Der Jahresbericht des Bethmann Rentenfonds für den Berichtszeitraum vom 1. April 2025 bis 31. März 2026 zeigt einen grundsätzlich stabilen Rentenfonds, dessen Portfolio sehr konsequent auf Unternehmensanleihen ausgerichtet wurde. Ziel des Fonds ist es, neben marktgerechten Erträgen langfristig Kapitalwachstum zu erzielen. Mindestens 51 % des Vermögens werden in verzinsliche Wertpapiere investiert, wobei Anlagen hoher Bonität im Euroraum einen Schwerpunkt bilden. Zudem wird der Fonds gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung geführt und bewirbt damit ökologische beziehungsweise soziale Merkmale.
Portfolioentwicklung und Anlagestrategie
Zum 31. März 2026 belief sich das Fondsvermögen auf rund 188,4 Mio. Euro, gegenüber 193,6 Mio. Euro im Vorjahr. Damit ist das Gesamtvermögen um etwa 2,7 % zurückgegangen. Ursache hierfür war nicht primär die Anlageperformance, sondern insbesondere ein Netto-Mittelabfluss von rund 6,65 Mio. Euro. Dem Fonds flossen zwar rund 81,1 Mio. Euro aus Anteilsverkäufen zu, gleichzeitig wurden jedoch Anteile im Umfang von rund 87,7 Mio. Euro zurückgegeben. Das Geschäftsjahresergebnis selbst war mit rund 4,47 Mio. Euro positiv.
Die Investitionsquote ist ausgesprochen hoch: 98,41 % des Fondsvermögens waren zum Stichtag in Anleihen investiert. Das Bankguthaben wurde von 1,45 % im Vorjahr auf lediglich 0,09 % reduziert. Gleichzeitig erhöhte das Management den Anteil der Industrieanleihen von 45,10 % auf 51,38 %, während Finanzanleihen auf 48,62 % zurückgeführt wurden. Staatsanleihen wurden vollständig verkauft. Das durchschnittliche Rating blieb bei BBB+, während die Duration von 5,61 auf 5,13 Jahre reduziert wurde.
Aus Anlegersicht ist diese Entwicklung zweischneidig. Die hohe Investitionsquote ermöglicht eine weitgehende Teilnahme an den laufenden Anleiheerträgen und vermeidet größere unverzinste Liquiditätsbestände. Gleichzeitig steigt jedoch die Abhängigkeit von der Bonitäts- und Kursentwicklung der Unternehmensanleihen. Die vollständige Aufgabe von Staatsanleihen reduziert zudem deren potenziell stabilisierende Wirkung im Portfolio.
Rendite: Positiv, aber moderat
Die drei Anteilklassen erzielten im Berichtszeitraum folgende Wertentwicklungen:
Anteilklasse A: 2,14 %
Anteilklasse B: 2,91 %
Anteilklasse C: 2,66 %
Damit erwirtschafteten alle Anteilklassen eine positive Rendite. Auffällig ist die bessere Entwicklung der Anteilklasse B. Ein wichtiger Grund liegt in der unterschiedlichen Kostenstruktur: Während für Klasse A eine Verwaltungsvergütung von 0,800 % p. a. vorgesehen ist, beträgt sie bei Klasse B lediglich 0,050 % und bei Klasse C 0,300 %. Für Klasse A fällt darüber hinaus derzeit ein Ausgabeaufschlag von 3 % an, während B und C keinen Ausgabeaufschlag aufweisen.
Für Anleger ist diese Kostenstruktur besonders relevant: Bei einem Rentenfonds mit vergleichsweise moderaten Renditeerwartungen wirken sich Gebühren über längere Anlagezeiträume erheblich auf das Anlageergebnis aus. Die Anteilklasse B erscheint unter diesem Gesichtspunkt besonders attraktiv, sofern sie für den jeweiligen Anleger tatsächlich zugänglich ist.
Ertragsqualität
Positiv fällt der hohe laufende Zinsertrag auf. Der Fonds erzielte insgesamt rund 5,37 Mio. Euro Erträge, denen Aufwendungen von lediglich rund 293.000 Euro gegenüberstanden. Daraus entstand ein ordentlicher Nettoertrag von rund 5,08 Mio. Euro. Gleichzeitig wurden jedoch bei Veräußerungsgeschäften realisierte Verluste von rund 4,02 Mio. Euro und Gewinne von lediglich 1,21 Mio. Euro verbucht. Das Ergebnis der Veräußerungsgeschäfte lag damit bei –2,80 Mio. Euro. Nach Berücksichtigung der nicht realisierten Wertveränderungen erreichte der Fonds dennoch ein positives Geschäftsjahresergebnis von rund 4,47 Mio. Euro.
