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Unsichtbare Gefahr am Spülbecken: Warum der Küchenschwamm zur Keimschleuder werden kann

Hans (CC0), Pixabay

Er liegt neben der Spüle, wird mehrmals täglich benutzt und kommt mit Tellern, Arbeitsflächen, Töpfen und Lebensmittelresten in Berührung: der Küchenschwamm. Was im Haushalt als unverzichtbarer Helfer für Sauberkeit gilt, kann bei falscher Verwendung jedoch selbst zum Hygieneproblem werden.

Vor allem feucht gelagerte Schwämme bieten Mikroorganismen günstige Bedingungen. Wärme, Feuchtigkeit und Lebensmittelreste können dafür sorgen, dass sich Bakterien stark vermehren. Umweltmediziner Hans-Peter Hutter warnt in diesem Zusammenhang vor Milliarden von Keimen, die sich in einem Schwamm ansiedeln können.

Darunter können sich auch Bakterien wie E. coli oder Salmonellen befinden.

Feuchtigkeit schafft ideale Bedingungen

Das eigentliche Problem beginnt häufig nach dem Abwasch. Der Schwamm wird ausgespült und anschließend noch nass am Spülbecken abgelegt.

Damit entsteht ein günstiges Umfeld für Mikroorganismen.

Ein Schwamm verfügt über zahlreiche Poren und Hohlräume. Dort bleiben Feuchtigkeit und kleinste organische Rückstände zurück. Gleichzeitig gelangt bei jedem Reinigungsvorgang neues Material hinein.

Wird der Schwamm anschließend nicht vollständig trocken, können sich Mikroorganismen weiter vermehren.

Das macht den Küchenhelfer aus hygienischer Sicht besonders problematisch: Er wird ständig mit neuen Oberflächen in Kontakt gebracht und kann dadurch Keime innerhalb der Küche verteilen.

Vom Spülbecken auf die Arbeitsplatte

Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Bakterien sich im Schwamm befinden, sondern wohin sie anschließend gelangen.

Wird mit demselben Schwamm zunächst eine verschmutzte Stelle am Spülbecken und anschließend die Küchenarbeitsplatte gereinigt, können Mikroorganismen übertragen werden.

Besonders ungünstig ist das dort, wo anschließend Lebensmittel verarbeitet werden.

Das Risiko steigt, wenn Schwämme mit Resten von rohem Fleisch, Geflügel, Fisch oder Eiern in Kontakt kommen. In solchen Bereichen ist besondere Hygiene erforderlich.

Ein vermeintlicher Reinigungsvorgang kann andernfalls das Gegenteil bewirken: Statt Keime zu entfernen, werden sie möglicherweise auf weitere Flächen verteilt.

Ein Schwamm für alles ist keine gute Idee

Aus hygienischer Sicht empfiehlt sich deshalb eine klare Trennung verschiedener Reinigungsbereiche.

Ein Tuch oder Schwamm, mit dem stark verschmutzte Bereiche gereinigt wurden, sollte nicht anschließend für Oberflächen verwendet werden, auf denen Lebensmittel zubereitet werden.

Auch Spüle, Fußboden und Arbeitsplatte sollten möglichst nicht mit demselben Reinigungstuch behandelt werden.

Eine solche Trennung klingt zunächst umständlich, lässt sich im Alltag aber relativ einfach umsetzen – beispielsweise durch unterschiedliche Tücher für unterschiedliche Einsatzbereiche.

Mindestens einmal pro Woche austauschen

Besonders wichtig ist der regelmäßige Wechsel.

Nach der genannten Empfehlung sollten Küchenschwämme mindestens einmal pro Woche ausgetauscht werden. Bei intensiver Nutzung oder auffälligem Geruch kann ein früherer Wechsel sinnvoll sein.

Denn ein unangenehmer Geruch ist ein deutliches Signal dafür, dass der Schwamm hygienisch problematisch geworden sein kann.

