Die Berliner Neobank N26 verabschiedet sich vom kostenlosen Wertpapierhandel. Künftig werden für den Kauf und Verkauf von Aktien und ETFs in Deutschland und Österreich 0,90 Euro pro Order fällig. Damit reiht sich das Fintech preislich in die Gruppe der etablierten Neobroker ein. Für viele Anleger bleibt der Handel zwar weiterhin vergleichsweise günstig, doch die Gebührenfreiheit gehört der Vergangenheit an.
Die neue Gebührenstruktur unterscheidet künftig stärker zwischen den verschiedenen Kontomodellen. Kunden mit einem kostenlosen Standardkonto zahlen grundsätzlich für jede Order. Nutzer eines N26 Go-Kontos erhalten drei kostenlose Wertpapiertransaktionen pro Monat, Inhaber eines N26 Metal-Kontos sogar zehn. Erst danach fällt die Ordergebühr von 90 Cent je Transaktion an. ETF- und Aktiensparpläne bleiben dagegen weiterhin ohne Ausführungsgebühr möglich. Produktabhängige Kosten wie ETF-Verwaltungsgebühren können allerdings zusätzlich anfallen.
Ende eines wichtigen Wettbewerbsvorteils
Mit der Entscheidung verliert N26 einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Der kostenlose Handel war für viele Neukunden ein Argument, das Wertpapierangebot der Digitalbank auszuprobieren. Nun orientiert sich das Unternehmen an den marktüblichen Preisen. Trade Republic verlangt weiterhin einen Euro pro Order, Scalable Capital berechnet im Free-Broker-Modell 99 Cent, andere Anbieter bewegen sich in einem ähnlichen Preisbereich.
Für Anleger bedeutet die Änderung zwar keine drastische Verteuerung. Wer jedoch regelmäßig Einzelorders aufgibt, wird die Gebühren künftig spüren. Besonders bei kleineren Anlagebeträgen kann sich die Kostenbelastung auf die Rendite auswirken.
Sparpläne bleiben attraktiv
Unverändert bleibt das Sparplanangebot. Anleger können weiterhin regelmäßig in Aktien oder ETFs investieren, ohne zusätzliche Ausführungsgebühren zahlen zu müssen. Gerade für langfristig orientierte Investoren dürfte dies weiterhin die kostengünstigste Möglichkeit sein, Vermögen aufzubauen.
Das Wertpapierangebot von N26 umfasst nach Unternehmensangaben inzwischen mehr als 5.000 Aktien, ETFs und weitere Anlageprodukte. Bereits ab einem Euro können Kunden investieren. Die technische Abwicklung erfolgt über den Partner Upvest Securities.
Zusammenhang mit EU-Regulierung?
Zeitlich fällt die Gebühreneinführung mit dem endgültigen Aus für das sogenannte Payment for Order Flow (PFOF) in der Europäischen Union zusammen. Bei diesem Modell erhielten Broker Vergütungen dafür, Kundenaufträge an bestimmte Handelsplätze weiterzuleiten. Dieses Geschäftsmodell wird EU-weit abgeschafft.
N26 betont allerdings ausdrücklich, dass PFOF nie Bestandteil des eigenen Geschäftsmodells gewesen sei. Die Bank verweist stattdessen auf eine regelmäßige Überprüfung ihrer Preisstruktur.
Wirtschaftlicher Hintergrund
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Entscheidung. Erst kürzlich hatte N26 erstmals seit seiner Gründung im Jahr 2013 einen Jahresgewinn ausgewiesen. Der Konzernüberschuss belief sich für 2025 auf rund 1,6 Millionen Euro. Trotz des positiven Ergebnisses dürfte die Einführung der Ordergebühren dazu beitragen, zusätzliche Einnahmen zu generieren und das Wertpapiergeschäft langfristig profitabler zu gestalten.
Einordnung für Anleger
Die neue Gebührenstruktur ist aus Unternehmenssicht nachvollziehbar. Kostenlose Handelsangebote lassen sich dauerhaft nur schwer finanzieren, wenn regulatorische Anforderungen steigen und zusätzliche Einnahmequellen begrenzt sind. Für Anleger bedeutet die Änderung dennoch einen Einschnitt: Der Trend zum vollständig kostenlosen Aktienhandel verliert weiter an Bedeutung.
Unterm Strich bleibt N26 zwar ein vergleichsweise günstiger Anbieter. Wer jedoch häufig Einzelkäufe oder Verkäufe tätigt, sollte die Gesamtkosten künftig mit anderen Brokern vergleichen. Für langfristige Anleger, die überwiegend Sparpläne nutzen, ändert sich dagegen kaum etwas.