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CEE Windpark Vormark: Bilanziell überschuldet – Geschäftsführung sieht Fortführung dennoch als überwiegend wahrscheinlich

Shutterbug75 (CC0), Pixabay

Die Zahlen des Jahresabschlusses der CEE Windpark Vormark GmbH & Co. KG zum 31. Dezember 2025 verdienen einen genaueren Blick.

Die Bilanzsumme sank innerhalb eines Jahres von rund 46,10 Millionen Euro auf 42,36 Millionen Euro.

Das entspricht einem Rückgang um etwa 3,74 Millionen Euro beziehungsweise 8,1 Prozent.

Ein Teil davon lässt sich durch die planmäßige Abschreibung der Windenergieanlagen erklären.

Das Sachanlagevermögen reduzierte sich von rund 41,59 Millionen Euro auf 39,16 Millionen Euro. Nach Angaben im Anhang werden die abnutzbaren Sachanlagen linear über 25 Jahre abgeschrieben. Außerplanmäßige Abschreibungen wurden 2025 nicht vorgenommen.

Deutlich auffälliger ist allerdings die Entwicklung des Eigenkapitals.

Verlustanteil von 415.341 Euro nicht mehr durch Einlagen gedeckt

Ende 2024 waren auf der Passivseite noch 4.925,30 Euro Eigenkapital ausgewiesen.

Davon entfielen 2.000 Euro auf Kapitalanteile der Kommanditisten und 2.925,30 Euro auf Rücklagen.

Zum 31. Dezember 2025 wird auf der Passivseite dagegen kein positives Eigenkapital mehr ausgewiesen.

Stattdessen erscheint auf der Aktivseite ein:

„Nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil Kommanditisten“ von 415.341,08 Euro.

Im Vorjahr hatte dieser Posten noch bei null gelegen.

Die Gesellschaft selbst zieht daraus im Anhang eine eindeutige bilanzielle Schlussfolgerung.

Dort heißt es, die Gesellschaft verfüge zum Abschlussstichtag über einen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil der Kommanditisten von 415.341,08 Euro und sei „somit bilanziell überschuldet“.

Diese Aussage stammt also unmittelbar aus dem Jahresabschluss.

Bilanzielle Überschuldung bedeutet nicht automatisch Insolvenz

Die Formulierung ist ernst zu nehmen, darf aber nicht mit einer bereits festgestellten insolvenzrechtlichen Zahlungsunfähigkeit gleichgesetzt werden.

Genau darauf geht die Geschäftsführung selbst ein.

Der Jahresabschluss wurde trotz der bilanziellen Überschuldung weiterhin unter der Annahme der Unternehmensfortführung aufgestellt.

Als Begründung nennt die Gesellschaft zwei Punkte.

Zum einen sei die Zahlungsfähigkeit auf Basis der Liquiditätsplanung weiterhin gegeben.

Zum anderen sei die Fortführung im Sinne von § 19 Abs. 2 Insolvenzordnung aufgrund einer positiven Fortbestehensprognose überwiegend wahrscheinlich.

Damit ergibt sich ein differenziertes Bild:

Bilanziell ist das Eigenkapital aufgezehrt und ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil entstanden.

Nach Einschätzung der Geschäftsführung bedeutet dies jedoch nicht, dass die Gesellschaft ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen könne.

Ob und wie robust die zugrunde liegende Liquiditäts- und Fortbestehensplanung ist, lässt sich anhand des veröffentlichten verkürzten Jahresabschlusses allerdings nicht beurteilen.

41,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten

Auf der Passivseite dominieren weiterhin die Schulden.

Zum 31. Dezember 2025 weist die CEE Windpark Vormark GmbH & Co. KG insgesamt 41.810.106,99 Euro Verbindlichkeiten aus.

Ein Jahr zuvor waren es noch 45.726.979,58 Euro.

Damit wurden die bilanzierten Verbindlichkeiten innerhalb eines Jahres um rund 3,92 Millionen Euro beziehungsweise 8,6 Prozent reduziert.

Das ist grundsätzlich eine deutliche Entlastung.

Allerdings bleiben die absoluten Größenordnungen erheblich.

Die Verbindlichkeiten entsprechen rechnerisch rund 98,7 Prozent der Bilanzsumme.

Dieser Wert darf nicht als klassische Fremdkapitalquote interpretiert werden, ohne die besondere Bilanzierung der Personengesellschaft und den aktivisch ausgewiesenen Verlustanteil zu berücksichtigen. Er verdeutlicht aber die hohe Bedeutung der Fremdfinanzierung für die Gesellschaft.

Hinzu kommen passive latente Steuern von 539.823,64 Euro sowie Rückstellungen von 8.685,58 Euro.

Bankschulden sinken um fast 2,9 Millionen Euro

Der größte konkret erläuterte Schuldenposten betrifft die Bankfinanzierung.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten lagen Ende 2025 bei:

26.932.050 Euro.

Ende 2024 waren es noch:

29.843.626 Euro.

Damit wurden die Bankschulden innerhalb eines Jahres um 2.911.576 Euro beziehungsweise rund 9,8 Prozent reduziert.

