Der Jahresabschluss 2024 der ERG Windpark Bischhausen GmbH & Co. KG zeigt ein Unternehmen, das sich weiterhin in der Entwicklungs- beziehungsweise Errichtungsphase befindet. Die Bilanz weist erneut ein negatives Eigenkapital aus, sodass die Gesellschaft bilanziell überschuldet ist. Gleichzeitig investiert das Unternehmen weiter in den Aufbau des Windparks und kann sich auf die finanzielle Unterstützung des italienischen Mutterkonzerns verlassen. Für Anleger bleibt das Projekt damit chancenreich, aber noch mit erhöhten Risiken verbunden.
Bilanziell überschuldet – ohne Patronatserklärung wäre die Lage kritisch
Der auffälligste Punkt des Jahresabschlusses ist erneut die Eigenkapitalsituation.
Zum Bilanzstichtag weist die Gesellschaft einen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil der Kommanditistin von rund 35.800 Euro aus. Im Vorjahr lag dieser noch bei rund 23.900 Euro. Das negative Eigenkapital hat sich damit weiter erhöht.
Die Geschäftsführung bezeichnet die Gesellschaft ausdrücklich als bilanziell überschuldet.
Für Anleger wäre dies grundsätzlich ein erhebliches Warnsignal. Allerdings wird dieses Risiko durch eine Patronatserklärung der italienischen ERG Power Generation S.p.A. deutlich entschärft. Der Mutterkonzern hat zugesagt, der Gesellschaft jederzeit die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sämtliche Zahlungsverpflichtungen erfüllt werden können.
Aus diesem Grund geht die Geschäftsführung auch weiterhin von einer gesicherten Unternehmensfortführung aus.
Projektentwicklung schreitet voran
Positiv entwickelt sich das Anlagevermögen.
Die Sachanlagen erhöhten sich von rund 57.600 Euro auf gut 67.000 Euro. Zwar fällt der Anstieg noch vergleichsweise gering aus, er zeigt aber, dass das Projekt weiterentwickelt wird.
Auffällig ist zudem der Hinweis im Anhang, dass mit den Abschreibungen erst nach Fertigstellung der Windkraftanlagen begonnen wird. Daraus lässt sich schließen, dass sich das Projekt Ende 2024 weiterhin vor der eigentlichen Inbetriebnahme befand und noch keine laufenden Stromerlöse erwirtschaftete.
Finanzierung erfolgt überwiegend über den Konzern
Die Gesellschaft finanziert sich nahezu vollständig über konzerninterne Mittel.
Von den gesamten Verbindlichkeiten in Höhe von rund 101.000 Euro entfallen allein 66.000 Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.
Diese Finanzierung über den Konzern ist typisch für Projektgesellschaften in der Entwicklungsphase. Sie zeigt einerseits das Vertrauen des Eigentümers in das Projekt, macht die Gesellschaft andererseits aber auch stark von der Unterstützung des Mutterkonzerns abhängig.
Sehr geringe Liquidität
Das Umlaufvermögen beträgt lediglich rund 3.300 Euro.
Für sich genommen wäre dies eine äußerst schwache Liquiditätsausstattung. Da gleichzeitig die Finanzierung vollständig konzernintern abgesichert ist und eine Patronatserklärung vorliegt, ergibt sich daraus aktuell jedoch kein akuter Hinweis auf Zahlungsprobleme.
Dennoch zeigt die Bilanz, dass die Gesellschaft wirtschaftlich noch nicht auf eigenen Beinen steht.
Keine Aussagen zur operativen Entwicklung
Wie bereits im Vorjahr fehlen wesentliche Informationen zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Nicht veröffentlicht werden unter anderem:
- Umsatzerlöse,
- Stromproduktion,
- Betriebsergebnis,
- Cashflow,
- Zeitplan bis zur Inbetriebnahme,
- oder eine konkrete Prognose für die kommenden Geschäftsjahre.
Für Anleger bleibt deshalb offen, wie weit das Projekt tatsächlich fortgeschritten ist und wann erstmals laufende Erträge erzielt werden sollen.
Positiv: Überschaubare Verschuldung
Die absoluten Verbindlichkeiten sind mit rund 101.000 Euro weiterhin vergleichsweise niedrig.
Größere Bankdarlehen oder langfristige Finanzierungen sind aus dem Jahresabschluss nicht ersichtlich. Das reduziert das Zinsrisiko, solange die Projektentwicklung planmäßig verläuft.
Fazit aus Anlegersicht
Die ERG Windpark Bischhausen GmbH & Co. KG befindet sich weiterhin in einer frühen Projektphase. Der Ausbau des Anlagevermögens zeigt Fortschritte bei der Entwicklung des Windparks. Gleichzeitig weist die Gesellschaft weiterhin ein negatives Eigenkapital auf und ist bilanziell überschuldet.
Entscheidend für die Stabilität bleibt deshalb die Patronatserklärung der italienischen ERG Power Generation S.p.A., die die Finanzierung des Projekts absichert. Ohne diese Unterstützung wäre die Bilanz deutlich kritischer zu bewerten.