Das Smartphone klingelt, Nachrichten treffen im Minutentakt ein und die nächste Serie wartet bereits auf dem Fernseher. Doch an diesem Sonntag gibt es einen guten Anlass, die digitale Welt für eine Weile auszuschalten: Heute, am 6. September 2026, ist Lies-ein-Buch-Tag.
Der international vor allem als „Read a Book Day“ bekannte Aktionstag wird jedes Jahr am 6. September begangen. Die Idee dahinter könnte kaum einfacher sein: Ein Buch in die Hand nehmen, ein paar Seiten lesen und sich bewusst Zeit dafür nehmen.
Dabei gibt es selbstverständlich keine Vorgaben. Niemand muss heute einen 800-Seiten-Roman bewältigen. Ein Krimi auf dem Sofa zählt ebenso wie eine Biografie im Garten, ein Sachbuch im Zug oder eine Gute-Nacht-Geschichte für die Kinder. Selbst zehn oder zwanzig Seiten können ausreichen, um den Aktionstag zu begehen.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen einen erheblichen Teil ihres Tages vor Bildschirmen verbringen, wirkt die Aufforderung beinahe altmodisch: einfach hinsetzen und lesen. Keine Push-Nachrichten, keine kurzen Videos, kein endloses Scrollen – stattdessen eine Geschichte, bei der die Bilder erst im eigenen Kopf entstehen.
Und genau darin liegt für viele der besondere Reiz eines Buches. Während Filme bereits zeigen, wie Figuren und Orte aussehen, überlassen Bücher vieles der Fantasie. Jeder Leser erschafft sich gewissermaßen seine eigene Version einer Geschichte.
Der Lies-ein-Buch-Tag muss allerdings kein stiller Aktionstag für Einzelgänger sein. Eltern und Großeltern können Kindern vorlesen, Freunde können sich gegenseitig ihre Lieblingsbücher empfehlen oder Familien gemeinsam in die Bibliothek gehen. Vielleicht bietet sich der Sonntag auch dazu an, einmal wieder vor dem heimischen Bücherregal zu stehen und nachzusehen, welche längst vergessenen Schätze dort noch warten.
Mancher dürfte dabei auf Bücher stoßen, die irgendwann gekauft wurden und seitdem ungelesen im Regal stehen. „Das lese ich irgendwann“ – heute wäre dieses Irgendwann.
Auch für Buchhandlungen und Bibliotheken ist ein solcher Aktionstag eine Erinnerung daran, welche Bedeutung das geschriebene Wort trotz Streamingdiensten, sozialen Netzwerken und Smartphones weiterhin besitzt. Geschichten werden heute zwar auf unzähligen Wegen erzählt, doch das klassische Buch hat seinen Platz keineswegs verloren.
Dabei muss es nicht einmal Papier sein. Auch ein E-Book gehört selbstverständlich zum Lesen dazu. Und wer selbst nicht lesen kann oder möchte, kann zu einem Hörbuch greifen oder sich etwas vorlesen lassen. Entscheidend ist weniger das Medium als die Beschäftigung mit Geschichten und Texten.
Besonders für Kinder kann Vorlesen zudem zu einem kleinen gemeinsamen Erlebnis werden. Eine spannende Geschichte, unterschiedliche Stimmen für die Figuren und vielleicht noch die Frage, wie es wohl auf der nächsten Seite weitergeht – dafür braucht es weder Bildschirm noch aufwendige Technik.
Und möglicherweise bleibt es nach dem 6. September nicht bei diesem einen Buch. Wer heute nach längerer Pause wieder mit dem Lesen beginnt, entdeckt vielleicht eine alte Gewohnheit neu. Aus zehn Seiten können zwanzig werden, aus einem Kapitel plötzlich drei – und aus „nur noch fünf Minuten“ schnell eine Stunde.
Vielleicht ist genau das die schönste Seite dieses Aktionstages: Es braucht keine große Vorbereitung, keine Eintrittskarte und keinen besonderen Veranstaltungsort. Ein Buch und ein wenig Zeit reichen vollkommen aus.
Wer also noch nach einer Beschäftigung für diesen Sonntag sucht, könnte heute einmal bewusst auf den Bildschirm verzichten, den Lieblingsplatz aufsuchen und ein Buch aufschlagen.
Und wer beim Lesen plötzlich merkt, dass es draußen dunkel geworden ist, hat den Lies-ein-Buch-Tag vermutlich genau so verbracht, wie er gedacht ist.