Das ist für die Beurteilung des Abschlusses ein wichtiger positiver Faktor.

Die Projektfinanzierung wird also erkennbar zurückgeführt.

Allerdings sind die Bankverbindlichkeiten vollständig besichert.

Nach Angaben der Gesellschaft bestehen Sicherheiten durch die Sicherungsübereignung der getätigten Investitionen sowie durch die offene Abtretung der Einspeiseerlöse der finanzierten Windenergieanlage.

Damit haben die finanzierenden Banken umfangreiche Sicherheiten auf zentrale Vermögenswerte beziehungsweise Einnahmen des Projekts.

Ursprüngliches Darlehen von bis zu 45,1 Millionen Euro

Der Anhang liefert weitere Informationen zur Finanzierung.

2016 wurde demnach ein langfristiger Darlehensvertrag mit einer Laufzeit von 29 Jahren und einem maximalen Volumen von 45.129.400 Euro abgeschlossen.

Die Finanzierung war einem variablen Zinsrisiko ausgesetzt.

Zur Absicherung schloss die Gesellschaft deshalb einen Zinsswap über ursprünglich nominal ebenfalls 45.129.400 Euro ab.

Darlehen und Zinsswap werden als sogenannte Bewertungseinheit beziehungsweise Micro Hedge behandelt.

Zum Abschlussstichtag 2025 betrug das Nominal des Darlehens noch 26.932.050 Euro.

Dieser Betrag werde vollständig durch den Zinsswap abgesichert.

Damit soll das Risiko aus den variablen Zinszahlungen begrenzt werden.

Liquide Mittel sinken um mehr als 1,1 Millionen Euro

Während die Bankverbindlichkeiten zurückgeführt wurden, ging allerdings auch der Bestand an liquiden Mitteln erheblich zurück.

Ende 2024 verfügte die Gesellschaft über Bankguthaben beziehungsweise liquide Mittel von:

2.996.048,21 Euro.

Ein Jahr später waren es noch:

1.851.320,03 Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 1,145 Millionen Euro beziehungsweise 38,2 Prozent.

Auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände gingen zurück.

Sie sanken von rund 1,51 Millionen Euro auf 925.863 Euro.

Insgesamt reduzierte sich das Umlaufvermögen von rund 4,50 Millionen Euro auf 2,78 Millionen Euro.

Das entspricht einem Rückgang um rund 38,3 Prozent.

Gerade vor dem Hintergrund der bilanziellen Überschuldung ist die Liquiditätsentwicklung interessant.

Allerdings lässt sich aus einem niedrigeren Bankguthaben allein keine Zahlungsunfähigkeit ableiten.

Dafür wären unter anderem Informationen über laufende Einzahlungen, kurzfristig fällige Verbindlichkeiten, operative Zahlungsströme, Kreditlinien und die konkrete Liquiditätsplanung notwendig.

Diese Informationen enthält der veröffentlichte Abschluss nicht in ausreichender Tiefe.

Wie entstand der Verlust?

Eine entscheidende Frage lässt sich aus den veröffentlichten Zahlen ebenfalls nicht vollständig beantworten:

Was hat 2025 konkret zum Verlust geführt, der das Eigenkapital aufgezehrt hat?

Die Gesellschaft macht von gesetzlichen Offenlegungserleichterungen für kleine Gesellschaften Gebrauch.

Eine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung mit Umsatzerlösen, Stromerlösen, Zinsaufwendungen und Jahresergebnis liegt in den hier veröffentlichten Angaben nicht vor.

Aus der Bilanz lässt sich allerdings ableiten, dass sich die Eigenkapitalsituation innerhalb eines Jahres erheblich verschlechtert hat.

Während Ende 2024 noch 4.925,30 Euro positives Eigenkapital ausgewiesen wurden, steht Ende 2025 ein ungedeckter Verlustanteil von 415.341,08 Euro.

Allein anhand der Bilanz lässt sich jedoch nicht seriös bestimmen, welche operativen oder finanziellen Faktoren hierfür verantwortlich waren.

Hohe Abschreibungen sind bei Windparks grundsätzlich zu erwarten

Ein Faktor dürfte bei der Interpretation solcher Projektgesellschaften grundsätzlich berücksichtigt werden.

Windparks verfügen über sehr hohe Sachanlagen, die über viele Jahre abgeschrieben werden.

Bei Vormark werden die Sachanlagen nach Unternehmensangaben über 25 Jahre linear abgeschrieben.

Das Anlagevermögen sank 2025 um rund 2,43 Millionen Euro.

Da nach Angaben der Gesellschaft keine außerplanmäßigen Abschreibungen vorgenommen wurden, ist der Rückgang im Wesentlichen im Zusammenhang mit der planmäßigen Abschreibung beziehungsweise Anlagenentwicklung zu sehen.

Bilanzielle Verluste und tatsächliche Zahlungsströme sind deshalb nicht identisch.

Eine Abschreibung mindert das handelsrechtliche Ergebnis, führt im Zeitpunkt der Abschreibung aber nicht zu einem entsprechenden Geldabfluss.