Verbraucher sollten deshalb nicht darauf warten, bis ein Schwamm sichtbar verschmutzt oder vollständig abgenutzt ist. Ein Schwamm kann äußerlich noch vergleichsweise sauber aussehen und trotzdem mikrobiell stark belastet sein.

Nach jeder Verwendung möglichst gut trocknen lassen

Auch der Umgang zwischen zwei Anwendungen spielt eine Rolle.

Ein benutzter Schwamm sollte gründlich ausgespült und anschließend so gelagert werden, dass er möglichst schnell trocknen kann. Ihn zusammengequetscht und tropfnass im Spülbecken liegen zu lassen, schafft dagegen genau die Bedingungen, unter denen sich Keime besonders wohlfühlen.

Ähnliches gilt für Reinigungstücher.

Waschlappenartige Tücher sollten regelmäßig gewechselt und – sofern das Material dafür geeignet ist – bei ausreichend hohen Temperaturen gewaschen werden.

Vorsicht vor vermeintlichen Haushaltstricks

Im Internet kursieren zahlreiche Methoden, mit denen alte Küchenschwämme angeblich wieder hygienisch einwandfrei werden sollen. Dazu gehören beispielsweise das Erhitzen in der Mikrowelle oder andere improvisierte Desinfektionsmethoden.

Solche Verfahren sind jedoch kein überzeugender Ersatz für einen regelmäßigen Wechsel. Zudem können ungeeignete Materialien beim Erhitzen beschädigt werden; bei falscher Anwendung können weitere Risiken entstehen.

Ein neuer Schwamm kostet vergleichsweise wenig. Aus hygienischer Sicht ist der regelmäßige Austausch deshalb meist die unkomplizierteste Lösung.

Besonders wichtig in Haushalten mit empfindlichen Personen

Noch größere Bedeutung bekommt Küchenhygiene, wenn kleine Kinder, ältere Menschen, Schwangere oder Personen mit geschwächtem Immunsystem im Haushalt leben.

Lebensmittelbedingte Infektionen können für bestimmte Personengruppen schwerwiegender verlaufen. Umso wichtiger ist es, mögliche Übertragungswege in der Küche möglichst klein zu halten.

Dazu gehört neben der richtigen Lagerung und Verarbeitung von Lebensmitteln eben auch ein Gegenstand, dem häufig kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird: das Reinigungstuch neben dem Spülbecken.

Sauber aussehen bedeutet nicht hygienisch sauber

Das grundlegende Problem des Küchenschwamms liegt in seiner Unauffälligkeit. Schimmel auf Lebensmitteln oder verdorbene Speisen werden meistens schnell erkannt und entsorgt. Bakterien im Schwamm bleiben dagegen unsichtbar.

Gerade deshalb kann eine einfache Routine helfen: regelmäßig wechseln, nach Gebrauch gut trocknen lassen und unterschiedliche Reinigungstücher für verschiedene Bereiche verwenden.

Der Küchenschwamm sollte also nicht so lange benutzt werden, bis er auseinanderfällt.

Fazit: Ausgerechnet der Putzhelfer kann Keime verteilen

Der Küchenschwamm ist ein gutes Beispiel dafür, dass sichtbare Sauberkeit und Hygiene nicht dasselbe sind. Seine feuchte, poröse Struktur kann Bakterien günstige Lebensbedingungen bieten. Kommen Lebensmittelreste hinzu, kann sich die Keimbelastung weiter erhöhen.

Besonders problematisch wird es, wenn ein belasteter Schwamm anschließend auf verschiedenen Oberflächen eingesetzt wird. Dann kann aus dem Reinigungshelfer ein Verteiler von Mikroorganismen werden.

Die Konsequenz ist denkbar einfach: Küchenschwämme mindestens wöchentlich austauschen und zwischen den Anwendungen möglichst vollständig trocknen lassen.

Ein kleiner Handgriff, der wenig kostet – und verhindert, dass ausgerechnet das Werkzeug, das die Küche sauber halten soll, selbst zum Hygieneproblem wird.

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