Die Thor-Gruppe aus Thüringen ist in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und hat Insolvenz angemeldet. Rund 800 Beschäftigte sind betroffen. Das Unternehmen will die Krise jedoch nicht durch eine Stilllegung, sondern über eine Sanierung in Eigenverwaltung bewältigen. Der laufende Geschäftsbetrieb soll nach bisherigen Angaben uneingeschränkt fortgesetzt werden.
Die Insolvenz betrifft mehrere Standorte des Haus- und Gebäudetechnikers in Thüringen. Genannt werden Erfurt, Heiligenstadt, Menteroda und Leinefelde-Worbis. Insgesamt verfügt die Unternehmensgruppe laut aktuellen Berichten über fünf Standorte.
Für Kunden und Geschäftspartner ist zunächst entscheidend: Laufende Aufträge sollen nicht eingestellt werden. Auch bereits geplante Montageeinsätze sollen nach Angaben des Unternehmens wie vorgesehen stattfinden.
Thor setzt auf Sanierung in Eigenverwaltung
Die Geschäftsführung verfolgt eine Sanierung in Eigenverwaltung. Bei einem solchen Verfahren bleibt die Unternehmensleitung grundsätzlich im Amt und versucht, den Betrieb unter insolvenzrechtlicher Aufsicht neu aufzustellen.
Die Botschaft des Unternehmens fällt entsprechend deutlich aus: „Wir schließen nicht“, wird die Situation in der regionalen Berichterstattung zusammengefasst. Ziel der Sanierung sei es, Arbeitsplätze langfristig zu erhalten.
Für die rund 800 Mitarbeiter bedeutet der Insolvenzantrag daher nicht automatisch den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Nach Angaben des MDR sind die Löhne zunächst über das Insolvenzgeld abgesichert. Wie viele Arbeitsplätze langfristig erhalten werden können, dürfte allerdings wesentlich vom Verlauf der Sanierung abhängen.
Hohe Zinsen, Spritkosten und verzögerte Bauprojekte belasten Thor
Als Ursachen für die wirtschaftliche Schieflage nennt die Geschäftsführung mehrere Faktoren. Dazu zählen insbesondere gestiegene Kraftstoffkosten und hohe Zinsen.
Für ein Unternehmen mit zahlreichen Montage- und Außeneinsätzen können höhere Kraftstoffpreise unmittelbar auf die Kostenstruktur durchschlagen. Gleichzeitig verteuern hohe Finanzierungskosten Investitionen und die Finanzierung des laufenden Geschäfts.
Hinzu kommen nach aktuellen Angaben Verzögerungen bei Bau- und Modernisierungsprojekten. Gerade für Unternehmen der Haus- und Gebäudetechnik kann dies problematisch werden: Verschieben Auftraggeber Projekte, können geplante Umsätze später eintreffen, während Personal-, Fahrzeug- und andere laufende Kosten weiter anfallen.
Künftig stärkere Konzentration auf bestimmte Geschäftsbereiche
Das Insolvenzverfahren soll offenbar auch dazu genutzt werden, die Unternehmensgruppe strategisch neu auszurichten. Nach Informationen des MDR möchte Thor künftig einen stärkeren Schwerpunkt auf Arbeitnehmerüberlassungen im Baugewerbe sowie Aus- und Weiterbildung legen.
Eine besondere Rolle soll dabei der Standort Menteroda im Unstrut-Hainich-Kreis spielen. Dort soll die Qualifizierung von Quereinsteigern für Industrieunternehmen ein Kerngeschäft bleiben.
Damit zeichnet sich ab, dass die Sanierung über eine reine finanzielle Restrukturierung hinausgehen könnte. Auch das Geschäftsmodell und die Gewichtung einzelner Tätigkeitsfelder stehen offenbar auf dem Prüfstand.
Zukunft einzelner Geschäftsbereiche noch offen
Noch ist allerdings nicht entschieden, ob sämtliche bisherigen Geschäftsbereiche fortgeführt werden. Nach dem aktuellen Informationsstand ist offen, ob sich Thor im Zuge der Sanierung von einzelnen Bereichen trennt.
Genau darin dürfte eine der entscheidenden Fragen der kommenden Wochen liegen. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung verschafft einem Unternehmen die Möglichkeit zur Restrukturierung, garantiert aber nicht, dass Standorte, Geschäftsbereiche und Beschäftigtenzahl unverändert bleiben.
Für die Mitarbeiter ist deshalb zunächst positiv, dass der operative Betrieb weitergeführt wird und die Löhne vorerst abgesichert sind. Ob die Sanierung tatsächlich alle rund 800 Arbeitsplätze dauerhaft sichern kann, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen.
Thor-Insolvenz trifft einen großen Arbeitgeber in Thüringen
Mit rund 800 Beschäftigten hat die Insolvenz eine erhebliche regionale Dimension. Besonders in Nord- und Mittelthüringen ist die Unternehmensgruppe an mehreren Standorten präsent.
Der Insolvenzantrag bedeutet damit zunächst einen tiefen Einschnitt – aber noch nicht das Ende der Thor-Gruppe. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Kosten und Finanzierung zu stabilisieren, rentable Geschäftsbereiche zu stärken und gleichzeitig genügend Aufträge zu sichern.
Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt nun mit der Sanierung: Erst deren Verlauf wird zeigen, wie die Thor-Gruppe künftig aufgestellt sein wird und wie viele der rund 800 Arbeitsplätze langfristig erhalten werden können.