Das dürfte auch erklären, warum eine Gesellschaft trotz bilanzieller Überschuldung grundsätzlich weiterhin zahlungsfähig sein kann.

Ob dies bei Vormark langfristig trägt, hängt jedoch von den tatsächlichen Stromerlösen, Betriebskosten, Zinszahlungen, Tilgungen und sonstigen Zahlungsverpflichtungen ab.

Jährlich weitere Verpflichtungen von 1,19 Millionen Euro

Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen weitere langfristige finanzielle Verpflichtungen.

Die Gesellschaft beziffert diese mit insgesamt 1.186.200 Euro jährlich.

Davon entfallen:

343.400 Euro auf Miet- und Pachtverhältnisse,

125.700 Euro auf die technische Betriebsführung,

49.600 Euro auf die kaufmännische Betriebsführung

und 667.500 Euro auf den Wartungsvertrag.

Vor allem der Wartungsvertrag fällt damit ins Gewicht.

Er allein entspricht rund 56 Prozent der genannten jährlichen sonstigen finanziellen Verpflichtungen.

Miet- und Pachtverträge, technische Betriebsführung und Wartungsvertrag laufen nach den Angaben bis 2037.

Der Vertrag über die kaufmännische Betriebsführung ist bis 2027 angegeben.

Wichtig ist auch hier die Abgrenzung:

Die 1,186 Millionen Euro sind keine zusätzlichen, sofort fälligen Verbindlichkeiten zum Bilanzstichtag.

Es handelt sich um jährlich anfallende Verpflichtungen aus längerfristigen Vertragsverhältnissen.

Passive latente Steuern steigen deutlich

Auffällig ist außerdem die Entwicklung der passiven latenten Steuern.

Sie erhöhten sich von:

341.315,42 Euro auf 539.823,64 Euro.

Das ist ein Anstieg um rund 198.500 Euro beziehungsweise 58 Prozent.

Nach Angaben der Gesellschaft entstehen die latenten Steuern insbesondere durch unterschiedliche Wertansätze beziehungsweise Nutzungsdauern der technischen Anlagen in Handels- und Steuerbilanz.

Dem stehen unter anderem aktive latente Steuerwirkungen aus gewerbesteuerlichen Verlustvorträgen und einer steuerlichen Ergänzungsbilanz gegenüber.

Ausgewiesen wird der verrechnete Saldo.

Auch dieser Bilanzposten sollte nicht mit einer unmittelbar fälligen Steuerzahlung von 539.824 Euro verwechselt werden.

Keine eigenen Arbeitnehmer

Die CEE Windpark Vormark GmbH & Co. KG beschäftigte 2025 keine eigenen Arbeitnehmer.

Das passt zur Struktur einer klassischen Windpark-Projektgesellschaft.

Technische und kaufmännische Betriebsführung sowie Wartung werden über vertragliche Strukturen organisiert.

Allein für diese drei Bereiche bestehen nach den Angaben im Anhang jährliche Verpflichtungen von insgesamt 842.800 Euro.

Zusammen mit Pacht und Miete ergeben sich die genannten 1,186 Millionen Euro.

Das eigentliche Risiko liegt im Zusammenspiel der Zahlen

Isoliert betrachtet enthält der Jahresabschluss durchaus positive Entwicklungen.

Die gesamten Verbindlichkeiten gingen um rund 3,92 Millionen Euro zurück.

Die Bankschulden wurden um rund 2,91 Millionen Euro reduziert.

Das Sachanlagevermögen bleibt mit mehr als 39 Millionen Euro erheblich.

Und die Geschäftsführung erklärt ausdrücklich, dass die Zahlungsfähigkeit nach ihrer Liquiditätsplanung weiterhin gegeben sei.

Dem stehen jedoch mehrere Punkte gegenüber, die einer genaueren Betrachtung bedürfen.

Das positive Eigenkapital ist verschwunden.

Stattdessen besteht ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil von 415.341 Euro.

Die liquiden Mittel sind um mehr als 38 Prozent gesunken.

Das Umlaufvermögen ist ebenfalls um rund 38 Prozent zurückgegangen.

Und zusätzlich zu den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen erhebliche langfristige vertragliche Zahlungsverpflichtungen.

Entscheidend wäre jetzt die Ertrags- und Liquiditätsentwicklung

Ausgerechnet die wichtigsten Zahlen zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit lassen sich aus dem veröffentlichten Abschluss nicht vollständig ablesen.

Wie hoch waren 2025 die Stromerlöse?

Wie hoch war der Jahresfehlbetrag?

Wie hoch waren Zins- und Tilgungsleistungen?

Welchen operativen Cashflow erwirtschaftete der Windpark?

Wie hoch sind die für 2026 und die Folgejahre erwarteten Einnahmen?

Und auf welchen konkreten Annahmen basiert die positive Fortbestehensprognose?

Diese Fragen sind deshalb relevant, weil die Gesellschaft ihre Fortführung ausdrücklich mit ihrer Liquiditätsplanung begründet.

Die Bilanz allein liefert dafür keine vollständige Antwort.

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