Beim Windpark Oberngrub I ist der Gewinn 2025 massiv zurückgegangen. Die Windpark Oberngrub I ApS & Co. KG mit Sitz in Harrislee bleibt zwar in den schwarzen Zahlen, doch vom Ergebnis des Vorjahres ist nur noch gut ein Viertel übrig.
Der Jahresüberschuss fiel von 101.617,47 Euro im Jahr 2024 auf 26.428,66 Euro im Jahr 2025.
Das entspricht einem Rückgang um 75.188,81 Euro beziehungsweise rund 74 Prozent.
Damit zeigt sich bei Oberngrub I ein ähnliches Muster wie bei mehreren Schwestergesellschaften aus der Oberngrub-Struktur: Die Umsätze gehen zurück, während die sonstigen betrieblichen Aufwendungen kräftig steigen.
Die Umsatzerlöse sanken von 239.451,89 Euro auf 211.962,94 Euro. Das sind knapp 27.489 Euro weniger, entsprechend einem Minus von rund 11,5 Prozent.
Allein dieser Umsatzrückgang erklärt den starken Ergebnisverfall allerdings nicht.
Noch stärker fällt die Veränderung bei den sonstigen betrieblichen Aufwendungen aus.
Diese erhöhten sich von 122.488,77 Euro auf 173.925,72 Euro.
Damit musste die Gesellschaft 2025 rund 51.437 Euro mehr für sonstige betriebliche Aufwendungen verbuchen als im Jahr zuvor.
Das entspricht einem Anstieg von rund 42 Prozent.
Die wirtschaftliche Rechnung verschlechterte sich damit von zwei Seiten gleichzeitig: Weniger Umsatz traf auf deutlich höhere Kosten.
Entlastung gab es immerhin bei den Zinsen.
Die Zinsen und ähnlichen Aufwendungen gingen von 12.681,31 Euro auf 10.735,62 Euro zurück. Das entspricht einer Reduzierung um rund 15 Prozent.
Auch der Materialaufwand fiel leicht von 3.378,48 Euro auf 2.786,74 Euro.
Die sonstigen betrieblichen Erträge erhöhten sich zugleich von 714,14 Euro auf 1.913,80 Euro.
Diese positiven Veränderungen waren jedoch viel zu klein, um den kräftigen Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen und den Umsatzrückgang auszugleichen.
Unter dem Strich blieben deshalb nur noch 26.428,66 Euro Gewinn.
Besonders deutlich wird die Verschlechterung beim Verhältnis zwischen Gewinn und Umsatz.
2024 entsprach der Jahresüberschuss rechnerisch noch rund 42,4 Prozent des Umsatzes.
2025 waren es nur noch knapp 12,5 Prozent.
Die Ergebnisquote ist damit innerhalb eines Jahres regelrecht eingebrochen.
Windkraftanlagen stehen nur noch mit einem Euro in den Büchern
Wie bei den anderen Gesellschaften der Oberngrub-Gruppe fällt auch bei Oberngrub I der extrem niedrige Buchwert des Sachanlagevermögens ins Auge.
Die technischen Anlagen und Maschinen stehen lediglich mit einem Euro in der Bilanz.
Das war bereits Ende 2024 so.
Dieser Betrag darf ausdrücklich nicht als tatsächlicher Marktwert der Windenergieanlagen verstanden werden.
Der eine Euro ist ein bilanzieller Erinnerungswert. Die Anlagen sind nach den Angaben im Jahresabschluss durch Abschreibungen praktisch vollständig abgeschrieben.
Wirtschaftlich können sie trotzdem weiterhin erheblichen Wert besitzen und vor allem weiterhin Strom produzieren.
Und genau das zeigen die Umsätze.
Obwohl die technischen Anlagen bilanziell nur noch mit einem Euro erscheinen, erwirtschaftete die Gesellschaft 2025 weiterhin knapp 212.000 Euro Umsatz.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit Buchwert und wirtschaftliche Nutzung bei älteren Infrastrukturprojekten auseinanderliegen können.
