Steigende Rohstoffpreise machen Kupfer für Kriminelle immer attraktiver. Nach Angaben der Polizei nehmen Kupferdiebstähle in Sachsen-Anhalt spürbar zu. Besonders betroffen sind Baustellen, Bahnanlagen, Windkraftanlagen und Industrieobjekte. Neben hohen Sachschäden sorgen die Taten häufig auch für erhebliche Betriebsstörungen.
Kupfer zählt derzeit zu den wertvollsten Metallen im Schrotthandel. Für ein Kilogramm reines Kupfer zahlen Recyclingbetriebe je nach Reinheitsgrad bis zu zehn Euro. Selbst isolierte Kupferkabel bringen noch rund drei Euro pro Kilogramm. Die vergleichsweise hohen Ankaufspreise machen das Metall zu einem begehrten Ziel organisierter Diebesbanden und Gelegenheitstäter.
Polizei registriert steigende Fallzahlen
Nach Auswertung der Polizeiinspektion Stendal ist die Zahl der Kupfer- und Kupferkabeldiebstähle seit Beginn des Jahres 2026 in den Landkreisen Stendal und Altmarkkreis Salzwedel leicht gestiegen. Die Polizei registriert dort monatlich einen unteren zweistelligen Bereich an entsprechenden Straftaten.
Das Diebesgut reicht von einfachen Ladekabeln über Regenfallrohre bis hin zu kompletten Kabeltrommeln auf Baustellen.
Noch deutlicher fällt der Anstieg im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei aus. An Bahnanlagen in Sachsen-Anhalt wurden zwischen Januar und April 2026 insgesamt 57 Metalldiebstähle registriert, davon 50 Fälle mit Kupferdiebstahl. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg der Metalldiebstähle um 46 Prozent.
Windkraftanlagen und Infrastruktur im Visier
Besonders problematisch sind Diebstähle an kritischer Infrastruktur. Immer häufiger geraten Windenergieanlagen, Trafostationen oder Bahnanlagen ins Visier der Täter. Dort verursachen gestohlene Kabel nicht nur hohe Materialschäden, sondern können auch den Betrieb erheblich beeinträchtigen oder zeitweise vollständig lahmlegen.
Auch Baustellen sind ein beliebtes Ziel. Dort lagern häufig größere Mengen an Kabeln und Installationsmaterialien, die sich vergleichsweise leicht abtransportieren lassen.
Hohe Folgekosten
Der eigentliche Materialwert ist oft nur ein Teil des Schadens. Deutlich teurer werden in vielen Fällen Reparaturen, Produktionsausfälle oder Betriebsunterbrechungen. Insbesondere bei Bahnanlagen können Kupferdiebstähle zu erheblichen Verspätungen und Störungen im Zugverkehr führen.
Polizei rät zu besseren Sicherungsmaßnahmen
Um Diebstähle zu erschweren, empfiehlt die Polizei Unternehmen und Eigentümern mehrere Schutzmaßnahmen:
- Baustellen und Lagerplätze möglichst gut beleuchten und sichern,
- hochwertige Kabel und Metallteile nicht offen lagern,
- Videoüberwachung und Alarmtechnik einsetzen,
- auffällige Personen oder Fahrzeuge in der Nähe sensibler Anlagen sofort melden,
- Kupferdiebstähle umgehend anzeigen, damit Tatserien schneller erkannt werden können.
Rohstoffpreise treiben Kriminalität an
Experten sehen einen Zusammenhang zwischen den weiterhin hohen Metallpreisen und der steigenden Zahl entsprechender Delikte. Kupfer lässt sich vergleichsweise unkompliziert verkaufen und erzielt deutlich höhere Erlöse als viele andere Metalle wie Stahl oder Aluminium. Solange diese Preisentwicklung anhält, dürfte das Risiko weiterer Diebstähle hoch bleiben.
Für Unternehmen, Kommunen und Betreiber kritischer Infrastruktur gewinnt deshalb der Schutz von Kabeln, Leitungen und technischen Anlagen zunehmend an Bedeutung.