Die anhaltende Hitze sorgt für einen kräftigen Anstieg beim Verkauf von Mineralwasser und anderen alkoholfreien Getränken. Doch ausgerechnet Flaschen und Getränkekästen bremsen derzeit den Warenkreislauf. Die Mineralwasserbranche spricht von einem seit Wochen bestehenden „Logistik-Engpass“. Von einem tatsächlichen Versorgungsproblem könne allerdings keine Rede sein.
Hohe Temperaturen bedeuten Hochbetrieb für Getränkehersteller und -händler. Verbraucher trinken mehr, entsprechend schneller verschwinden Mineralwasserflaschen und Getränkekästen aus den Lagern und Verkaufsstellen. Seit etwa Ende Juni macht sich diese Entwicklung nach Angaben des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM) besonders bemerkbar.
Das eigentliche Problem liegt dabei nicht beim verfügbaren Mineralwasser. Vielmehr kehren Mehrwegflaschen und Kästen offenbar nicht genauso schnell zu Händlern und Abfüllbetrieben zurück, wie sie derzeit verkauft werden.
Viele kaufen mehr – bringen das Leergut aber nicht schneller zurück
Der Mechanismus dahinter ist vergleichsweise einfach: Bei hohen Temperaturen kaufen Haushalte größere Getränkemengen und lagern diese teilweise zu Hause. Die leeren beziehungsweise nicht mehr benötigten Pfandflaschen und Kästen werden jedoch nicht entsprechend häufiger zurückgebracht.
Dadurch fehlen Teile des Leerguts vorübergehend dort, wo sie für die nächste Abfüllung benötigt werden. Der Mineralbrunnen-Verband beschreibt die Situation als einen „kleinen Stau“ im Kreislauf.
Verbraucher können nach Darstellung der Branche selbst dazu beitragen, die Lage zu entspannen: Leere Mehrwegflaschen und Getränkekästen sollten möglichst zeitnah zurückgegeben werden. Damit gelangen sie schneller wieder zu den Abfüllbetrieben.
Keine Wasserknappheit – einzelne Marken könnten trotzdem fehlen
Trotz des Logistikproblems gibt die Branche Entwarnung. Ein allgemeiner Versorgungsengpass bei Mineralwasser bestehe nicht. Verbraucher müssten also nicht damit rechnen, grundsätzlich kein Mineralwasser mehr kaufen zu können.
Allerdings kann sich die angespannte Logistik durchaus im Getränkemarkt bemerkbar machen. Nach Angaben des VDM ist denkbar, dass einzelne Marken zeitweise nicht verfügbar sind.
Das wäre jedoch nicht mit einer allgemeinen Knappheit gleichzusetzen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen dem vorhandenen Getränk und den benötigten Verpackungen sowie den Transportkapazitäten.
Getränkehändler kämpfen mit erhöhtem Warenumschlag
Auch beim Getränkefachgroßhandel macht sich die außergewöhnlich hohe Nachfrage bemerkbar. Besonders alkoholfreie Getränke werden stärker nachgefragt als gewöhnlich.
Der Bundesverband des Deutschen Getränkefachgroßhandels rechnet nach den vorliegenden Angaben dennoch ebenfalls nicht mit Versorgungsengpässen. Die Unternehmen hätten sich auf die Sommersaison vorbereitet und ihre Lagerbestände bereits zuvor erhöht.
Die Herausforderung liegt vielmehr darin, die deutlich größeren Warenmengen schnell genug durch die Lieferkette zu bewegen.
Getränke müssen von den Abfüllern zu Großhändlern und Verkaufsstellen transportiert werden. Gleichzeitig müssen leere Flaschen und Kästen in die entgegengesetzte Richtung zurückgeführt, sortiert und erneut für die Abfüllung bereitgestellt werden.
Je schneller sich der Verkauf dreht, desto wichtiger wird deshalb ein funktionierender Leergutkreislauf.
Leergut wird zum entscheidenden Faktor
Gerade Mehrwegsysteme sind darauf angewiesen, dass Flaschen und Kästen regelmäßig zurückkehren. Bleiben große Mengen über längere Zeit bei Verbrauchern stehen, können sie an anderer Stelle fehlen – obwohl grundsätzlich ausreichend Getränke produziert werden könnten.
Deshalb richtet sich der Appell der Branche vor allem an Haushalte, die derzeit größere Leergutbestände angesammelt haben.
Eine schnelle Rückgabe kann dazu beitragen, dass Flaschen wieder gereinigt, befüllt und in den Handel gebracht werden können.
Brauereien sehen bislang keine Engpässe
Auch der Deutsche Brauer-Bund sieht nach den vorliegenden Angaben derzeit keinen Grund zur Sorge. Der Nachschub mit Leergut sei gesichert, Engpässe seien dem Verband nicht bekannt.
Damit ergibt sich für Verbraucher zunächst ein beruhigendes Bild: Die Hitze bringt die Getränkelogistik zwar unter erhöhten Druck, eine flächendeckende Versorgungskrise zeichnet sich nach Angaben der Branchenverbände jedoch nicht ab.
Wer dennoch vor einem zeitweise leeren Regal seiner bevorzugten Mineralwassermarke steht, muss deshalb nicht automatisch von einer Wasserknappheit ausgehen. Wahrscheinlicher ist derzeit, dass außergewöhnlich hohe Nachfrage, Transportaufwand und fehlendes Leergut den Nachschub einzelner Produkte verzögern.