Aus dem Abschluss lässt sich allerdings nicht erkennen, welchen tatsächlichen Marktwert die Anlagen noch besitzen oder wie lange sie technisch weiter betrieben werden können.
Die Gesellschaft selbst besteht schon seit vielen Jahren. Öffentlich zugängliche Registerinformationen führen sie beim Amtsgericht Flensburg unter HRA 8243 FL und nennen eine Eintragung aus dem Jahr 2005.
Das passt zum nahezu vollständig abgeschriebenen Sachanlagevermögen.
Forderungen gegenüber Gesellschaftern steigen um 373 Prozent
Eine der auffälligsten Veränderungen findet sich im Umlaufvermögen.
Dieses erhöhte sich von 32.409,03 Euro auf 76.052,67 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 43.644 Euro beziehungsweise 135 Prozent.
Dahinter steckt vor allem eine Position: die Forderungen gegenüber Gesellschaftern.
Diese beliefen sich Ende 2024 noch auf lediglich 13.966,18 Euro.
Ein Jahr später stehen 66.046,05 Euro in der Bilanz.
Das ist ein Anstieg um 52.079,87 Euro oder rund 373 Prozent.
Die Forderungen haben sich damit innerhalb eines Jahres beinahe verfünffacht.
Inzwischen entfallen rund 87 Prozent des gesamten Umlaufvermögens allein auf Forderungen gegenüber Gesellschaftern.
Diese Entwicklung ist wirtschaftlich interessant.
Forderungen sind zwar Vermögenswerte, aber eben kein sofort verfügbares Bankguthaben.
Die Gesellschaft besitzt einen Anspruch gegenüber den betreffenden Gesellschaftern. Aus dem veröffentlichten Abschluss lässt sich jedoch nicht erkennen, wie diese Forderungen entstanden sind, wann sie fällig werden oder wann mit einem tatsächlichen Mittelzufluss zu rechnen ist.
Ein gesonderter Kassen- oder Bankbestand wird in der vorgelegten Bilanz nicht ausgewiesen.
Deshalb sollte der Anstieg der Forderungen nicht mit einem entsprechenden Anstieg der Liquidität gleichgesetzt werden.
Die sonstigen Vermögensgegenstände gingen gleichzeitig von 18.442,85 Euro auf 10.006,62 Euro zurück.
Kein positives Eigenkapital ausgewiesen
Auf der Passivseite steht das Eigenkapital weiterhin bei null Euro.
Auch der Bilanzgewinn beziehungsweise Bilanzverlust wird mit null Euro angegeben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Gesellschaft 2025 keinen Gewinn erzielt hätte.
Der Jahresüberschuss von 26.428,66 Euro wurde vollständig den Kapitalkonten gutgeschrieben.
Deshalb verbleibt kein Bilanzgewinn.
Dasselbe Verfahren wurde im Vorjahr angewendet: Auch der damalige Jahresüberschuss von 101.617,47 Euro wurde vollständig auf die Kapitalkonten gebucht.
Die Kapitalstruktur einer KG unterscheidet sich damit deutlich von einer klassischen GmbH.
Besonders auffällig ist der auf der Aktivseite ausgewiesene nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil der Kommanditisten.
Dieser beträgt zum Jahresende 778.062,03 Euro.
Im Vorjahr waren es 751.633,37 Euro.
Hinzu kommen unverändert 900.000 Euro nicht eingeforderte ausstehende Einlagen der Kommanditisten.
Dieser Betrag entspricht auch dem Haftkapital, mit dem Oberngrub I in der Struktur der Windpark Oberngrub Infrastruktur oHG geführt wird. Öffentlich zugängliche Unterlagen nennen dort für Oberngrub I ein Haftkapital von 900.000 Euro.
Die Darstellung dieser Kapitalpositionen darf allerdings nicht einfach mit einer bilanziellen Situation bei einer GmbH gleichgesetzt werden.
Insbesondere bedeutet ein Eigenkapital von null Euro nicht automatisch eine insolvenzrechtliche Überschuldung.
Auch der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil ist keine Feststellung darüber, ob die Gesellschaft zahlungsunfähig ist.
Dafür wären wesentlich umfassendere Informationen erforderlich.
