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Privates Tagebuch von Papst Franziskus erscheint: Aufzeichnungen aus mehr als drei Jahrzehnten werden veröffentlicht

mylns65hoasphn (CC0), Pixabay

Papst Franziskus war für seine vergleichsweise direkte Sprache bekannt. Nun sollen Leser einen noch persönlicheren Zugang zum verstorbenen Oberhaupt der katholischen Kirche erhalten.

Der Vatikan-Verlag hat die Veröffentlichung eines Buches mit privaten Aufzeichnungen des früheren Papstes angekündigt.

Der Titel lautet:

„Das persönliche Tagebuch von Papst Franziskus“.

Die darin enthaltenen Notizen entstanden nach Angaben des Vatikans zwischen 1992 und 2024.

Damit umfassen sie einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren – von Bergoglios Aufstieg innerhalb der argentinischen Kirche über seine Wahl zum Papst bis fast zum Ende seines Pontifikats.

Veröffentlichung am 24. November in 94 Ländern

Das Buch soll am 24. November 2026 in insgesamt 94 Ländern erscheinen.

Zunächst sind Ausgaben auf Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch und Italienisch vorgesehen.

Noch vor dem eigentlichen Verkaufsstart soll das Werk einem internationalen Publikum präsentiert werden.

Die Vorstellung ist auf der Frankfurter Buchmesse vom 7. bis 11. Oktober 2026 vorgesehen.

Damit wird das Buch bereits Wochen vor seinem offiziellen Erscheinungstermin öffentlich vorgestellt.

Nur 144 Seiten für mehr als drei Jahrzehnte

Bemerkenswert ist der Umfang.

Obwohl die Aufzeichnungen einen Zeitraum von 1992 bis 2024 abdecken, soll das Buch lediglich 144 Seiten umfassen.

Es handelt sich damit offenbar nicht um eine lückenlose tagebuchartige Dokumentation jedes einzelnen Jahres.

Welche Notizen ausgewählt wurden, wie umfangreich die ursprünglichen Aufzeichnungen waren und nach welchen Kriterien die veröffentlichte Zusammenstellung erfolgte, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.

Gerade diese Fragen dürften für die historische Einordnung des Buches interessant werden.

Denn bei persönlichen Aufzeichnungen einer Persönlichkeit wie Franziskus ist nicht nur relevant, was veröffentlicht wird – sondern möglicherweise ebenso, was nicht veröffentlicht wird.

Kardinal Fernández kommentiert die Aufzeichnungen

Die Texte von Franziskus sollen nicht vollkommen unkommentiert erscheinen.

Kommentiert werden die Aufzeichnungen von Kardinal Víctor Manuel Fernández.

Damit erhält das Buch neben den eigentlichen Notizen des verstorbenen Papstes eine zusätzliche Ebene der Einordnung.

Für Leser dürfte deshalb interessant sein, klar unterscheiden zu können, welche Passagen unmittelbar von Bergoglio stammen und welche Erläuterungen oder Interpretationen später hinzugefügt wurden.

Gerade bei einem als „persönliches Tagebuch“ vermarkteten Werk ist diese Trennung wichtig.

Die Aufzeichnungen beginnen lange vor seiner Papstwahl

Der Ausgangspunkt des Tagebuchs liegt im Jahr 1992.

Damals war Jorge Mario Bergoglio noch weit davon entfernt, Oberhaupt der katholischen Weltkirche zu sein.

Der argentinische Jesuit wurde in diesem Jahr zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt.

Sechs Jahre später wurde er Erzbischof der argentinischen Hauptstadt.

2001 erhob ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal.

Am 13. März 2013 folgte schließlich der historische Schritt:

Die Kardinäle wählten Bergoglio zum Papst.

Er nahm den Namen Franziskus an und wurde damit der erste lateinamerikanische Papst in der Geschichte der katholischen Kirche.

Bis zu seinem Tod am 21. April 2025 stand er an der Spitze der Weltkirche.

Was dachte Bergoglio, bevor er Papst wurde?

Gerade die frühen Aufzeichnungen könnten deshalb besonders interessant sein.

Denn sie stammen aus einer Zeit, in der Bergoglio noch nicht unter der permanenten Beobachtung einer weltweiten Öffentlichkeit stand.

Die Jahre zwischen 1992 und 2013 umfassen entscheidende Stationen seiner kirchlichen Karriere.

Persönliche Aufzeichnungen aus dieser Phase könnten zeigen, wie Bergoglio selbst seine zunehmende Verantwortung wahrnahm und welche Themen ihn beschäftigten, bevor er zum Papst gewählt wurde.

Ob und in welchem Umfang das veröffentlichte Buch tatsächlich solche Einblicke enthält, wird sich allerdings erst anhand des vollständigen Werkes beurteilen lassen.

Was schrieb Franziskus während seines Pontifikats?

Noch größere Aufmerksamkeit dürften die Aufzeichnungen aus den Jahren nach 2013 bekommen.

Franziskus führte die katholische Kirche durch eine Zeit erheblicher gesellschaftlicher und kirchenpolitischer Auseinandersetzungen.

