Beim Windpark Oberngrub V zeigt der Jahresabschluss 2025 ein auf den ersten Blick widersprüchliches Bild: Die Gesellschaft erwirtschaftet einen deutlichen Gewinn – gleichzeitig steht das ausgewiesene Eigenkapital weiterhin bei null Euro. Hinzu kommt ein erheblicher nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten.
Die Windpark Oberngrub V ApS & Co. KG mit Sitz in Harrislee erzielte 2025 einen Jahresüberschuss von 43.601,03 Euro. Damit arbeitet die Gesellschaft weiterhin profitabel.
Allerdings ist der Gewinn gegenüber dem Vorjahr kräftig zurückgegangen.
2024 hatte der Jahresüberschuss noch 94.085,70 Euro betragen. Innerhalb eines Jahres ist das Ergebnis damit um 50.484,67 Euro beziehungsweise rund 54 Prozent gefallen.
Ein wesentlicher Grund dafür lässt sich bereits in der Gewinn- und Verlustrechnung erkennen: Die Einnahmen sind gesunken, während gleichzeitig die sonstigen betrieblichen Aufwendungen deutlich gestiegen sind.
Die Umsatzerlöse gingen von 239.451,89 Euro im Jahr 2024 auf 211.962,94 Euro im Jahr 2025 zurück. Das entspricht einem Minus von rund 27.500 Euro beziehungsweise gut elf Prozent.
Gleichzeitig kletterten die sonstigen betrieblichen Aufwendungen kräftig.
Sie erhöhten sich von 123.775,53 Euro auf 156.753,35 Euro – ein Anstieg um fast 33.000 Euro oder rund 27 Prozent.
Damit geriet das Ergebnis gleich von zwei Seiten unter Druck: weniger Umsatz und höhere laufende Aufwendungen.
Entlastung gab es dagegen bei den Finanzierungskosten.
Die Zinsen und ähnlichen Aufwendungen sanken von 18.925,94 Euro auf 10.735,62 Euro. Das ist ein Rückgang von mehr als 8.000 Euro beziehungsweise rund 43 Prozent.
Auch der Materialaufwand spielt mit lediglich 2.786,74 Euro eine vergleichsweise geringe Rolle.
Am Ende bleiben die erwähnten 43.601,03 Euro Gewinn.
Und genau an diesem Punkt wird die Bilanz ungewöhnlich.
Denn trotz dieses Gewinns weist die Gesellschaft zum Jahresende kein positives Eigenkapital aus.
Stattdessen erscheint ein „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten“. Nach den vorgelegten Zahlen beläuft sich dieser zum Jahresende auf 822.701,33 Euro. Im Vorjahr waren es 779.100,30 Euro.
Daneben werden 982.000 Euro nicht eingeforderte ausstehende Einlagen der Kommanditisten ausgewiesen.
Die Größenordnung ist erheblich.
Dabei darf die Darstellung einer Kommanditgesellschaft nicht ohne Weiteres so gelesen werden wie die Bilanz einer klassischen GmbH. Insbesondere die Kapitalkonten und die Behandlung von Gewinn- und Verlustanteilen können zu einer Bilanzstruktur führen, die erklärungsbedürftig ist.
Auffällig ist dennoch: Die Gesellschaft erwirtschaftet Gewinne, während gleichzeitig kein positives bilanzielles Eigenkapital ausgewiesen wird.
Auch die Ergebnisverwendung liefert einen Hinweis auf die Struktur. Der Jahresüberschuss von 43.601,03 Euro wird den Kapitalkonten gutgeschrieben. Ein Bilanzgewinn verbleibt nicht.
Das war auch 2024 so. Damals wurden die gesamten 94.085,70 Euro den Kapitalkonten gutgeschrieben.
Besonders interessant ist ein Blick auf die Vermögenswerte.
Von einem Windpark mit millionenschweren Windenergieanlagen ist in der Bilanz dieser Gesellschaft praktisch nichts mehr zu sehen.