Verbindlichkeiten steigen um 19 Prozent
Auch auf der Passivseite zeigt die Entwicklung nach oben.
Die Verbindlichkeiten erhöhten sich von 83.916,66 Euro auf 99.871,64 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 15.955 Euro beziehungsweise 19 Prozent.
Mit Abstand größter Posten sind die Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen.
Sie erhöhten sich von 79.745,82 Euro auf 93.026,76 Euro.
Das ist ein Anstieg um rund 13.281 Euro oder 16,7 Prozent.
Daneben bestehen sonstige Verbindlichkeiten von 6.624,88 Euro sowie 220 Euro Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.
Die sonstigen Verbindlichkeiten stiegen damit von 4.170,84 Euro um rund 59 Prozent.
Der absolute Betrag bleibt allerdings vergleichsweise klein.
Wichtig ist die Laufzeitstruktur.
Nach den Angaben im Anhang haben sämtliche Verbindlichkeiten eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.
Langfristige Verbindlichkeiten mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren bestehen nicht.
Damit gibt es keine in der Bilanz ausgewiesene langfristige Bankfinanzierung mehr, wie sie für jüngere Windparks häufig typisch ist.
Bei einem seit vielen Jahren bestehenden Projekt und weitgehend abgeschriebenen technischen Anlagen wäre das grundsätzlich plausibel. Der Abschluss selbst enthält jedoch keine detaillierte Historie der ursprünglichen Finanzierung.
Rückstellungen nahezu unverändert
Die sonstigen Rückstellungen erhöhten sich nur leicht.
Sie lagen Ende 2025 bei 98.120 Euro, nach 96.860 Euro im Vorjahr.
Der Unterschied beträgt lediglich 1.260 Euro beziehungsweise rund 1,3 Prozent.
Wofür diese Rückstellungen konkret vorgesehen sind, wird im veröffentlichten Anhang nicht näher erläutert.
Deshalb wäre es nicht seriös, bestimmte Kosten wie Rückbau, Wartung oder Reparaturen ohne weitere Angaben dahinter zu vermuten.
Bilanzsumme steigt trotz schwächerem Geschäft
Interessant ist auch die Entwicklung der Bilanzsumme.
Sie erhöhte sich von 180.776,66 Euro auf 197.991,64 Euro.
Das entspricht einem Plus von rund 17.215 Euro oder 9,5 Prozent.
Auf den ersten Blick könnte eine steigende Bilanzsumme positiv wirken.
Doch sie darf nicht mit einer besseren Ertragslage verwechselt werden.
Das Gegenteil ist hier der Fall.
Die Bilanzsumme wächst vor allem parallel zu höheren Forderungen und höheren Verbindlichkeiten, während der Jahresgewinn um fast drei Viertel zurückgeht.
Gerade deshalb zeigt der Abschluss, warum reine Bilanzsummenvergleiche wenig über den tatsächlichen Geschäftserfolg aussagen.
Besonders die Forderungen verdienen Aufmerksamkeit
Der vielleicht auffälligste Punkt neben dem Gewinneinbruch ist die starke Zunahme der Forderungen gegenüber Gesellschaftern.
Innerhalb eines Jahres steigt diese Position von knapp 14.000 Euro auf mehr als 66.000 Euro.
Damit haben sich die Forderungen fast verfünffacht.
Für eine wirtschaftliche Beurteilung wäre deshalb interessant zu wissen, wodurch sie entstanden sind.
Handelt es sich beispielsweise um Verrechnungskonten, Ausschüttungen, konzerninterne Zahlungsströme oder andere Ansprüche?
Der Abschluss beantwortet diese Frage nicht.
Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, ob eine Verrechnung mit den gleichzeitig vorhandenen Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen rechtlich möglich wäre.
Rein analytisch fällt aber auf, dass die Gesellschaft Ende 2025 einerseits Forderungen gegenüber Gesellschaftern von 66.046 Euro besitzt und andererseits Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen von 93.027 Euro aufweist.
Das zeigt, wie stark die Bilanz inzwischen durch konzern- beziehungsweise gesellschafterbezogene Positionen geprägt ist.
