Trotz geopolitischer Spannungen, schwachen Wirtschaftswachstums und einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft präsentiert sich der Finanzplatz Liechtenstein in bemerkenswert robuster Verfassung. Nach den aktuellen Zahlen der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) konnten nahezu alle Bereiche des Finanzsektors im Jahr 2025 weiter wachsen. Banken, Vermögensverwalter, Fonds und Versicherungen verzeichneten steigende Vermögen, stabile Erträge und eine weiterhin hohe Kapitalausstattung. Die jetzt veröffentlichte Broschüre „Finanzplatz Liechtenstein 2026“ unterstreicht damit die große wirtschaftliche Bedeutung des Finanzsektors für das Fürstentum.
Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat mit ihrer aktuellen Publikation einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Finanzplatzes gegeben. Die Zahlen zeigen, dass sich Liechtenstein trotz eines schwierigen internationalen Umfelds als stabiler und wettbewerbsfähiger Finanzstandort behaupten konnte.
Banken verwalten mehr als eine halbe Billion Franken
Besonders eindrucksvoll fällt die Entwicklung im Bankensektor aus.
Die elf liechtensteinischen Banken verwalteten Ende 2025 auf konsolidierter Basis – also einschließlich ihrer ausländischen Tochtergesellschaften – Kundenvermögen von insgesamt 538 Milliarden Schweizer Franken. Das entspricht einem Zuwachs von 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Davon entfielen 239,5 Milliarden Franken beziehungsweise rund 44,5 Prozent auf die Institute mit Sitz in Liechtenstein selbst.
Nach Angaben der FMA wurde das Wachstum vor allem durch einen anhaltend hohen Zufluss neuer Kundengelder sowie die positive Entwicklung an den internationalen Kapitalmärkten getragen.
Auch die Ertragslage verbesserte sich deutlich. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit stieg um 19,4 Prozent auf 857,7 Millionen Franken.
Vermögensverwalter setzen Wachstum fort
Nicht nur die Banken entwickelten sich positiv.
Auch die liechtensteinischen Vermögensverwaltungsgesellschaften konnten ihre betreuten Kundenvermögen weiter steigern. Diese erhöhten sich im Jahr 2025 um 6,5 Prozent auf 57,7 Milliarden Franken.
Ein erheblicher Teil dieser Gelder – rund 28,2 Milliarden Franken – wurde bei Banken in Liechtenstein angelegt.
Zugleich nahm die Zahl der Kundenbeziehungen deutlich zu. Sie stieg innerhalb eines Jahres um 10,7 Prozent auf insgesamt 11.723.
Diese Entwicklung gilt als Hinweis darauf, dass der Finanzplatz weiterhin neue internationale Kunden gewinnen kann.
Fondsbranche wächst weiter
Auch der Fondsstandort Liechtenstein setzte seinen Expansionskurs fort.
Das gesamte Fondsvolumen erreichte Ende 2025 119,9 Milliarden Franken. Gleichzeitig waren 817 Fonds im Fürstentum zugelassen.
Die Fondsbranche gehört seit Jahren zu den wichtigsten Säulen des liechtensteinischen Finanzplatzes und profitiert insbesondere von der internationalen Ausrichtung sowie dem Zugang zum europäischen Binnenmarkt.
Versicherungen bleiben finanziell solide
Im Versicherungssektor beliefen sich die Prämieneinnahmen 2025 auf 4,9 Milliarden Franken.
Besonders hervor hebt die Finanzmarktaufsicht die hohe Stabilität der Branche. Die durchschnittliche Solvenzquote der Versicherungsunternehmen lag bei 189 Prozent und damit weiterhin deutlich über den regulatorischen Mindestanforderungen.
Eine hohe Solvenzquote gilt als wichtiger Indikator dafür, dass Versicherer auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihren Verpflichtungen gegenüber Kunden nachkommen können.
Finanzbranche bleibt Rückgrat der Wirtschaft
Die Bedeutung des Finanzplatzes reicht in Liechtenstein weit über Banken und Versicherungen hinaus.
Nach Angaben der FMA arbeiten rund 19 Prozent aller Beschäftigten direkt im Finanzsektor oder in finanznahen Dienstleistungen.
Noch eindrucksvoller fällt der Beitrag zu den öffentlichen Finanzen aus: Mehr als die Hälfte der Ertragssteuereinnahmen stammt aus dem Bereich der Finanzdienstleistungen.
Damit gehört der Finanzplatz zu den tragenden Säulen der liechtensteinischen Volkswirtschaft.
Zugang zum EU-Binnenmarkt bleibt entscheidender Vorteil
Ein wesentlicher Standortvorteil Liechtensteins ist seine Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).
Dadurch erhalten Banken, Versicherungen, Fondsanbieter und Vermögensverwalter Zugang zum europäischen Binnenmarkt, obwohl das Fürstentum selbst kein Mitglied der Europäischen Union ist.
Gleichzeitig profitiert der Finanzplatz von einem international anerkannten Regulierungsrahmen und einer engen Aufsicht durch die Finanzmarktaufsicht.
Diese Kombination aus politischer Stabilität, hoher Regulierung und internationaler Vernetzung gilt als einer der wichtigsten Gründe für die anhaltende Attraktivität des Standorts.
Herausforderungen bleiben bestehen
Trotz der positiven Entwicklung verweist die FMA auch auf das schwierige internationale Umfeld.
Geopolitische Konflikte, eine zunehmende wirtschaftliche Fragmentierung, anhaltende Unsicherheiten an den Finanzmärkten und ein schwaches globales Wirtschaftswachstum stellen den Finanzsektor weiterhin vor erhebliche Herausforderungen.
Bislang habe sich der Finanzplatz jedoch als widerstandsfähig erwiesen und seine Stabilität unter Beweis gestellt.
Wachstum trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Die aktuellen Zahlen zeichnen insgesamt das Bild eines Finanzplatzes, der seine internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen konnte. Nahezu alle beaufsichtigten Bereiche verzeichneten steigende Vermögenswerte, stabile Kapitalquoten und positive Geschäftsentwicklungen.
Für Liechtenstein bleibt der Finanzsektor damit nicht nur ein zentraler Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein wesentlicher Garant für Beschäftigung, Steuereinnahmen und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die nun veröffentlichten Kennzahlen zeigen, dass das kleine Fürstentum seine Position als bedeutender europäischer Finanzstandort auch in wirtschaftlich und geopolitisch schwierigen Zeiten behaupten konnte.