Der Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass die wesentlichen Quellen des negativen Veräußerungsergebnisses realisierte Verluste aus ausländischen Renten waren.
Für Anleger bedeutet dies: Der Fonds erwirtschaftet einen soliden laufenden Zinsertrag, musste bei Umschichtungen allerdings erhebliche Kursverluste realisieren. Die positive Gesamtentwicklung beruht daher nicht ausschließlich auf realisierten Erträgen, sondern teilweise auch auf einer Verbesserung bislang nicht realisierter Positionen.
Zins- und Bonitätsrisiko
Ein wesentlicher Risikofaktor bleibt die Laufzeitenstruktur. Rund 55,42 % des Fondsvermögens entfallen auf Anleihen mit Restlaufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren. Weitere 6,97 % liegen bei zehn Jahren oder länger. Lediglich ein vergleichsweise kleiner Teil befindet sich im kurzfristigen Bereich.
Damit bleibt der Fonds trotz der reduzierten Duration empfindlich gegenüber Veränderungen des allgemeinen Zinsniveaus. Steigende Marktzinsen können insbesondere bei länger laufenden Anleihen Kursverluste verursachen. Umgekehrt würde ein sinkendes Zinsniveau grundsätzlich Kurschancen für bestehende Anleihen eröffnen.
Hinzu kommt das Kreditrisiko. Mit einem durchschnittlichen Rating von BBB+ bewegt sich das Portfolio zwar noch im Investment-Grade-Bereich, befindet sich aber nicht im Spitzensegment der Bonität. Verschlechterungen der Kreditqualität einzelner Unternehmen oder Ratingherabstufungen könnten deshalb die Kurse belasten.
Risikomanagement und Derivate
Der Fonds nutzt Derivate unter anderem zur Steuerung des Zinsrisikos. Zum Berichtsstichtag betrug der Derivateanteil lediglich 0,11 % des Fondsvermögens. Die durchschnittliche Hebelwirkung aus Derivategeschäften lag bei 1,03, sodass keine auffällig hohe Hebelung des Portfolios erkennbar ist. Der durchschnittliche potenzielle Risikobetrag für das Marktrisiko wurde mit 0,52 % angegeben.
Aus Anlegersicht spricht dies für einen vergleichsweise kontrollierten Derivateeinsatz und nicht für eine aggressive spekulative Strategie.
Fazit aus Anlegersicht
Der Bethmann Rentenfonds präsentiert sich im Geschäftsjahr 2025/2026 als solider, stark auf Unternehmensanleihen fokussierter Rentenfonds mit positiver, aber überschaubarer Wertentwicklung. Positiv hervorzuheben sind der hohe laufende Zinsertrag, die weiterhin positive Performance aller Anteilklassen, die leichte Reduzierung der Duration sowie der zurückhaltende Einsatz von Derivaten.
Kritischer zu bewerten sind die erheblichen realisierten Verluste aus Anleiheverkäufen, die Netto-Mittelabflüsse sowie die sehr hohe Konzentration auf Unternehmensanleihen. Durch den vollständigen Verkauf der Staatsanleihen hängt die Entwicklung stärker von der Bonität der Unternehmen und der Entwicklung der Kreditrisikoprämien ab. Gleichzeitig sorgt der hohe Anteil mittel- bis langfristiger Anleihen weiterhin für eine spürbare Zinssensitivität.
Insgesamt erscheint der Fonds vor allem für Anleger interessant, die regelmäßige Anleiheerträge und ein Investment-Grade-orientiertes Unternehmensanleiheportfolio suchen und bereit sind, moderate Zins- und Bonitätsrisiken zu tragen. Für besonders sicherheitsorientierte Anleger ist zu berücksichtigen, dass der Fonds trotz seiner Ausrichtung als Rentenfonds keine reine defensive Staatsanleihenstrategie verfolgt. Bei der Auswahl der Anteilklasse sollten Anleger außerdem genau auf die Gebühren achten, da die deutlichen Kostenunterschiede langfristig einen erheblichen Einfluss auf die Nettorendite haben können.