Gewinn von mehr als 100.000 auf nur noch 26.000 Euro
Der zentrale Punkt bleibt dennoch die Gewinnentwicklung.
2024 verdiente Oberngrub I noch 101.617,47 Euro.
2025 sind es nur noch 26.428,66 Euro.
Damit verschwinden innerhalb eines Jahres mehr als 75.000 Euro Gewinn.
Der Umsatzrückgang um rund 27.500 Euro erklärt davon einen Teil.
Noch stärker wiegt jedoch der Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen um mehr als 51.000 Euro.
Bemerkenswert ist, dass die Zinskosten sogar gesunken sind.
Das bedeutet: Die Verschlechterung stammt nach den veröffentlichten Zahlen nicht aus einer zunehmenden Zinsbelastung.
Vielmehr liegt der entscheidende Belastungsfaktor eindeutig im operativen Bereich der sonstigen Aufwendungen und der geringeren Umsatzerlöse.
Welche konkreten Kosten dafür verantwortlich waren, bleibt allerdings offen.
Genau dort liegt die wichtigste Informationslücke dieses Abschlusses.
Noch schwarze Zahlen – aber deutlich weniger Spielraum
Oberngrub I schreibt weiterhin Gewinn.
Das ist angesichts des bilanziell vollständig abgeschriebenen Anlagenbestands durchaus bemerkenswert.
Doch die Reserven sind erheblich kleiner geworden.
2024 blieben von 239.452 Euro Umsatz noch mehr als 101.000 Euro Jahresüberschuss.
2025 werden aus knapp 212.000 Euro Umsatz nur noch gut 26.000 Euro Gewinn.
Sollten die Umsätze weiter zurückgehen und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen auf dem aktuellen Niveau bleiben, könnte der verbliebene Jahresüberschuss schnell weiter zusammenschmelzen.
Umgekehrt könnte eine Normalisierung der Kosten das Ergebnis ebenso schnell wieder verbessern.
Genau deshalb wird der Jahresabschluss 2026 besonders interessant.
Teil einer älteren Windparkstruktur
Oberngrub I gehört zur größeren Oberngrub-Struktur.
Die Gesellschaft ist eine der fünf Gesellschaften, die auch bei der Windpark Oberngrub Infrastruktur oHG auftauchen. Öffentlich zugängliche Registerdaten führen Oberngrub I bereits seit 2005.
Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Oberngrub Komplementar I ApS mit Sitz im dänischen Østbirk.
Ihr gezeichnetes Kapital beträgt 126.000 dänische Kronen.
Geschäftsführer ist Carsten Lind Pedersen.
Eigene Arbeitnehmer beschäftigt die Windpark Oberngrub I ApS & Co. KG nicht. Im Geschäftsjahr 2025 lag die durchschnittliche Mitarbeiterzahl wie schon zuvor bei null.
Der Jahresabschluss wurde am 10. August 2026 festgestellt beziehungsweise gebilligt.
Ein-Euro-Anlagen verdienen noch Geld – doch 2025 wird deutlich schwieriger
Unterm Strich erzählt der Jahresabschluss eine bemerkenswerte Geschichte.
Die technischen Anlagen stehen nur noch mit einem Euro in der Bilanz.
Trotzdem erwirtschaftet die Gesellschaft weiterhin knapp 212.000 Euro Umsatz und mehr als 26.000 Euro Gewinn.
Doch gegenüber 2024 hat sich die Lage deutlich verschlechtert.
Der Umsatz fällt um 11,5 Prozent.
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen steigen um 42 Prozent.
Der Gewinn bricht um 74 Prozent ein.
Die Verbindlichkeiten wachsen um 19 Prozent.
Und die Forderungen gegenüber Gesellschaftern steigen sogar um rund 373 Prozent.
Damit ist Oberngrub I zwar weiterhin profitabel, aber das Geschäftsjahr 2025 zeigt deutlich weniger finanziellen Spielraum als noch ein Jahr zuvor.
Die entscheidende Frage für 2026 lautet deshalb nicht, ob die Anlagen bilanziell nur noch einen Euro wert sind.