.
Aus Anlegersicht liegt das eigentliche Fragezeichen deshalb weniger auf der Passivseite als auf der Zusammensetzung des Vermögens.
Die Gesellschaft verfügt Ende 2025 nur noch über rund 20.400 Euro Bankguthaben. Gleichzeitig stehen Forderungen von rund 465.000 Euro in der Bilanz, darunter rund 389.000 Euro gegen Gesellschafter.
Das ist eine bemerkenswerte Verschiebung.
Im Vorjahr standen noch rund 71.000 Euro Bankguthaben und rund 240.000 Euro Gesellschafterforderungen in der Bilanz. Nun ist das Bankguthaben um mehr als 70 Prozent gesunken, während die Forderungen gegen Gesellschafter um mehr als 60 Prozent gestiegen sind.
Diese gegenläufige Entwicklung sollte Anleger interessieren.
Sie ist jedoch kein Beleg für wirtschaftliche Schwierigkeiten oder eine problematische Mittelverwendung. Dafür fehlen entsprechende Informationen. Sie rechtfertigt aber die Frage, weshalb sich ein immer größerer Teil des Vermögens in Verrechnungskonten gegenüber Gesellschaftern befindet und wann diese Forderungen tatsächlich ausgeglichen werden.
Unter dem Strich liefert der Jahresabschluss deshalb ein ungewöhnliches Bild.
Auf der einen Seite steht eine sehr starke Eigenkapitalausstattung. Rund 1,003 Millionen Euro Eigenkapital bei einer Bilanzsumme von 1,043 Millionen Euro bedeuten eine Eigenkapitalquote von ungefähr 96 Prozent. Die bilanziellen Verbindlichkeiten sind gering und langfristige Bankkredite werden nicht ausgewiesen.
Auf der anderen Seite ist die unmittelbar verfügbare Bankliquidität auf nur noch rund 20.000 Euro gefallen. Gleichzeitig sind die Forderungen gegen Gesellschafter auf fast 390.000 Euro angewachsen.
Für Anleger ist deshalb nicht die Verschuldung die spannendste Frage dieses Abschlusses, sondern die Liquidität und die Werthaltigkeit der Forderungen.
Um die wirtschaftliche Lage wirklich beurteilen zu können, wären insbesondere die vollständige Gewinn und Verlustrechnung, die Stromproduktion des Jahres 2025, die erzielten Stromerlöse, Ausschüttungen beziehungsweise Entnahmen sowie nähere Angaben zu den Gesellschafter Verrechnungskonten erforderlich.
Die Bilanz selbst liefert keinen Anlass für Alarmismus. Die hohe Eigenkapitalquote und die geringe Verschuldung sprechen vielmehr für eine starke bilanzielle Basis.
Doch eine starke Bilanz ersetzt keine Liquiditätsanalyse. Wenn fast 390.000 Euro als Forderungen gegen Gesellschafter ausgewiesen werden, während auf den Bankkonten nur rund 20.000 Euro liegen, sollten Anleger genauer hinsehen. Entscheidend wird sein, ob und wann diese Forderungen tatsächlich wieder zu verfügbarer Liquidität für die Windparkgesellschaft werden.