Dark Mode Light Mode

Chemikalienalarm bei Kinder-Klebetattoos: Test entdeckt PFAS, Schwermetalle und verbotene Stoffe

FotoRieth (CC0), Pixabay

Klebetattoos gehören für viele Kinder zu Sommerfesten, Geburtstagen oder Freizeitparks einfach dazu. Doch ein aktueller Produkttest von Greenpeace und der Arbeiterkammer Oberösterreich wirft erhebliche Fragen zur Sicherheit der beliebten Hautaufkleber auf. In 13 von 15 untersuchten Produkten wurden problematische Chemikalien gefunden – darunter PFAS, Schwermetalle und Stoffe, die in der Europäischen Union für Kosmetika oder Spielzeug teilweise bereits verboten sind. Verbraucherschützer fordern nun strengere Vorschriften und den sofortigen Rückruf belasteter Produkte.

Für die Untersuchung wurden insgesamt 15 Klebetattoos für Kinder in einem Labor auf gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe analysiert. Das Ergebnis fiel aus Sicht der beteiligten Organisationen alarmierend aus: Lediglich zwei Produkte wurden als empfehlenswert eingestuft, während die übrigen aufgrund ihrer chemischen Belastung kritisch bewertet wurden.

Bis zu zwölf Schadstoffe in einer einzigen Probe

Nach Angaben der Tester enthielten einzelne Klebetattoos bis zu zwölf verschiedene problematische Chemikalien gleichzeitig. Insgesamt wurden 31 unterschiedliche Schadstoffe nachgewiesen.

Zwar hielten viele der untersuchten Produkte die geltenden gesetzlichen Grenzwerte für einzelne Stoffe ein. Greenpeace und die Arbeiterkammer kritisieren jedoch, dass die derzeitigen Vorschriften die Wirkung mehrerer Chemikalien in Kombination – den sogenannten Cocktail-Effekt – kaum berücksichtigen. Gerade bei Produkten, die über mehrere Stunden direkt auf der Haut getragen werden, könne dies problematisch sein.

PFAS und Teflon in mehreren Produkten entdeckt

Besonders kritisch bewerten die Tester den Nachweis sogenannter PFAS, häufig auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. Diese Stoffe bauen sich in der Umwelt kaum ab und stehen teilweise im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein oder das Krebsrisiko zu erhöhen.

In vier der untersuchten Klebetattoos wurden PFAS nachgewiesen. Darüber hinaus fanden die Labore in Produkten eines Drogeriemarktes sowie einer Buchhandelskette PTFE, besser bekannt unter dem Markennamen Teflon.

PFAS stehen seit Jahren weltweit im Fokus von Umwelt- und Gesundheitsbehörden, da sie sich langfristig in Böden, Gewässern sowie im menschlichen Körper anreichern können.

Schwermetalle und verbotene Weichmacher

Neben PFAS entdeckten die Experten in nahezu allen untersuchten Produkten Blei und Nickel. Zwar lagen die gemessenen Bleikonzentrationen unter den empfohlenen Richtwerten, dennoch weisen Fachleute darauf hin, dass Blei grundsätzlich auch über die Haut aufgenommen werden kann und eine zusätzliche Belastung möglichst vermieden werden sollte.

Darüber hinaus fanden die Labore den verbotenen Weichmacher DEHP sowie weitere Chemikalien, die nach EU-Recht unter anderem wegen möglicher krebserregender oder fortpflanzungsgefährdender Eigenschaften in bestimmten Produkten nicht mehr verwendet werden dürfen.

In sechs der getesteten Klebetattoos wurden Stoffe entdeckt, die in der Europäischen Union für Kosmetika oder Spielzeug bereits verboten sind.

Fehlende Inhaltsstoffangaben sorgen für Kritik

Besonders kritisch bewerteten Greenpeace und die Arbeiterkammer die Transparenz einzelner Anbieter.

Bei drei Produkten eines internationalen Onlinehändlers fehlten laut Untersuchung die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu den Inhaltsstoffen vollständig. Dadurch könnten Verbraucher nicht nachvollziehen, welche Chemikalien mit der Haut ihrer Kinder in Berührung kommen.

Die Verbraucherschützer sehen hierin einen erheblichen Mangel beim Verbraucherschutz und fordern strengere Kontrollen des Onlinehandels.

Dermatologin fordert Vorsorgeprinzip

Auch aus medizinischer Sicht wird der Test kritisch bewertet.

Die Dermatologin Alexandra Vent betont, dass bei Produkten für Kinder nicht allein die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte entscheidend sein dürfe. Vielmehr müsse geprüft werden, ob jede einzelne chemische Substanz tatsächlich notwendig sei oder technisch vermeidbare Verunreinigungen weiter reduziert werden könnten.

Gerade weil Klebetattoos oft über mehrere Stunden auf empfindlicher Kinderhaut verbleiben, sollte nach Ansicht der Expertin konsequent das Vorsorgeprinzip gelten.

Greenpeace verlangt strengere Regeln

Greenpeace spricht angesichts der Testergebnisse von einem „systematischen Versagen bei der Produktsicherheit“. Die Umweltorganisation fordert ein umfassendes Verbot aller PFAS sowie strengere Chemikalienvorschriften, die künftig auch die kombinierte Wirkung mehrerer Schadstoffe berücksichtigen.

Zudem verlangt Greenpeace, dass belastete Klebetattoos umgehend aus dem Handel und aus Onlineshops entfernt werden. Händler und Hersteller müssten ihrer Verantwortung nachkommen und die Gesundheit von Kindern konsequent in den Mittelpunkt stellen.

Verbraucherschützer raten zu Vorsicht

Der aktuelle Test zeigt nach Ansicht der beteiligten Organisationen, dass Eltern beim Kauf von Klebetattoos genauer hinsehen sollten. Besonders bei Produkten mit unklarer Herkunft oder fehlenden Inhaltsstoffangaben sei Vorsicht geboten.

Die Untersuchung dürfte die Diskussion über strengere Chemikalienvorschriften für Kinderprodukte weiter anheizen. Verbraucherschützer sehen vor allem bei Produkten, die direkt und über längere Zeit mit der Haut in Kontakt kommen, erheblichen Handlungsbedarf, um gesundheitliche Risiken künftig besser auszuschließen.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

WI Objektgesellschaft 98 GmbH & Co. KG: Eigenantrag auf Insolvenz mangels Masse abgewiesen

Next Post

Warnungen der englischen Finanzmarktaufsicht FCA