Das Sachanlagevermögen steht lediglich mit einem Erinnerungswert von einem Euro in den Büchern.
Unter „technische Anlagen und Maschinen“ findet sich ebenfalls nur dieser eine Euro.
Das bedeutet nicht, dass die technischen Anlagen tatsächlich nur einen Euro wert sein müssen. Es handelt sich um einen bilanziellen Wert. Aus dem Abschluss geht hervor, dass das Sachanlagevermögen zu Anschaffungskosten abzüglich Abschreibungen angesetzt wird.
Die Anlagen sind damit bilanziell praktisch vollständig abgeschrieben.
Und gerade das macht die Zahlen interessant.
Denn obwohl die technischen Anlagen in der Bilanz nur noch mit einem Euro stehen, erwirtschaftet die Gesellschaft weiterhin mehr als 200.000 Euro Umsatz pro Jahr.
2025 waren es knapp 212.000 Euro, 2024 sogar knapp 240.000 Euro.
Das zeigt, wie stark sich bilanzieller Buchwert und wirtschaftliche Nutzung voneinander unterscheiden können. Eine abgeschriebene Anlage kann weiterhin betrieben werden und Einnahmen erwirtschaften.
Wie alt die Anlagen tatsächlich sind, welche Leistung sie besitzen und wie lange sie noch betrieben werden sollen, lässt sich aus dem vorliegenden Jahresabschluss allerdings nicht erkennen.
Auf der Aktivseite finden sich ansonsten nur 11.024,92 Euro an Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen. Im Vorjahr waren es noch 16.822,32 Euro.
Einen gesondert ausgewiesenen größeren Bankbestand gibt es in der vorliegenden Bilanz nicht.
Die Bilanzsumme beträgt lediglich 170.324,59 Euro, nach 219.723,02 Euro im Jahr zuvor.
Sie ist damit um knapp 49.400 Euro oder rund 22 Prozent zurückgegangen.
Auf der Passivseite stehen insbesondere Rückstellungen von 98.120 Euro. Diese haben sich gegenüber den 96.860 Euro des Vorjahres nur leicht erhöht.
Die Verbindlichkeiten sind dagegen deutlich gefallen.
Ende 2024 betrugen sie noch 122.863,02 Euro. Ende 2025 waren es nur noch 72.204,59 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um mehr als 50.000 Euro beziehungsweise gut 41 Prozent.
Auch das ist ein interessantes Signal: Während der Jahresgewinn deutlich schrumpft, reduziert die Gesellschaft gleichzeitig ihre ausgewiesenen Verbindlichkeiten erheblich.
Besonders stark gingen die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern zurück. Sie sanken von 86.912,10 Euro auf 41.089,13 Euro.
Die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen reduzierten sich ebenfalls – von 30.050,45 Euro auf 22.159,21 Euro.
Hinzu kommen 8.736,25 Euro sonstige Verbindlichkeiten und lediglich 220 Euro aus Lieferungen und Leistungen.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Sämtliche Verbindlichkeiten haben nach Angaben im Anhang eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.
Langfristige Verbindlichkeiten von mehr als fünf Jahren bestehen nicht.
Damit unterscheidet sich die Bilanz deutlich von vielen jüngeren Windparkgesellschaften, die noch über Jahre hinweg hohe Bankdarlehen für die Finanzierung ihrer Anlagen bedienen müssen.
Die Zahlen vermitteln vielmehr das Bild einer Gesellschaft mit bilanziell weitgehend abgeschriebenem Sachanlagevermögen.
Interessant ist auch der Vergleich mit der Windpark Oberngrub Infrastruktur oHG, deren Jahresabschluss ebenfalls für 2025 vorliegt.
Die Windpark Oberngrub V ApS & Co. KG gehört zu den fünf persönlich haftenden Gesellschaftern dieser Infrastrukturgesellschaft. Für Oberngrub V wird dort ein Haftkapital von 982.000 Euro genannt.
