Der Jahresbericht des LINVEST für das Geschäftsjahr vom 1. April 2025 bis 31. März 2026 zeichnet aus Anlegersicht ein insgesamt solides, aber differenziert zu bewertendes Bild. Der aktiv verwaltete Fonds verfolgt einen flexiblen Multi-Asset-Ansatz ohne feste Benchmark und kann neben Aktien und Anleihen auch Investmentfonds und Derivate einsetzen. Mehr als 50 % des Vermögens müssen jedoch mittelbar oder unmittelbar in Aktien investiert sein, damit der Fonds steuerlich als Aktienfonds eingestuft werden kann.
Positiv fällt zunächst die Wertentwicklung von 4,74 % im Geschäftsjahr auf. Gleichzeitig betrug die durchschnittliche Volatilität 8,16 %, sodass die Rendite mit einem durchaus relevanten, aber noch moderaten Schwankungsrisiko erzielt wurde. Der Anteilwert stieg zum 31. März 2026 auf 2.278,16 Euro. Gegenüber 1.821,67 Euro zum 31. März 2023 entspricht dies über drei Jahre einem Anstieg von rund 25 %. Das Fondsvermögen erreichte 536,45 Mio. Euro, nachdem es ein Jahr zuvor bei rund 514,68 Mio. Euro gelegen hatte.
Auffällig ist die Veränderung der Portfoliozusammensetzung. Direkte Aktienanlagen machen nur noch 20,95 %, Anleihen 24,95 % aus. Dagegen ist der Anteil der Zielfonds auf 52,22 % gestiegen, nach rund 46 % im Vorjahr. Damit erfolgt inzwischen mehr als die Hälfte der Vermögensanlage über andere Fonds. Besonders stark vertreten sind dabei Indexfonds. Für Anleger bedeutet dies einerseits eine sehr breite Diversifikation, andererseits entsteht eine zusätzliche Abhängigkeit von den Strategien, Kosten und Liquiditätsbedingungen der eingesetzten Zielfonds.
Die Aktienseite weist zudem erkennbare Schwerpunkte auf. Rund 46,5 % des Aktienbestandes entfallen auf die USA, etwa 19 % auf die Schweiz und 17 % auf Deutschland. Mit rund 30 % des Aktienbestandes stellt Technologie den größten Sektor dar, gefolgt von Industrie und Gesundheit/Pharma. Auch unter den größten Fondspositionen befinden sich mehrere Produkte auf den S&P 500 und andere große Aktienindizes. Damit profitiert LINVEST stark von steigenden internationalen und insbesondere US-amerikanischen Aktienmärkten, ist bei einer deutlichen Korrektur dieser Märkte jedoch entsprechend exponiert.
Stabilisierend wirkt der Anleihebestand von knapp einem Viertel des Fondsvermögens. Die durchschnittliche Restlaufzeit liegt bei lediglich 2,65 Jahren, wodurch die Zinssensitivität begrenzt wird. Allerdings bestehen rund 78 % des Rentenportfolios aus Unternehmensanleihen und das durchschnittliche Rating liegt lediglich bei BBB/BBB-. Hinzu kommen High-Yield- und Nachranganleihen. Anleger erhalten dadurch zwar zusätzliche Renditechancen, müssen jedoch insbesondere in konjunkturellen Schwächephasen mit höheren Kredit- und Ausfallrisiken rechnen.
Bemerkenswert ist außerdem die Zusammensetzung des Jahresergebnisses. Der Fonds realisierte Veräußerungsgewinne von 74,24 Mio. Euro gegenüber Verlusten von 14,69 Mio. Euro und erzielte damit ein positives saldiertes Veräußerungsergebnis von rund 59,55 Mio. Euro. Gleichzeitig belasteten negative Veränderungen der nicht realisierten Ergebnisse die Rechnung erheblich. Das zeigt, dass das positive Gesamtergebnis teilweise aus bereits realisierten Gewinnen stammt, während sich bei noch gehaltenen Positionen Bewertungsbelastungen aufgebaut haben.
Aus Kostensicht erscheint der Fonds vergleichsweise moderat: Die ausgewiesene Gesamtkostenquote beträgt 0,50 %, wobei Transaktionskosten und eine mögliche Performancevergütung darin nicht enthalten sind. Da mehr als die Hälfte des Fondsvermögens in Zielfonds investiert ist, sollten Anleger allerdings auch deren jeweilige Verwaltungskosten berücksichtigen.
Für die Zukunft bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Das Management will die bisherige Strategie grundsätzlich fortsetzen, weist jedoch insbesondere auf geopolitische Risiken, erhöhte Energiepreise, Inflation, mögliche Lieferkettenprobleme und volatile Kapitalmärkte hin. Neben Aktienmarkt- und Zinsrisiken sind aufgrund der internationalen Ausrichtung auch Währungsrisiken relevant.
Anlegerfazit: LINVEST präsentiert sich als breit diversifizierter und flexibel gesteuerter Fonds mit einer ordentlichen Jahresperformance von 4,74 %. Positiv sind die breite internationale Streuung, der Mix aus Aktien und Anleihen sowie die vergleichsweise moderate ausgewiesene Kostenquote. Kritischer zu betrachten sind die inzwischen sehr hohe Zielfondsquote, die deutliche Abhängigkeit von internationalen Aktienmärkten – insbesondere den USA und dem Technologiesektor – sowie die Kreditrisiken innerhalb des Anleiheportfolios. Insgesamt erscheint der Fonds vor allem für Anleger interessant, die einen breit gestreuten, aktiv gesteuerten Ansatz suchen und bereit sind, für langfristige Renditechancen mittlere Kapitalmarktschwankungen und entsprechende Aktien-, Kredit- und Währungsrisiken zu akzeptieren.