Dark Mode Light Mode
ETA für Großbritannien: Vorsicht vor teuren Betrugsportalen
ERG Windpark Aukrug GmbH & Co. KG: Projekt in der Aufbauphase – Anleger müssen Geduld und Risikobereitschaft mitbringen
AGB: Wann das Kleingedruckte wirklich gilt

ERG Windpark Aukrug GmbH & Co. KG: Projekt in der Aufbauphase – Anleger müssen Geduld und Risikobereitschaft mitbringen

geralt (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss 2024 der ERG Windpark Aukrug GmbH & Co. KG zeigt ein Unternehmen, das sich noch mitten in der Projektentwicklungs- beziehungsweise Errichtungsphase befindet. Aus Anlegersicht sind die Zahlen deshalb nur eingeschränkt mit denen eines bereits produzierenden Windparks vergleichbar. Positiv ist die klare Unterstützung durch den italienischen Mutterkonzern ERG. Gleichzeitig weist die Gesellschaft weiterhin ein negatives Eigenkapital aus und ist bilanziell überschuldet.

Bilanziell überschuldet – aber mit Rückendeckung des Mutterkonzerns

Der auffälligste Punkt des Jahresabschlusses ist das weiterhin negative Eigenkapital.

Zum Bilanzstichtag weist die Gesellschaft einen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil der Kommanditistin von rund 29.950 Euro aus. Die Geschäftsführung spricht selbst ausdrücklich von einer bilanziellen Überschuldung.

Normalerweise wäre dies ein Warnsignal für Anleger. Allerdings relativiert sich die Situation durch eine entscheidende Besonderheit.

Die italienische ERG Power Generation S.p.A. hat im März 2025 eine Patronatserklärung abgegeben. Darin verpflichtet sich der Mutterkonzern, der Gesellschaft jederzeit die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, damit sämtliche Zahlungsverpflichtungen erfüllt werden können.

Für Anleger ist dies ein wichtiger Stabilitätsfaktor. Die Fortführung des Unternehmens hängt damit derzeit weniger von der eigenen Bilanz als vielmehr von der Unterstützung des finanzstarken Konzerns ab.

Hohe Investitionen zeigen den Projektfortschritt

Positiv fällt auf, dass das Anlagevermögen deutlich gewachsen ist.

Die Sachanlagen erhöhten sich innerhalb eines Jahres von rund 695.000 Euro auf knapp 985.000 Euro.

Das deutet darauf hin, dass die Projektentwicklung beziehungsweise der Bau der Windenergieanlagen weiter voranschreitet. Gleichzeitig weist der Anhang ausdrücklich darauf hin, dass mit den Abschreibungen erst nach Fertigstellung der Windkraftanlagen begonnen wird.

Das bestätigt, dass sich der Windpark Ende 2024 noch nicht im regulären Betrieb befand.

Noch keine operative Ertragskraft sichtbar

Gerade weil sich das Projekt noch im Aufbau befindet, fehlen die typischen Kennzahlen eines laufenden Windparks.

Es gibt keine Angaben zu:

  • Stromproduktion,
  • Umsatzerlösen,
  • Betriebsergebnis,
  • Cashflow,
  • oder Ertragsprognosen.

Für Anleger ist das nachvollziehbar, erschwert aber die wirtschaftliche Bewertung erheblich. Ob und wann der Windpark seine geplanten Erträge tatsächlich erwirtschaften wird, lässt sich aus dem Jahresabschluss nicht ableiten.

Finanzierung erfolgt überwiegend konzernintern

Die Bilanz zeigt außerdem eine sehr hohe Abhängigkeit von der Konzernfinanzierung.

Von den gesamten Verbindlichkeiten in Höhe von rund 1,01 Millionen Euro entfallen allein 745.000 Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.

Bankdarlehen spielen dagegen bislang offenbar keine wesentliche Rolle.

Für Anleger hat dies zwei Seiten.

Einerseits signalisiert die Finanzierung durch den Konzern Vertrauen des Eigentümers in das Projekt. Andererseits bleibt die Gesellschaft damit finanziell stark von ihrem Gesellschafter abhängig.

Kaum Liquiditätsreserven

Die frei verfügbaren liquiden Mittel sind ausgesprochen gering.

Das Umlaufvermögen beträgt lediglich rund 2.300 Euro.

Dies wäre bei einem eigenständig wirtschaftenden Unternehmen kritisch zu bewerten. Im vorliegenden Fall relativiert sich die Situation allerdings erneut durch die Patronatserklärung und die konzerninterne Finanzierung.

Ohne die Unterstützung der Muttergesellschaft wäre eine derart geringe Liquiditätsausstattung kaum tragfähig.

Positiv: Fortführungsprognose bleibt bestehen

Trotz der bilanziellen Überschuldung sieht die Geschäftsführung keine Gefährdung der Unternehmensfortführung.

Sie verweist ausdrücklich darauf, dass aufgrund der Patronatserklärung sowie der erwarteten wirtschaftlichen Entwicklung sämtliche Zahlungsverpflichtungen in den Jahren 2025 und 2026 erfüllt werden können.

Die Bilanz wurde daher weiterhin nach dem Grundsatz der Unternehmensfortführung erstellt.

Fazit aus Anlegersicht

Die ERG Windpark Aukrug GmbH & Co. KG befindet sich eindeutig noch in einer frühen Projektphase. Die steigenden Investitionen zeigen, dass das Windparkprojekt voranschreitet. Gleichzeitig existiert bislang noch keine operative Ertragsbasis, anhand derer sich die Wirtschaftlichkeit beurteilen ließe.

Kritisch bleibt das weiterhin negative Eigenkapital sowie die bilanzielle Überschuldung. Diese Risiken werden derzeit jedoch durch die Patronatserklärung und die finanzielle Unterstützung der italienischen ERG Power Generation S.p.A. erheblich entschärft.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

ETA für Großbritannien: Vorsicht vor teuren Betrugsportalen

Next Post

AGB: Wann das Kleingedruckte wirklich gilt