Ein persönliches Tagebuch könnte grundsätzlich einen anderen Blick auf solche Jahre ermöglichen als offizielle Reden, Interviews oder päpstliche Schreiben.

Doch auch hier ist Zurückhaltung angebracht.

Ein veröffentlichtes Tagebuch ist nicht automatisch ein vollständiges historisches Protokoll.

Es handelt sich um eine Auswahl persönlicher Aufzeichnungen, deren konkreter Umfang und redaktionelle Bearbeitung für die Bewertung eine wichtige Rolle spielen.

Wie privat ist ein veröffentlichtes „persönliches Tagebuch“?

Genau darin liegt eine der spannendsten Fragen rund um die Veröffentlichung.

Der Titel verspricht ausdrücklich ein „persönliches Tagebuch“.

Damit entsteht beim Leser die Erwartung eines besonders unmittelbaren und privaten Zugangs zu Franziskus.

Doch bei posthum veröffentlichten persönlichen Aufzeichnungen sollte zwischen dem ursprünglichen Dokument und der später für den Buchmarkt zusammengestellten Ausgabe unterschieden werden.

Interessant wäre deshalb zu erfahren:

Wie umfangreich waren die ursprünglichen Aufzeichnungen?

Wer hat die Auswahl für die 144 Seiten getroffen?

Hat Franziskus selbst zu Lebzeiten einer späteren Veröffentlichung zugestimmt?

Gab es von ihm Vorgaben dazu, welche Aufzeichnungen veröffentlicht werden dürfen?

Wurden Passagen aus persönlichen, kirchenpolitischen oder datenschutzrechtlichen Gründen ausgelassen?

Und wie stark wurde der ursprüngliche Text redaktionell bearbeitet?

Die vorliegenden Informationen beantworten diese Fragen nicht.

Wer entschied über die Veröffentlichung nach seinem Tod?

Auch die rechtliche und persönliche Dimension der Veröffentlichung verdient Aufmerksamkeit.

Franziskus starb am 21. April 2025.

Das Buch erscheint damit rund anderthalb Jahre nach seinem Tod.

Bei privaten Tagebuchaufzeichnungen eines verstorbenen Papstes stellt sich zwangsläufig die Frage, auf welcher Grundlage diese Dokumente nun veröffentlicht werden.

Entscheidend wäre insbesondere, ob Franziskus selbst die Publikation vorbereitet oder ausdrücklich autorisiert hatte.

Sollte dies der Fall sein, wäre die Bezeichnung als „privates Tagebuch“ anders einzuordnen als bei Aufzeichnungen, deren Veröffentlichung erst nach seinem Tod beschlossen wurde.

Aus den vorliegenden Angaben lässt sich diese Frage nicht abschließend beantworten.

Verlag spricht von einem „sehr persönlichen“ Werk

In Frankreich soll das Buch beim Verlag Albin Michel erscheinen.

Verlagsleiter Gilles Haeri bezeichnete das Werk als „sehr persönlich“.

Er stellt es zugleich in die Tradition von Franziskus‘ Autobiografie „Hope“, die Anfang 2025 veröffentlicht wurde.

Damit erscheint das neue Buch nicht vollkommen isoliert.

Franziskus hatte bereits vor seinem Tod autobiografische Einblicke in sein Leben gegeben.

Ein Tagebuch besitzt allerdings einen anderen Charakter als eine bewusst für die Veröffentlichung geschriebene oder zusammengestellte Autobiografie.

Gerade deshalb dürfte entscheidend sein, wie ursprünglich und unbearbeitet die jetzt publizierten Texte tatsächlich sind.

Tagebuch könnte auch für Historiker interessant werden

Das Buch dürfte nicht nur religiöse Leser ansprechen.

Persönliche Aufzeichnungen bedeutender politischer oder religiöser Persönlichkeiten können wichtige historische Quellen sein.

Bei Franziskus kommt hinzu, dass die Notizen einen außergewöhnlich langen Zeitraum umfassen.

Zwischen 1992 und 2024 wandelte sich Bergoglio vom Weihbischof in Buenos Aires zum Oberhaupt einer Weltkirche mit weit über einer Milliarde Mitgliedern.

Persönliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit könnten deshalb helfen, Entwicklungen in seinem Denken nachzuvollziehen.

Ihre Aussagekraft hängt allerdings entscheidend davon ab, wie vollständig die veröffentlichten Texte sind und wie sie ausgewählt wurden.

Ein Buch mit großem Versprechen – und offenen Fragen

Die Ankündigung des Vatikan-Verlags macht neugierig.

Ein persönliches Tagebuch eines Papstes verspricht einen Zugang, den offizielle Dokumente normalerweise nicht bieten können.

Doch gerade deshalb sollte bei der Veröffentlichung transparent gemacht werden, wie das Buch entstanden ist.

Bei lediglich 144 Seiten aus einem Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten liegt nahe, dass Leser keine vollständige chronologische Dokumentation erwarten sollten.

Von besonderem Interesse wird deshalb sein, ob die Herausgeber offenlegen, nach welchen Kriterien die Texte ausgewählt wurden und welche Rolle Franziskus selbst bei der Vorbereitung der Veröffentlichung spielte.

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