Genau dieser Betrag von 982.000 Euro taucht auch im Jahresabschluss von Oberngrub V bei den nicht eingeforderten ausstehenden Einlagen der Kommanditisten auf.
Die Infrastrukturgesellschaft selbst weist für 2025 einen Jahresüberschuss von 27.923,64 Euro aus.
Damit wird sichtbar, dass Oberngrub V nicht völlig isoliert betrachtet werden sollte. Die Gesellschaft ist Teil einer größeren Struktur rund um den Windparkstandort.
Die vielleicht spannendste Frage lautet deshalb: Wie lange lässt sich mit den bilanziell praktisch vollständig abgeschriebenen Anlagen noch Geld verdienen?
2025 waren es immerhin noch knapp 212.000 Euro Umsatz und gut 43.600 Euro Jahresüberschuss.
Allerdings zeigt der Vergleich mit 2024 auch, dass das Ergebnis keineswegs stabil geblieben ist.
Der Umsatz sank um gut elf Prozent.
Der Gewinn brach sogar um mehr als die Hälfte ein.
Besonders die Entwicklung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen sollte deshalb im kommenden Jahresabschluss beobachtet werden. Mit 156.753 Euro verschlingen sie mittlerweile einen erheblichen Teil der Einnahmen.
Aus dem veröffentlichten Abschluss geht nicht hervor, welche konkreten Kosten sich dahinter verbergen. Gerade bei älteren Windenergieanlagen könnten beispielsweise Wartung, Reparaturen, Versicherungen, Pachten oder Dienstleistungsverträge eine Rolle spielen. Welche dieser Faktoren bei Oberngrub V tatsächlich maßgeblich sind, lässt sich aus den vorliegenden Angaben aber nicht feststellen.
Auch deshalb wäre es falsch, aus dem Ergebnisrückgang automatisch auf technische Probleme der Windenergieanlagen zu schließen.
Fest steht lediglich: Die Kosten sind gestiegen und die Umsätze gleichzeitig gesunken.
Dadurch verringerte sich der Jahresüberschuss von rund 94.100 auf nur noch rund 43.600 Euro.
Das Unternehmen kommt dabei ohne eigene Arbeitnehmer aus. Sowohl 2025 als auch im Vorjahr beschäftigte die Gesellschaft durchschnittlich null Mitarbeiter.
Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Oberngrub Komplementar V ApS mit Sitz im dänischen Østbirk. Sie verfügt über ein gezeichnetes Kapital von 126.000 dänischen Kronen.
Geschäftsführer der Komplementärin ist Carsten Lind Pedersen.
Der Jahresabschluss wurde am 10. August 2026 festgestellt beziehungsweise gebilligt und am 4. September 2026 veröffentlicht.
Unter dem Strich liefert Oberngrub V damit eine ungewöhnliche Bilanzgeschichte.
Die Windkraftanlagen stehen nur noch mit einem Euro in der Bilanz – bringen aber weiterhin mehr als 200.000 Euro Jahresumsatz.
Die Verbindlichkeiten sinken kräftig.
Das Unternehmen schreibt weiterhin schwarze Zahlen.
Doch der Gewinn hat sich innerhalb eines Jahres mehr als halbiert, während die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erheblich gestiegen sind. Gleichzeitig weist die Gesellschaft weiterhin kein positives Eigenkapital aus.
Gerade deshalb wird der Abschluss für 2026 interessant.
Sollten die Umsätze weiter sinken und die Kosten auf dem aktuellen Niveau bleiben oder sogar weiter steigen, könnte der verbliebene Gewinn schnell zusammenschmelzen.
Sollten sich dagegen die Einnahmen stabilisieren und die Kosten wieder zurückgehen, könnten die nahezu vollständig abgeschriebenen Anlagen noch über Jahre Gewinne erwirtschaften.