Liebe Fußballfreunde, manchmal braucht es keine Gala, keine fünf Traumtore und keinen Zauberfußball. Manchmal reicht ein Mann namens Stephen Eustáquio, ein halb geklärter Ball und ein Schuss, der eine ganze Nation ausrasten lässt.
Kanada steht tatsächlich erstmals im Achtelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Und ja, das war verdient – auch wenn der Weg dorthin ungefähr so flüssig war wie Ahornsirup aus dem Kühlschrank.
Über weite Strecken lieferten sich Kanada und Südafrika einen Wettkampf darin, wer den Ball kreativer verlieren kann. Chancen? Überschaubar. Spielfluss? Urlaub. Die erste Stunde fühlte sich an wie ein Schachspiel, bei dem beide Spieler vergessen hatten, welche Figur wohin ziehen darf.
Dann wurde es plötzlich lebendig. Beide Teams fanden tatsächlich den Weg Richtung Strafraum, Südafrika schnupperte am Führungstreffer, Kanada antwortete – und als Alphonso Davies nach seiner Einwechslung das Tempo anzog, bekam die Partie endlich WM-Niveau.
Alles deutete bereits auf die Verlängerung hin. Die Fans stellten sich innerlich auf weitere 30 Minuten Nervenkitzel ein. Doch dann kam Eustáquio. Der Ball landete nach einer missglückten Klärung genau vor seinen Füßen. Ein Kontakt, ein satter Abschluss – und plötzlich flog der Ball unhaltbar in den Winkel. Ende. Aus. Kanada im Fußball-Himmel.
Der Jubel? Grenzenlos. Das Stadion? Ein Tollhaus. Die Gastgeber schreiben Geschichte und dürfen weiter vom ganz großen Coup träumen. Allerdings sollte bis zum Achtelfinale noch kräftig am Feinschliff gearbeitet werden. Mit einer Leistung wie dieser wird weder die Niederlande noch Marokko freiwillig die Koffer packen.
Und Südafrika? Die „Bafana Bafana“ verlassen den Platz mit hängenden Köpfen. Das ist verständlich. Sie waren lange ebenbürtig, kämpften bis zur letzten Minute und wurden am Ende von einem einzigen Geistesblitz bestraft. Trotzdem können sie stolz auf ihr Turnier sein.
Fußball kann manchmal grausam sein. Für Kanada ist es die größte Nacht der Fußballgeschichte. Für Südafrika bleibt die Erkenntnis: Man war nur einen unglücklich abgewehrten Ball vom eigenen WM-Märchen entfernt. Und genau deshalb lieben wir dieses Spiel.