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Wind schwächer, Bilanz stärker? Warum der Bürgerwindpark Kirchberg II trotz Gewinns nicht alle Sorgen los ist

geralt (CC0), Pixabay

Die Bürgerwindpark Hohenlohe – Kirchberg II – GmbH & Co. KG meldet für das Geschäftsjahr 2025 die Rückkehr in die Gewinnzone. Nach einem Verlust im Vorjahr steht nun wieder ein Jahresüberschuss von knapp 20.000 Euro in den Büchern. Gleichzeitig wurden die Bankschulden deutlich reduziert und die Eigenkapitalquote liegt mit rund 53 Prozent auf einem komfortablen Niveau. Für Anleger sind das zunächst erfreuliche Nachrichten. Ein genauer Blick zeigt jedoch, dass hinter den positiven Zahlen auch einige Unsicherheiten stehen.

Rückkehr in die schwarzen Zahlen

Nach einem Jahresfehlbetrag von rund 59.700 Euro im Jahr 2024 erwirtschaftete die Gesellschaft 2025 wieder einen Jahresüberschuss von knapp 20.000 Euro. Ausschlaggebend waren vor allem deutlich niedrigere betriebliche Aufwendungen sowie höhere sonstige betriebliche Erträge. Die Umsatzerlöse blieben mit 487.000 Euro nahezu auf Vorjahresniveau.

Der Lagebericht macht allerdings deutlich, dass dies keineswegs einem außergewöhnlich guten Windjahr zu verdanken war. Im Gegenteil: Das Windjahr erreichte lediglich 87 Prozent des unternehmensinternen Windindex und verlief damit unterdurchschnittlich. Dennoch lagen die Umsätze leicht über der ursprünglichen Planung.

Schuldenabbau verbessert die Bilanz

Positiv fällt die Entwicklung der Finanzierung auf.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten gingen innerhalb eines Jahres von rund 2,03 Millionen Euro auf 1,17 Millionen Euro zurück. Insgesamt sanken die Verbindlichkeiten sogar um fast eine Million Euro.

Für Anleger ist das ein wichtiges Signal. Der Windpark baut seine Fremdfinanzierung kontinuierlich ab und reduziert damit auch zukünftige Zinsbelastungen. Gleichzeitig konnte bereits eine Anschlussfinanzierung mit der DZ Bank bis zum Laufzeitende zu festen Konditionen vereinbart werden. Das minimiert das Zinsänderungsrisiko erheblich.

Hohe Eigenkapitalquote sorgt für Stabilität

Mit einer bilanziellen Eigenkapitalquote von rund 53 Prozent gehört die Gesellschaft zu den finanziell solider aufgestellten Bürgerwindparks.

Gerade im Bereich erneuerbarer Energien ist eine Eigenkapitalquote oberhalb von 50 Prozent keineswegs selbstverständlich. Sie bietet einen vergleichsweise komfortablen Sicherheitspuffer gegenüber möglichen Ertragsschwankungen.

Liquidität deutlich gesunken

Weniger positiv entwickelt sich dagegen die Liquidität.

Die Bankguthaben gingen innerhalb eines Jahres von rund 1,27 Millionen Euro auf 520.000 Euro zurück.

Allerdings erklärt sich dieser Rückgang größtenteils durch die hohe Darlehenstilgung. Von einer angespannten Liquiditätslage kann deshalb derzeit nicht gesprochen werden.

Rechtsstreit mit Vestas bleibt Unsicherheitsfaktor

Der größte Risikofaktor liegt weiterhin außerhalb der Bilanz.

Im Lagebericht berichtet die Gesellschaft über laufende Auseinandersetzungen mit dem Anlagenhersteller Vestas wegen Ertragseinbußen infolge langwieriger technischer Defekte in den Jahren 2023 und 2024.

Da bislang keine Einigung erzielt wurde, sollen die Ansprüche nun gerichtlich durchgesetzt werden. Damit entstehen zwangsläufig Prozess- und Kostenrisiken, deren Ausgang derzeit offen ist.

Weitere Risiken benennt die Gesellschaft selbst

Bemerkenswert offen beschreibt die Geschäftsführung weitere Belastungen:

  • steigende Betriebskosten infolge der Inflation,
  • zusätzliche Belastungen durch Änderungen im Stromsteuerrecht,
  • zunehmende regulatorische Anforderungen,
  • Fachkräftemangel im technischen und administrativen Bereich sowie
  • mögliche Mehrkosten durch neue gesetzliche Vorgaben.

Diese Risiken sind für viele Windparkgesellschaften derzeit typisch und zeigen, dass selbst wirtschaftlich stabile Projekte zunehmend unter regulatorischem Druck stehen.

Der Ausblick fällt vorsichtig aus

Interessant ist auch der Blick nach vorne.

Die Geschäftsführung berichtet bereits, dass das Jahr 2026 aufgrund eines außergewöhnlich trockenen und windarmen Frühjahrs bislang unter den Erwartungen verläuft. Trotzdem rechnet sie weiterhin mit Umsätzen zwischen 400.000 und 550.000 Euro sowie einem positiven operativen Cashflow.

Fazit aus Anlegersicht

Die Bilanz 2025 zeigt insgesamt ein solides Bild. Der Bürgerwindpark hat den Verlust des Vorjahres überwunden, seine Verschuldung deutlich reduziert und verfügt weiterhin über eine komfortable Eigenkapitalbasis. Auch die langfristig gesicherte Finanzierung spricht für finanzielle Stabilität.

Ganz ohne Risiken ist das Projekt jedoch nicht. Der Rechtsstreit mit Vestas, wetterbedingte Ertragsschwankungen sowie steigende regulatorische Anforderungen können die Ergebnisse künftig beeinflussen. Hinzu kommt, dass das laufende Geschäftsjahr nach Angaben der Geschäftsführung bislang schwächer verläuft als geplant.

Unter dem Strich präsentiert sich der Bürgerwindpark Kirchberg II als wirtschaftlich solide aufgestelltes Bestandsprojekt mit guter Bilanzqualität. Die Renditeperspektiven bleiben jedoch – wie bei nahezu allen Windparks – maßgeblich vom Windangebot, der technischen Verfügbarkeit der Anlage und den regulatorischen Rahmenbedingungen abhängig.

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